eparo – Digital Service Design

Das Blog von eparo.de

9. Juli, 2020

Von skeptischen Eltern und reifenden Produkten

Was ist eigentlich die Produktreiferei?

Die Produktreiferei ist ein offener UX-Test für Start-ups, bei dem Leute zusehen und mitmachen können. Das Start-up bekommt einen kostenlosen UX-Test und jede Menge Feedback. Man kann nämlich gar nicht früh genug damit anfangen, seine Nutzer in die Produktentwicklung mit einzubeziehen und das wollen wir unterstützen.

Produktreiferei #6 mit dem Start-up pockid

Diese Runde waren die Jungs von pockid mit dabei, die eine Prepaid Mastercard für junge Leute entwickeln. Dass Teenager auf die Idee abfahren, ist wenig überraschend – aber überzeugt das Produkt auch die Eltern?

Wir wollten gemeinsam herauszufinden, was die Eltern über das Produkt denken und welche Informationen und Funktionen sie benötigen, um das Taschengeld ihrer Kinder im Blick zu behalten.

„Da wir selbst noch keine Kinder in dem Alter haben, ist es uns wichtig zu verstehen, wie Eltern auf pockid reagieren“, sagt Max, Mitgründer und CMO des Start-ups.

Komplett remote

Normalerweise treffen wir uns in unserem schönen Workshop-Raum auf St. Pauli, um Nutzertests durchzuführen und zu beobachten. Zurzeit bevorzugen wir aber noch ein remote Set-up für unsere Projekte. Deshalb haben wir die Gelegenheit genutzt, Lookback.io auszuprobieren, um pockids Prototypen zu testen.

Das hat ganz gut geklappt und wir konnten den iPhone-Bildschirm inklusive Gestenfeedback und Gesicht des Probanden aufzeichnen. Während der Tests haben wir den Eltern sowohl Screens der pockid Website als auch der App gezeigt, um ihre Meinung und Reaktion zu analysieren.

Danach sind wir am Montagabend via Zoom zusammengekommen und haben die aufgezeichneten Interviews gemeinsam beobachtet und ausgewertet.

Beobachtung des UX-Tests
Gemeinsame Auswertung in Miro

Viele Zuschauer = bessere Ergebnisse

Am 6. Juli 2020 haben neben den Teams von pockid und eparo auch externe Gäste bei der Produktreiferei mitgemacht, sei es aus Neugier oder weil es ihnen am Herzen liegt, Start-ups zu unterstützen. Mit dabei waren Designer, UX-ler, Produktentwickler, Studierende, Konzepter und andere.

Diese Kombination aus User Research (unsere Spezialität!) und dem Einfließen verschiedener Perspektiven hilft dem Start-up dabei, Abstand zu gewinnen und die eigene Produktidee mit frischem Blick zu betrachten. Und genau das macht die Produktreiferei so cool.

Caspar, freier User Experience Architect aus Berlin, brachte beispielsweise die Themen Vertrauen und Kommunikation zwischen Eltern und Kindern auf den Tisch, zwei essentielle Faktoren, um das Produkt erfolgreich zu machen.

Dank der tollen Mischung aus Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen konnte pockid so spannende Erkenntnisse und konkrete To Do’s für sich mitnehmen.

Teilnehmer vom 6. Juli

Virtuell, aber trotzdem persönlich

All unsere Beobachtungen und Erkenntnisse haben wir mit dem Whiteboard-Tool Miro festgehalten. Das hat wunderbar funktioniert, bis sich kurz vor Ende das gesamte Board zerschoss und wir nicht mehr damit arbeiten konnten. Vermutlich waren die Miro-Server überlastet, sobald der Arbeitstag der Amerikaner begann.

Trotz geforderter Improvisation war die Stimmung bis zum Schluss offen, konstruktiv und wertschätzend. Niemand war genervt, obwohl wir bereits mehrere Stunden konzentriert miteinander gearbeitet hatten, was mich sehr beeindruckt hat.

An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an alle, die mitgemacht haben, ihr seid klasse! :-)

Diejenigen, die diese Produktreiferei verpasst haben: Freut euch auf Runde #7 und meldet euch für den eparo Newsletter an, um zu erfahren, wann sie stattfindet. Start-ups, die sich bewerben möchten, finden nähere Infos unter www.eparo.de/produktreiferei.

 
5. Mai, 2020

10 Dinge um Remote UX – Tests und Workshops erfolgreich zu gestalten!

eparo hat gemeinsam mit tesa erfolgreich einen Remote User Research durchführt. Dieser Artikel beschreibt, wie unsere Praxis-Erfahrungen euch dabei helfen können, trotz „Social Distancing“, im Team arbeitsfähig zu bleiben. Ihr wollt gemeinsam nutzerzentrierte Erkenntnisse gewinnen und Euer Projekte voranbringen, auch wenn sich das Team nicht physisch treffen kann? Hier findet Ihr 10 Dinge, die wir in unserem Projekt mit tesa gelernt haben, um Nutzertests und Workshops auf Distanz erfolgreich zu gestaltet.

User Research heißt Nutzer beobachten, befragen und so aus 1. Hand echte Erkenntnisse gewinnen – das geht am besten gemeinsam im Team. Bei der gemeinsamen Beobachtung und Auswertung trägt jeder aus dem Team mit seinem Expertenblick und vielen, vielen Post-Its dazu bei, dass bei der Ableitung von Handlungsempfehlungen an alles gedacht wird und gewonnene Erkenntnisse auch in umsetzbare Maßnahmen überführt werden können. eparo arbeitet seit 14 Jahren erfolgreich nach dieser Methode. tesa ist ebenfalls überzeugt von dieser Arbeitsweise und führt daher eine umfangreiche Nutzerstudie zum Online-Verhalten gemeinsam mit eparo durch. Zusätzlich hat tesa für Workshops und Teamarbeit extra Workspaces und Workshop Räume eingerichtet, um den persönlichen Austausch und das gemeinsame Arbeiten zu fördern.

Aber wie soll das jetzt gehen? 

Ihr kennt das Problem, denn auch in eurem Team ist der Austausch durch die aktuellen Maßnahmen stark eingeschränkt und die Projekte gehen nicht mehr so richtig voran.
Home-Office ist ja für 2-3 Tage mal ganz schön, aber so ganz ohne Meetings und Workshops im Team geht eigentlich gar nichts mehr. 2 Meter Abstand und Schutzmaske – auch keine Option! Was bleibt, ist die Durchführung von Remote Meetings und Workshops!

Doch wie lassen sich diese Remote Workshops erfolgreich gestalten?

Wie bekommt man das Team dazu, sich mit ganzer Aufmerksamkeit auf das Thema zu konzentrieren? Wie kann aus der Ferne ein Teamgefühl entstehen und wie schafft man es, auch bei 4-5 Stunden im virtuellen Meeting-Raum fit und konzentriert zu bleiben?

Auf diese Fragen möchten wir euch jetzt Antworten aus der Praxis eines Remote User Researches* für tesa geben, denn das funktioniert tatsächlich! Die genutzten Tools und weitere Infos zu dem Projekt findest Du am Ende dieses Beitrages in Listenform (mit Links zu den jeweiligen Anbieter-Seiten).

1. Klarheit und Verbindlichkeit schaffen

Der erste Tagesordnungspunkt bei einem Meeting bestehend aus Vorstellungsrunde und der Besprechung der Agenda, muss bei Remote Meetings und Workshops schon vorher allen Teilnehmern klar sein. Die Aufgabe dafür liegt bei dem, der das Meeting einstellt, also im Zweifelsfall bei euch bzw. dem Moderator!
Die Einladung zum Termin sollte daher folgende Punkte beinhalten, damit alle schon vor dem Termin verbindlich wissen, was auf sie zu kommt und so die Möglichkeit haben, vorab Fragen zu klären:

– Worum geht es konkret?

– Was ist das Ziel des Termins, was wollen wir gemeinsam erreichen?

– Wann geht es los, wie lange geht es und wann sind die Pausen?

– Wann geht es los, wie lange geht es und wann sind die Pausen?

– Wer muss dabei sein?

– Was wird dafür gebraucht (Hardware, Software, etc.)?

– Einwahldaten, also Links und Telefonnummern

– Kontaktdaten, unter denen ihr auch während des Meetings direkt erreichbar seid

2. Genug Vorlauf einplanen

„Hätte ich das früher gewusst, dann hätte ich auch teilnehmen können.“ Wenn diese Aussage von einem entscheidenden Teilnehmer kommt, kann das im Zweifelsfall bedeuten, dass das ganze Meeting verschoben werden muss. Oder noch schlimmer, das Meeting findet ohne den Kollegen statt und die Ergebnisse sind am Ende nicht nutzbar, weil die eine wichtige Information von eben diesem Kollegen gefehlt hat.

Deshalb unbedingt genug Vorlauf einplanen und die Einladung 2 Wochen vor dem Termin an alle persönlich versenden. Idealerweise versendet ihr die Einladung direkt mit allen Infos (siehe 1.) über euer Kalender Tool und seht so auch den aktuellen Teilnehmer-Status.

Hilfreich ist auch, mit allen Teilnehmern einmal vorab telefonisch zu sprechen, die Erwartungen zu managen und im persönlichen Gespräch zu unterstreichen, wie wichtig der Termin und die Teilnahme ist.

3. Technik testen und auf „Probleme“ vorbereitet sein

Irgendwas ist immer. Deshalb gilt: macht euch mit der Technik vertraut und testet das Setup eine Woche vor dem eigentlichen Termin. So habt ihr genug Zeit um ggf. Alternativen zu finden, wenn etwas nicht klappt. Wenn es Teilnehmer gibt, die zum ersten Mal dabei sind, dann hilft es, mit diesen vorab einen Check zu machen und eine 2-er Konferenz mit dem gleichen Setup zu proben. Das gibt euch und dem Teilnehmer Sicherheit für den „echten“ Termin.

Die Technik ist tatsächlich der Teil bei einem Remote Workshop, bei dem am meisten schief gehen kann. Deshalb solltet ihr hier unbedingt fit sein, die gängigsten Probleme kennen und verstehen. Dieses Wissen hilft dabei, im Live-Betrieb Ruhe zu bewahren und eine Lösung zu finden. Denn egal, wie gut ihr vorher alles testet, es wird immer irgendwas nicht so klappen wie geplant. Nachfolgend eine kleine (unvollständige) Liste von Problemen, die wir selbst beim tesa User Research hatten und deren Lösung:

Kein Bild vom Teilnehmer: Webcam im Video-Konferenz Tool oder in den Systemeinstellungen aktivieren, ggf. Sticker vor Kamera entfernen

Kein Ton: Im Video-Konferenz Tool oder in den Systemeinstellungen aktivieren

– Kann sich nicht einloggen: Link prüfen, Sicherheitseinstellungen prüfen, ggf. Software wechseln (vorab klären), telefonisch einwählen

– Schlechtes Bild/Ton: Internetverbindung prüfen, anderen Platz aufsuchen, LAN-Kabel statt WLAN nutzen

Bild zu dunkel: Licht von vorn, nicht vor Fenster setzen

– Ton schlecht: Headset nutzen oder über Telefon einwählen, ruhigen Raum aufsuchen

– Co-Working Software zu langsam: Handschriftliche Notizen machen und später übertragen

– Zoom Sicherheitslücke: Link und Passwort nutzen oder Software wechseln

Datenschutz: Datenschutzvorgaben beachten, Datenschutzvereinbarung (online) unterzeichnen lassen

– Unvorhergesehenes: Ruhe bewahren, ggf. Teilnehmer per Telefon dazu holen

Habt ihr auch schon mal Probleme bei einer Videokonferenz oder einem virtuellen Meeting gehabt und konntet das Problem lösen? Schreibt mir in den Kommentaren.

4. Mehr Zeit für die Vor- und Nachbereitung einplanen

Remote Meetings und Workshops sind super anstrengend für alle Beteiligten.

Man muss sich mehr konzentrieren und schaut die ganze Zeit auf einen Bildschirm, das nervt. Wenn dann etwas nicht klappt (siehe 3. Technik) und alle schon etwas genervt sind, wiegt jeder Fehler doppelt schwer. Charme und Erfahrung, die im persönlichen Meeting solche Fehler ausbügeln können, helfen einem remote leider auch nicht weiter.

Da bleibt nur noch eine extrem gründliche Vorbereitung, damit alle Unterlagen, die im Workshop genutzt werden, perfekt sind. Es kommt auf jeden Schreibfehler, jedes falsche Wort und jedes Dokument an. Deshalb sollten alle Vorlagen, die im Meeting genutzt werden, doppelt auf folgende Punkte geprüft werden.

– Werden die Teilnehmer geduzt oder gesiezt?

– Sind wirklich keine Fehler im Dokument?

– Wird das richtige (Unternehmens-) Wording verwendet?

– Kann man die Dokumente auch mit mehreren Teilnehmern gleichzeitig nutzen/bearbeiten?

– Ist alles gut lesbar und verständlich? Auch für jemanden, der die Vorlagen zum ersten Mal sieht?

– Ist für alle der Zugriff möglich? (Systembeschränkungen/Sicherheitseinstellungen)?

– Gibt es eine „Gebrauchsanweisung“, die man im Dokument integrieren kann?

– Sind die Bereiche, die nicht verändert werden sollen gesperrt?

– Bei vorher aufgezeichneten Videos die Bild und Tonqualität prüfen

– Die Vorbesprechung rausschneiden

– Offline Fallback Varianten bereithalten (z.B. Excel-Dokument statt mural-Whiteboard)

5. Remote Testen – Eng an den Leitfaden halten

Interviews sind wie Paartanz. Der Interviewleiter führt dabei mit feiner Hand und viel Gespür, für den Tanzpartner (den Teilnehmer) kaum spürbar und ohne Zwang. So entsteht ein natürliches Gespräch im Dialog und nur so auch verwertbare Ergebnisse.

Das Ziel ist ein Gespräch, das wie ein harmonischer Tanz, ganz natürlich fließt. Der Teilnehmer gibt das Tempo und den Tanzstil vor und der Interviewleiter die Richtung.

Genug der Tanzschulmetaphorik, remote geht das nämlich nicht! Vor allem, weil die ebenfalls remote durchgeführte Beobachtung und Auswertung durch einen individuellen Gesprächsverlauf deutlich erschwert, wenn nicht sogar unmöglich wird.

Deshalb heißt es bei Remote Interviews, UX-Tests und Befragungen: So dicht am Leitfaden wie möglich!

Das heißt nicht, dass die Fragen aus dem Leitfaden abgelesen werden und man gar nicht auf die Antworten eingeht, jedoch deutlich weniger als bei einem persönlichen Gespräch.

Außerdem hilft es, für die Beobachter den genauen Wortlaut der Frage oder Kategorie zu nennen, damit die Beobachtungen direkt richtig zugeordnet werden können.

Das geht ganz einfach mit kleinen Einleitungssätzen, zum Beispiel:

– „Kommen wir nun zu meiner nächsten Frage“  oder

– „Ich möchte gern von Dir wissen, was hältst Du vom Thema „Remote Beobachten“

Hier hat meine Kollegin Julia übrigens sieben Tipps zum Thema remote Testing gesammelt. Schaut gerne auch da mal vorbei.

6. Remote Beobachten – Für Disziplin und Pausen sorgen

Echte Nutzer im Team beobachten, das ist besser als Kino, gerade, weil man vorher dachte schon alles zu wissen und dann jedes Mal wieder neue Überraschungen erlebt und Erkenntnisse gewinnt. Da wir schon lange keine Einwegspiegel mehr benutzen, sondern die Interviews direkt per Live-Stream in den Beobachtungsraum senden, ändert sich hier von den technischen Voraussetzungen nichts. Das ist ein erprobtes Vorgehen und wird bei eparo seit 14 Jahren so gemacht.

Was jetzt anders ist: Jeder Beobachter schaut von woanders zu. Hört sich komisch an, geht aber gut! Dafür wird der Streaming Link mit allen Beobachtern geteilt und so zeitgleich zugeschaut. Parallel erfassen die Beobachter über ein Co-Working Tool (miro oder mural) ihre eigenen Beobachtungen auf Post-Its. Wir lieben Post-Ist und ohne geht es auch remote bei eparo nicht. Zwischen den Interviews werden die Post-Its im eigenen Bearbeitungsbereich (jeder Beobachter hat seinen eigenen Bereich) sortiert und aufgeräumt. So kann man an einem Tag bis zu 5 Interviews im Team remote beobachten.

Zwischen den Interviews sind Pausen wichtig und wir machen auch mal Lockerungs- und Yogaübungen, damit alle fit bleiben. Wichtig ist, dass die Beobachtung diszipliniert erfolgt, dafür sollte der Meeting-Veranstalter sorgen, mit klaren Ansagen und ggf. direkter Ansprache. Was sich bei unserem User Research mit tesa besonders bewährt hat:

– 30 Minuten Vorbereitungs- und Einweisungszeit zum Start des Meetings fest mit einplanen, damit bei allen die Technik steht und die genutzten Tools (z.B. mural) kurz vorgestellt werden können.

– Spätestens nach 90 Minuten eine Pause (mindesten 15 Minuten) einbauen. Bei längeren Terminen eine große Mittagspause einplanen (90-120 Minuten), denn hier müssen ggf. Kinder versorgt, andere Aufgaben erledigt und nebenbei noch was gegessen werden.

– Akribisches Einhalten des Zeitplanes, dazu gehören auch die Pausen! (siehe auch 8.)

– Teilnehmer immer aktiv mit einbinden und ggf. direkt und mit Namen adressieren, um die Aufmerksamkeit wieder sicher zu stellen. Das klingt ein bisschen nach „Schulmeisterei“, ist es auch, aber anders geht es nicht, da sonst alle abgelenkt werden.

– Wenn längere Phasen „nur“ beobachtet bzw. zugehört wird, das eigene Audio-Signal ausschalten.

– Alle Teilnehmer aktivieren ihre Webcam, immer. Das ist die einzige Möglichkeit um sicherzustellen, dass auch wirklich alle Teilnehmer teilnehmen.

– Gute Kopfhörer, genug zu Trinken, kleine Snacks bereitlegen und, wenn möglich, einen höhenverstellbaren Schreibtisch einrichten, so bleibt ihr lange fit.

 7. Remote Auswerten – Zu zweit moderieren, führen und animieren

Der Auswertungsworkshop ist der komplexeste Teil einer Remote Studie, denn hier kommt es darauf an, die Beobachtungen zu analysieren und gemeinsam Erkenntnisse zu gewinnen.

Die Betonung liegt auf “gemeinsam”. Für bestmögliche und nachhaltige Ergebnisse, die zu direkt umsetzbare Maßnahmen führen, muss der Input aller Teammitglieder in den Workshop einfließen. Alle Teilnehmer müssen also aktiv sein und zwar die ganze Zeit mit hoher Konzentration. Das ist super anstrengend und muss daher sorgfältig moderiert und geführt werden. Dabei noch die Stimmungen der einzelnen Teilnehmer zu erfassen, ist für einen Moderator nicht möglich.

Die Aufgabenteilung sieht bei uns wie folgt aus:

Moderator 1 (fachliche Führung):

– Begrüßung und Vorstellung der Agenda

– Führung bei der Beobachtung

– Inhaltliche Workshop-Leitung (was und mit welchem Ziel)

– Zusammenfassungen kommunizieren

– Feedback von den Teilnehmern berücksichtigen/einfordern

– Zielgerichtete und ergebnisorientierte Zusammenarbeit sicherstellen

– Protokoll und Ordnung der gemeinsam bearbeiteten Dokumente (z.B. Mural-Dokumentation)

Moderator 2 (disziplinarische Führung):

– Reaktionen und Feedback der Teilnehmer erfassen

– Für eine aktive und konstruktive Mitarbeit sorgen

– Zeitmanagement inkl. Pausen

– Organisatorisches und technisches Trouble-Shooting

– Fachliche Hinweise und inhaltliche Unterstützung

Das wichtigste ist, dass alle Teilnehmer motiviert sind und bleiben, den Inhalten folgen können und aktiv mitarbeiten. Das ist mit 2 Moderatoren einfach besser zu erreichen.

Um für mehr Abwechslung sowie körperliche und geistige Frische zu sorgen, kommt bei uns sogar manchmal ein 3. Moderator dazu, um Yoga und Lockerungsübungen anzuleiten. Das ist super wirkungsvoll, um den Kopf frei zu bekommen und nach langem Sitzen und Auf-den-Bildschirm-Starren eine gute Maßnahme, um wieder fit zu werden.

8. Die Zeit im Blick behalten

Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Neben den einzelnen Beobachtungen von Remote Tests, die ja sowieso zeitlich vorgegeben sind, müssen auch und gerade die Pausen zeitlich fest geplant und von allen Teilnehmern akribisch eingehalten werden. Wenn nur ein Teilnehmer nicht rechtzeitig am Start ist, muss das ganze Team warten. Und man weiß ja nicht wie lange und ob derjenige überhaupt wiederkommt.

Damit alle Teilnehmer wissen, wann es weiter geht und trotzdem mal zwischendurch etwas anderes machen können, haben wir einen Wecker als Pausenscreen eingebaut. Mit diesem Timer wird visuell auf den Bildschirmen aller Teilnehmer die verbleibende Zeit (für die Pause) visuell angezeigt. Das kann ein klassischer Wecker, oder auch etwas Spielerisches sein, Hauptsache, auf dem Screen ist visuell erfassbar, wann es weiter geht. (Hier geht’s zu einem sehr schönen Beispiel)

Wer es ganz dramatisch mag, kann auch noch ein akustisches Signal zum Neu-Start mit einbauen. Hier bei uns in Hamburg kommt ein Nebelhorn immer gut. Was wählt ihr als regionalen akustischen Weckruf für eure Remote Meetings? Schreibt mir das in die Kommentare.

9. Sauber und nachvollziehbar dokumentieren

Der beste Remote Workshop und die tollsten Ergebnisse eines remote durchgeführten User Researchs sind ohne Dokumentation nur halb so viel wert. Die Ergebnisse sind nicht mit anderen teilbar, werden wieder vergessen und sind somit als Basis für die nächsten Projekt-Schritte nicht mehr nutzbar. Hier kommt die größte Stärke von Remote Workshops und Meetings zum Tragen, denn was bei Anwesenheits-Terminen (also normalen, physischen Meetings und Workshops) total nervt und im Nachgang zusätzliche Arbeit verursacht, ist bei remote durchgeführten Terminen automatisch mit dabei.

Alle Videokonferenztools haben z.B. eine eingebaute Aufnahmefunktion, mit der das ganze Meeting, oder ausgewählte Teile, aufgezeichnet werden können. Später kann man einfach nochmal reinschauen und nichts geht verloren.

Das gilt auch für die gemeinsam bearbeiteten Dokumente z.B. in mural, miro, aber auch Präsentationen oder Word und Excel-Dokumente, die gemeinsam im Termin bearbeitet wurden. Die gesammelten Notizen, virtuellen Post-Its und alles, was sonst noch während des Remote Termins entsteht, ist ja bereits digital festgehalten. Das spart den Arbeitsschritt der nachträglichen manuellen Erfassung, um z.B. Whiteboard Skizzen oder Post-Its zu digitalisieren. Am Ende muss man nur noch die Ergebnisse per Link mit allen teilen und fertig ist die Dokumentation. Schöner Nebeneffekt: Man hat dann auch gleich alle E-Mail Kontakte der Teilnehmer, wer weiß, wofür man die nochmal braucht. :)

10. Die richtigen Tools auswählen

Die Auswahl an digitalen Tools für remote Meetings und Workshops ist riesig.

Eine vollständige Liste gibt es nicht und damit auch keine finale Gewissheit, ob man das beste Tool gewählt hat. Man kann sich endlos mit diesem Thema beschäftigen, ohne zu wissen, ob man die beste Lösung gewählt hat. Und doch gibt es eine ganz einfache Methode, um schnell eine gute Auswahl zu treffen: Fragt einfach jemanden, der schon mal einen Remote Termin moderiert hat, welche Tools sie oder er empfehlen kann, das ist der schnellste und nicht der schlechteste Weg.


Das Wichtigste, was wir aus unseren Erfahrungen mit tesa und mit vielen anderen Studienteilnehmern sagen können ist, dass die Tools folgende Bedingungen erfüllen sollten, um im Termin bestmöglich zu unterstützen:

– So wenig Anwendungen wie möglich

– Einfache, möglichst intuitive Nutzbarkeit (Usability)

– Stabilität und Performance der Anwendung auch bei vielen Teilnehmern

– Datensicherheit und Rechtevergabe

– Ohne Installation auf dem Rechner nutzbar

– Bekanntheit und bereits aktive Nutzung durch die Teilnehmer

Denn eines ist ja klar, wenn euer Ansprechpartner beruflich nur Microsoft Teams nutzen kann, braucht ihr nicht lange nach einer Video-Konferenz-Lösung zu suchen.

Hier die Liste von Anwendungen, die ihr für eine erfolgreiche Remote Session braucht und nachfolgend die Links, zu den von uns gewählten und genutzten Lösungen:

– Videokonferenz-Anwendung, das Rückgrat Deiner Remote Session

– Streaming-Lösung, z.B. für das Beobachten von Interviews

– Virtuelles Whiteboard, für Post-Its, Notizen, Scribbles und Skizzen.

– Datenaustauschplattform, für das Bereitstellen größerer Datenmengen und der Dokumentation

– Terminplanungs-App (Kalender), um den Termin zu koordinieren

– Excel, Word und Powerpoint Online

Linkliste:

zoom   Videokonferenz-Software ohne Installation mit Link und Passwort nutzbar (am besten über Chrome)

mural virtuelles Whiteboard zum Co-Working auf Basis von digitalen Post-It Notizen

miro virtuelles Co-Working mit vielen Templates ebenfalls auf Basis von digitalen Post-Its

blitzvideoserver Streaming Anbieter aus Deutschland, DSGVO konform

dropbox paper

Google Docs

google Kalender

Johanna hat sich mal mit verschiedenen Konferenztools beschäftigt. Ihre Bewertung und Empfehlungen findet ihr hier.

* Ziel der tesa Studie ist, User Insights zu generieren. Es geht darum, die Wünsche und Bedürfnisse der Nutzer rund um das Thema „Klebelösungen“ zu ermitteln. Es sollen die wichtigsten Use Cases bzw. User Journeys ermittelt werden, um auf diesen Erkenntnissen aufbauend, die Online Maßnahmen von tesa zu optimieren. Alle Schritte der Nutzer-Studie, also Planung, Durchführung der Interviews, Beobachtung und Auswertung wurden dabei komplett remote durchgeführt.

Über den Autor:

Ich bin Peer Langermann, Senior UX-Consultant bei eparo und ich verstehe mich als Coach, der Unternehmen und Teams dabei unterstützt, nutzerzentriert zu arbeiten.

Nach mehr als 20 Jahren Erfahrung in allen Bereichen des Marketing, vom Event- über Direkt- und Produktmarketing bis hin zu e-Commerce, Online- und Mobil-Marketing sowohl auf Agentur- und Unternehmensseite, bin ich seit Ende 2017 bei eparo. Und hier habe ich meine Berufung gefunden! Ich bin begeistert von der Arbeitsweise und dem Ansatz bei eparo. Hier ist immer der Nutzer der Schiedsrichter, die Beobachtung und Auswertung unserer UX-Tests und Studien finden immer im Team, mit allen Stakeholdern und im persönlichen Austausch auf Augenhöhe statt. So entsteht echter Erkenntnisgewinn statt kontroversem Meinungsaustausch. Die Ergebnisse sind eindeutig und vom ganzen Team getragen und führen sofort zu direkt umsetzbaren Maßnahmen, ganz ohne Folgemeetings und Verkaufspräsentationen. Ich weiß ehrlich nicht mehr, warum ich jemals anders gearbeitet habe. Wenn ihr Fragen zum Thema remote UX-Research oder remote Workshops habt oder die Arbeitsweise von eparo kennen lernen möchtet, schreibt mir einfach an peer.langermann@eparo.de
oder ruf mich an unter: +49 (0)40 822 95 62 – 12

Über tesa:

tesa gehört zu den weltweit führenden Herstellern von technischen Klebebändern und Klebesystemlösungen für industrielle und professionelle Kunden sowie für Endverbraucher.

Die Anwendungen für verschiedene Industriebereiche wie die Automobilindustrie, die Elektronikbranche (z. B. Smartphones, Tablets), Druck und Papier, die Bauzulieferindustrie und Sicherheitskonzepte für einen wirkungsvollen Marken- und Produktschutz machen ungefähr 76 Prozent des Umsatzes der tesa Gruppe aus (2019: 1,378.7 Millionen Euro). 24 Prozent seines Umsatzes erzielt tesa am Endverbraucher- und Handwerkermarkt, wo 300 Produkte das Leben zu Hause und im Büro erleichtern.

Referenz: dominik.enders@tesa.de

Über eparo:

Nutzerzentrierte Produktentwicklung, Product Discovery, User Research und UX-Testings. eparo ist seit 14 Jahren mit Herzblut und vielen bunten Post-Its im Auftrag der Nutzer unterwegs. Wir bringen Nutzerverständnis in Dein Team und helfen dabei User Research als integralen Bestandteil in bestehende Arbeitsabläufe zu integrieren. Agil, flexibel und natürlich auch remote mit eparo gewinnt ihr echte Nutzererkenntnis aus erster Hand und erhaltet konkreten Handlungsempfehlungen und direkt umsetzbaren Maßnahmen zur Optimierung eurer digitalen Projekte.

info@eparo

 
21. April, 2020

7 Tipps für weltklasse remote Interviews ODER das telefonische Interview mit dem texanischen Brummi-Fahrer auf dem Highway

6 Wochen Homeoffice dank Corona, 42 remote Interviews in Deutschland, USA und China und unzählige vor dieser besonderen Zeit. Ich teile meine 7 Tipps für remote Interviews – so könnt ihr entspannter in eure gehen. Und am Ende gibts auch noch die Geschichte mit dem Brummi-Fahrer, versprochen.

1. Die Sache mit der Rekrutierung von remote Interviews

Um unliebsame Überraschungen zu vermeiden, fragen wir bei der Rekrutierung von Probanden für remote Interviews zusätzlich zu den Rekrutierungsanforderungen folgende Punkte ab:

1. Welche Hardware hat der Teilnehmer, um am Interview teilzunehmen?

Je nach Testgegenstand benötigen die Probanden andere Devices. Soll eine mobile Webseite getestet werden, benötigt der Teilnehmer ein entsprechendes Gerät.Zusätzlich zum Testgerät wird eine Kamera, ein Mikrofon und Lautsprecher benötigt. Diese Dinge befinden sich eigentlich an jedem Laptop – allerdings haben immer mehr Menschen gar keinen Laptop oder PC mehr zu Hause. Das sollte unbedingt in der Rekrutierung abgefragt werden.
Ebenso hilfreich sind ein Headset oder Kopfhörer (falls vorhanden), um fiese Rückkopplungen zu vermeiden. In diesem Zusammenhang auch sehr wichtig (insbesondere bei B2B Tests): Hat der Proband die technischen Befugnisse, auf Mikrofon und Kamera zuzugreifen und ggf. Tools zu installieren (siehe auch: 3. Die Sache mit dem richtigen Tool) und diesen die Zugriffe zu erlauben?

2. Wie hoch ist die Technikaffinität der Person?

Remote Interviews haben eine Einschränkung: Die Befragung von absoluten Technik-Dummies Personen stellt eine große Hürde dar. Ihr solltet vor der Planung des Test unbedingt festlegen, ob nicht-affine Menschen befragt werden müssen. Ich rate hiermit davon ab, da leider in den seltensten Fällen ein Interview komplett ohne technische Hürden abläuft. Aus diesem Grund fragen wir die Technik-Affinität bei der Rekrutierung ab. Meistens hilft hier schon eine Selbsteinschätzung der potentiellen Probanden, um ein Gefühl zu bekommen.

3. Wie stabil ist die Internetverbindung?

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: die Stabilität der Internetverbindung ist ziemlich eigensinnig, besonders im privaten Umfeld. Von daher solltet ihr bei der Rekrutierung abfragen, was für eine Internetverbindung vorhanden ist und ob die Testpersonen schon Videokonferenzen oder Videostreaming gemacht haben. Falls ein Proband lediglich Internet über LTE zur Verfügung hat, würde ich ihn nicht zum Interview einladen.
Wenn dann ein passender Kandidat gefunden wurde, solltet ihr unbedingt vor dem Testtag ein Technik-Test durchführen. Den kann der Teilnehmer entweder alleine mit Hilfe einer Anleitung und den passenden Links oder gemeinsam mit dem Rekrutierer oder Interviewer durchführen. Es ist äußerst wichtig, dass das Tool vorab einmal ausprobiert wurde, damit die Überraschungen am Testtag nicht allzu groß werden.
Um auf Probandenausfälle reagieren zu können, nutzen wir normalerweise sogenannte Floater, die über mehrere Interviews bereit stehen, falls ein Proband nicht erscheinen sollte. Im Fall von remote Interviews nutzen wir anstelle von Floatern Ersatzkandidaten, die am Ende aller Interviews bei Bedarf genutzt werden können. So stellen wir einen reibungslosen Ablauf selbst bei einem (technischen Total-) Ausfall sicher.

2. Die Interview-Planung für remote Interviews

Was ihr sicherlich selbst schon mitbekommen habt: virtuelle Meetings sind anstrengend. So ergeht es auch den Probanden, die im Zweifel noch nicht 4 Wochen remote Training mit den Kollegen hinter sich haben. Remote Interviews lassen die Probanden schneller ermüden als Face-to-Face Interviews. Deswegen gilt für remote Interviews: In der Kürze liegt die Würze.

Die Interviewlänge sollte 60 Minuten nicht überschreiten. Noch besser wäre eine insgesamte Länge von 60 Minuten, also inklusive Technik-Setup und Vorbesprechung.

Apropos Technik-Setup und Vorbesprechung: Hierfür solltet ihr 15 Minuten offiziell einplanen. Diese Zeit kommt also zusätzlich zum Interview dazu. Interviewleiter und Proband sollten sich früher einfinden, damit gegebenenfalls auftretende Probleme gemeinsam gelöst werden können. Außderdem ist es hilfreich, dem Probanden ein kurzes Briefing zu geben, falls es Probleme mit der Übertragung von Bild oder Ton gibt. Ein weiterer Effekt: Man kommt nicht ins Schwitzen, weil einem die wertvolle Interviewzeit wegrennt. Außerdem solltet ihr sicherstellen, dass ihr weitere fünf Minuten vor dem Interview im Tool seid – das ist einfach eine Sache der Höflichkeit.

Normalerweise werden unsere Interviews direkt live von unseren Kunden und einem weiteren Consultant von eparo beobachtet. Im remote Setup ergibt es allerdings auch Sinn, die Interviews vor dem Beobachtungstermin durchzuführen und aufzuzeichnen. Die Beobachtungssession selbst kann dann ohne Verzögerung stattfinden. Bei schwierigen Interviews oder Technik-Problemen im Interview können so sogar nicht-relevante Stellen vor der Beobachtung aus dem Interview geschnitten werden.

Achja, falls es sich um Interviews im Ausland handeln sollte, denkt unbedingt an die verschiedenen Zeitzonen! Hierbei haben wir die Erfahrung gemacht, dass das Aufzeichnen der Interviews und das anschließende, gemeinsame Ansehen reibungsloser funktioniert als die Live-Beobachtung.

3. Das passende Konferenz-Tool

Die Toolauswahl ist eine der wichtigsten Entscheidungen in der Planung von remote Tests. Es gibt unzählige Videokonferenz-Tools oder sogar Tools, die extra für Nutzerbefragungen gemacht sind.

Unabhängig von Tool-Empfehlungen ist es wohl eine sehr individuelle Entscheidung, welches Tool in eurem Test das Richtige ist. Ich habe ein paar Fragen, die als Orientierung dienen können, zusammen gestellt:

– Was möchte ich testen?

– Muss das Tool ein mobiles Setting übertragen?

– Brauche ich Screensharing?

– Brauche ich eine Fernsteuerung?

– Wer ist mein Nutzer?

– Kann und will dieser Programme installieren?

– Würde er einen Account anlegen?

– Wie datensensibel ist der Nutzer?

– Wie datensensibel ist mein Kunde?

– Darf ich über einen US-Dienst streamen?

– Darf der Proband einen Prototypen installieren?

Grundsätzlich gilt: die technischen Hürden sollten so gering wie möglich gehalten werden. Ich teste am Liebsten mit Zoom.us. Zum „Zoomen“ wird keine Installation und kein Account benötigt. Außerdem läuft es über verschiedene Browser (am besten jedoch über google Chrome). Technische Anforderungen wie Teilen des Bildschirms oder Fernsteuerung sind bei Zoom (meistens) auch kein Problem.

Bevor das Tool dann an die Probanden kommuniziert wird, muss in jedem Fall ein interner Technik-Test erfolgen. Manchmal hat man sich sehr stolz einen Plan überlegt, der in der Technik mit “Nicht-Funktionieren” brilliert. Bezieht beim Pilot-Test unbedingt verschiedene Geräte und Browser mit ein.

Ist das richtige Tool gefunden, solltet ihr eine Anleitung für die Probanden zusammenstellen. Bedenkt hierbei verschiedene Szenarien und bebildert die einzelnen Schritte gut. Behaltet immer im Hinterkopf: Nutzer (und Probanden) lesen nicht. ;)

Übrigens: Johanna hat in einem Blog-Beitrag eine Übersicht über verschiedene Tools zusammengestellt. Schaut dort gerne mal vorbei: Toolübersicht

4. Auch sehr wichtig: Die Datenschutzerklärung

Datenschutzerklärungen sind essentiell. Das brauche ich wahrscheinlich nicht zu erwähnen. Bei remote Interviews sind sie vielleicht sogar noch wichtiger und sollten bei der Planung von Tests nicht vergessen werden. Die Datenschutzerklärungen müssen unbedingt vor Durchführung des Interviews vorliegen.

Ist doch ganz einfach, mag man denken. Wir schicken das PDF rüber und der Proband schickt es unterzeichnet zurück… Theoretisch ja, aber man kann nicht davon ausgehen, dass alle Probanden:

– einen Drucker und einen Scanner zu Hause haben.

– vor dem Interview (zusätzlich zu einem Technik-Test) auch noch die Datenschutzerklärung drucken, scannen und zurücksenden.

– die Einladungen akribisch lesen und überhaupt wissen, dass eine Handlung von ihnen erforderlich ist.

Wie also kann man das Thema auf einem eleganten Weg lösen?

Ein guter Weg sind online Tools, die eine digitale Unterzeichnung ermöglichen (z.B. https://www.docusign.de/). Mit solch einem Tool kann die Datenschutzerklärung sehr einfach online unterzeichnet werden. Nachteil hierbei: diese Tools sind nicht kostenlos für den Organisator.

Falls ihr euch doch für den herkömmlichen Weg entscheiden sollte, ist es auch hier ratsam, einen Plan B im Petto zu haben. Das Interview soll beginnen, es liegt keine Datenschutzerklärung vor? Dann kann die Vereinbarung auch auf einer Videoaufnahme vorgelesen werden und der Proband gibt sein mündliches Einverständnis direkt auf einer Videospur.

Übrigens sollte man seine Datenschutzerklärung gegebenenfalls nochmal um das genutzte Testtool erweitern (Datenverarbeitung und so…).

5. Das Testen auf Geräten von Probanden

Erste und wichtigste Regel hierbei: Nutzt keine iPhones für Nutzertests! iOS tut sich bekanntlich mit Freigaben und App-Installationen schwierig. Aus meinen Erfahrungen heraus, würde ich keinen Usertest auf iPhones basieren. Stellt das in euren Rekrutierungsanforderungen sicher. Bei Android-Geräten klappt es aber meistens super!

Ein weiterer wichtiger Punkt: auf den Geräten der Probanden dürfen keine persönlichen Informationen zu sehen sein. Eins ist sicher: Die Probanden selbst achten nicht auf solche Details und wissen meistens gar nicht, wie sie ihre Daten schützen können. Stellt in der Technik-Setup Zeit sicher, dass die Notifications ausgestellt werden – keiner möchte während des Interviews ganz persönliche Bilder mit dem ganzen Projektteam teilen.

Diesen Schritt könnt ihr auch gleich dazu nutzen, eine Vertrauensbasis zwischen Proband und Interviewer aufzubauen.

6. Beobachter im selben Konferenz-Tool?

Nein. Einfach nur Nein.

Für die Beobachtung der Interviews solltet ihr eine andere Lösung finden. Es ist schon schwierig genug virtuell eine Bindung zum Probanden aufzubauen. Da ist es nicht hilfreich, wenn sich noch andere Personen im selben virtuellen Meeting befinden – und dann vielleicht noch den Ton an haben…

In meinen Augen gibt es zwei viel bessere Alternativen:

1. Aufzeichnung der Interviews, um sie gemeinsam gebündelt ansehen zu können.

2. Streamen des Meetings über ein anderes Tool. Das geht beispielsweise über OBS (https://obsproject.com/de) und eine weiteres Konferenztool oder einen Streaminganbieter.

 7. Backup-Pläne retten remote Interviews

Das wichtigste ist: keine Panik. Man kann sicher sein, dass immer Überraschungen auftreten werden. Aber es gibt kein Problem, was nicht gelöst werden kann. Es hilft, ein paar Backup-Pläne parat zu haben. Hier einige Beispiele:

– Tonübertragung funktioniert nicht? Nehmt das Handy als Hilfsgerät.

– Das Probandenbild wird nicht übertragen? Es ist in den meisten Fällen nicht schlimm.

– Der Proband kann das Tool nicht nutzen? Hab immer einen Strauß an Alternativen bereit.

– Es funktioniert gar nichts, wie es sollte? Kein Problem, solange du einen positiven Draht zum Probanden behältst.

Ihr seht, remote Interviews sind kein Hexenwerk. Es bedarf lediglich einer intensiveren Vorbereitung und Gelassenheit im Interview. Und wenn es doch mal ganz schrecklich ist, hilft am Ende auch ein Corona um den ersten Schock zu überwinden ;).

Und nun zur der Geschichte mit dem Brummi-Fahrer:

Trucker GIF - Find & Share on GIPHY

Es war eine Studie, die Anforderungen für ein Jobportal eines Logistik-Unternehmens sammeln und deren Live-Seite beurteilen sollte.

In diesem Test ging so ziemlich alles schief, was schiefgehen konnte: Kein Probandenbild, Tonqualität war besch*, da der Proband im LKW unterwegs war, sprachlich trotz native Speakers eine Herausforderung, Ablenkungen durch den Straßenverkehr und kein Screensharing zur Bewertung der Seite möglich…

– Mussten wir alle durchatmen, damit wir ruhig bleiben konnten? Ja!

– Hätte das Interview besser laufen können? Ja!

– Haben wir trotzdem Learnings aus dem Interview gezogen? Ja!

– Ist es am Ende witzig und unser Paradebeispiel für remote Katastrophen? Ja!

Übrigens arbeiten wir gerade an einer kompletten remote Testing-Serie. Abonniert hier unseren Newsletter, um keinen Artikel zu verpassen.

Hier berichtet Peer über das internationale Projekt – komplett remote – mit tesa.

Und hier gibt’s die Tool-Übersicht von Johanna.

 
14. April, 2020

Remote User Interviews: Diese Videokonferenz-Tools eignen sich am besten

Wenn du nicht möchtest, dass wertvolle User Insights verloren gehen oder deine Produktentwicklung in die falsche Richtung läuft, nur weil du deine Nutzer gerade nicht persönlich befragen kannst, bist du hier genau richtig. Wir zeigen dir nämlich, wie du deinen User Research trotzdem aufsetzen kannst.

Starte direkt durch

Damit du gleich loslegen kannst, ohne selbst 50 Videokonferenz-Tools auszuprobieren, schildern wir dir nachfolgend unser Lieblings-Set-Up und welche essentiellen Aspekte du beachten solltest, wenn du ein Videokonferenz-Tool auswählst. 

Am besten liest du dir Julias 7 Tipps für weltklasse remote Interviews durch, um zu verstehen, auf was es bei den Interviews wirklich ankommt.

Was muss das Videokonferenz-Tool können?

Inzwischen gibt es da draußen eine diverse Landschaft von Videokonferenz-Tools mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Um dir bei der Auswahl zu helfen, haben wir eine Liste mit essentiellen Kriterien erstellt, anhand derer du deine Bewertung vornehmen kannst. 

In unseren Augen zählen vor allem folgende Aspekte:

1. Umfang der Funktionen

Überlege dir, was du herausfinden und testen willst und prüfe, welche Funktionen du dafür brauchst. Möchtest du, dass der Proband seinen Bildschirm teilt oder über ein mobiles Endgerät am Interview teilnehmen kann? Willst du das Video aufzeichnen und wenn ja, welches Bild soll aufgezeichnet werden? Umgekehrt macht es keinen Sinn, ein wahnsinnig umfangreiches Tool zu wählen, wenn du eigentlich nur 2 Funktionen brauchst.

2. Handhabung

Na klar, als Produktentwickler oder UX-Mensch bist du digital affin. Aber sind das auch deine Interviewteilnehmer? Ein weiteres Entscheidungskriterium ist deshalb die Komplexität der Anwendung. Probiere es mit deiner Oma oder deinem Onkel aus, falls du dir unsicher bist. Oder wähle dich testweise selbst als Teilnehmer ein, um die Handhabung besser beurteilen zu können.

3. Kosten

Geld regiert die Welt. Zumindest spielt es eine Rolle, wenn es um die Anschaffung neuer Software-Lizenzen geht und verargumentiert werden muss, warum das kostenpflichtige Produkt denn nun besser ist als die Open Source Variante.

4. Installation

Nicht jeder Proband kann und möchte ein neues Programm auf seinem Laptop installieren. Bedenke außerdem, dass der Geschäftskunde, den du interviewen möchtest, eventuell keine Admin-Hoheit über seinen Arbeitsrechner hat. 

5. Account

Noch ein Passwort, dass sich der der Teilnehmer ausdenken und merken muss? Obwohl das Einloggen für manche mit Sicherheit assoziiert wird, ist es für viele doch eine Hemmschwelle. Videokonferenz-Tools, die keinen Account erfordern, haben einen großen Vorteil.

6. DSGVO-Konformität

Eine Grundvoraussetzung für alle, die das Videokonferenz-Tool weitreichend einsetzen (evtl. auch in der Zusammenarbeit mit Kunden) und gleichzeitig die Daten der Probanden und natürlich die eigenen schützen möchten.

7. Stabilität

Da virtuelle Interviews keinen Spaß machen, wenn man ständig “Hallo? Sind Sie noch da?” fragen muss, ist es in deinem Sinne, schlanke Tools zu benutzen, die wenig Bandbreite fressen und stabil laufen.

8. Vielseitigkeit 

Wenn du ein Videokonferenz-Tool gefunden hast, das für deine Zwecke funktioniert, ist das super. Wenn dieses Tool dann auch noch das Potenzial hat, an weiteren Stellen deiner Arbeit eingesetzt zu werden, umso besser. Damit meinen wir nicht, dass es 50 versteckte Features geben sollte, sondern dass du die Basis-Funktionen auch noch an anderer Stelle einsetzen kannst.

Unser Favorit: Zoom.us

Als erstes und am ausführlichsten möchten wir dir Zoom vorstellen, einfach deshalb, weil wir mit Zoom die umfangreichsten Erfahrungen gesammelt haben. Falls du Zoom nicht nutzen möchtest oder kannst, springe zu unserer Liste mit Alternativen.

Wir schnappen uns die Kriterien von oben und legen los:

Umfang der Funktionen

+ lokale Aufzeichnung durch den Host möglich

+ Proband kann seinen Bildschirm teilen (auch über mobiles Endgerät)

+ Fernsteuerung des Bildschirms des User Researcher möglich, Übergabe an Probanden

+ Moderatorenrolle

+ integrierter Chat

+ automatische Transkription möglich (allerdings nur beim Speichern in der Cloud)

+ bringt die richtige Menge an Funktionen für unseren Zweck mit

– Die Übergabe der Fernsteuerung funktioniert nicht, wenn der Proband mobil unterwegs ist.

– Der Proband kann sehen, wie viele Beobachter teilnehmen (weshalb wir die Übertragung lieber streamen per OBS).

– Da Zoom kein auf UX-Tests spezialisiertes Tool ist, fehlen weiterführende Funktionen wie sichtbares Gesten-Feedback oder die Integration zu Prototyping-Software.

Handhabung

+ intuitiv nutzbar, auch von Menschen, die Zoom das erste Mal benutzen

+ steht auf Deutsch zur Verfügung

– Seit Aktivierung des Passwortes und Warteraums benötigen Probanden etwas Vorlaufzeit, um sich in den Call einzuwählen.

Kosten

+ Für den Interviewteilnehmer ist Zoom kostenfrei.

+ Zoom bietet verschiedene Preis-Pläne an, darunter eine kostenlose Basisversion.

+ Das 40-Minuten-Limit gilt nur, wenn mehr als 2 Personen am Meeting teilnehmen und meistens führt man das Interview 1-to-1.

– Als Host mit einen Pro-Account kannst du die Meeting-Teilnehmer besser verwalten.

Installation

+ Am Desktop ist beides möglich: Der Proband kann sich Zoom installieren oder dem Meeting über den Einladungslink im Browser beitreten. Am besten eignet sich dafür Google Chrome. 

– Wenn der Proband sein Smartphone nutzen will, muss er sich zuvor die App herunterladen (es gibt Apps für iOS und Android).

Account

+ Der Proband muss sich vorher nicht registrieren, um dem Zoom-Meeting beizutreten. Das ist sehr praktisch. Nur als Host benötigst du ein Zoom-Konto. 

– Der Proband muss jedoch ein kurzes Passwort eingeben, um teilzunehmen.

Wenn du auf abbrechen klickst, öffnet sich das Zoom-Meeting im Browser.

DSGVO-Konformität

+ Zoom ist EU-US Privacy Shield zertifiziert 

+ Vereinbarung von Standardschutzklauseln (SCC)

+ Aufgezeichnete Interviews speichert Zoom nicht, solange du sie lokal ablegst. Anders verhält es sich logischerweise, wenn du deine Interviews in der Zoom-Cloud hochlädst.

– Zoom ist und bleibt ein amerikanischer Anbieter, der Metadaten wie IP-Adressen auf US-Servern speichern wird.

– In den letzten Wochen wurden mehrere Sicherheitslücken entdeckt und gepatched. Momentan verwendet Zoom alle Ressourcen darauf, die Sicherheit des Produkts zu erhöhen.

Stabilität

+ Zoom läuft sehr stabil auch bei einer weniger guten Internet-Leitung, vor allem im Vergleich zu anderen Videokonferenz-Tools.

+ Läuft auch bei großen Gruppen stabil.

Vielseitigkeit

+ Zoom ist ein Allrounder und besitzt viele weitere tolle Funktionen wie Break-out Sessions oder das Handheben, die für Gruppen-Meetings und Workshops interessant sind.

+ Wir benutzen Zoom nicht nur für die Interviews selbst, sondern auch für die anschließende Beobachtung und die Auswertung in Kombination mit dem Whiteboard-Tool Mural, was super funktioniert.

Solltest du jetzt Lust bekommen haben, ein Praxisbeispiel zu lesen, kann ich dir Peers Bericht über ein aktuelles und umfangreiches remote Research-Projekt empfehlen!

Welche Alternativen gibt es? Eine coole Übersicht

Falls du eine Alternative zu Zoom suchst, findest du hier unsere Übersicht über alternative Videokonferenz-Tools. Die Tabelle bietet dir die wichtigsten Vor- und Nachteile sowie eine Gesamtbewertung auf einen Blick.

Dabei bewerten wir die Tools vor allem in Hinsicht auf unsere Bedürfnisse, was unseren aktuellen Use Case – nämlich remote Interviews – angeht und stellt keine abschließende Bewertung dar.

Sollte dir das nicht genug sein, schaue in unserem Dropbox Paper vorbei. Das beinhaltet ausführlich aufgeschlüsselte Informationen für alle, die so richtig abnerden wollen :-)

Liste Videokonferenz-Tools

Bock auf eine vollständige Liste? Mach mit!

Dir fehlen Videokonferenz-Tools auf dieser Liste oder du wünschst dir eine NOCH detailliertere Übersicht? Wir auch :-)

Schau in unserem Dropbox Paper vorbei, das wir angelegt haben, um zusammen die ultimative Liste für User Researcher zu schaffen. 

Wir vermuten, dass uns bislang noch keine richtig gute Liste begegnet ist, weil niemand alle Alternativen selbst ausführlich getestet hat. Da das sehr zeitintensiv wäre und stetig neue Tools und Features hinzu kommen, freuen wir uns, wenn du uns dabei hilfst.

Im Zweifelsfall kennst du manche Tools viel besser als wir. Hinterlasse also gerne den einen oder anderen Stichpunkt im Dropbox Paper. Gemeinsam funktioniert es einfach besser. 

Teilt das Dokument mit allen, die es gebrauchen oder etwas beitragen könnten. 

Zusammengefasst

Bei deiner Auswahl solltest du grundsätzlich verschiedene Kriterien wie die benötigten Funktionen, Handhabung, Kosten, Account und Installation, Datenschutz, Stabilität und Vielseitigkeit beachten. 

Wenn du ein Tool für gelungene remote Interviews suchst, können wir dir Zoom wärmstens ans Herz legen. Zoom bietet eine super Mischung aus Funktionalität, Usability und Zuverlässigkeit. 

Wichtig ist, dass du neben dem richtigen Tool auch noch weitere Punkte in deinem Set-up berücksichtigst, wie beispielsweise einen kurzen Technik-Test vorab. Tipps dafür findest du hier.

Mehr davon

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Außerdem laden wir dich ein, deine Erfahrungen mit uns zu teilen! Schreibe uns dafür einfach an info@eparo.de oder hinterlasse uns hier einen Kommentar – wir freuen auf deinen Senf :-)

Neben diesem ganzen remote Kram freuen wir uns natürlich auch wieder auf “echte” Workshops mit Post-its-Kleben. Darauf haben wir uns mit einer Mega-Bestellung vorbereitet. Wie Julia diese auspackt, seht ihr unten im Timelapse-Video :-)

 
30. März, 2020

eparo in Zeiten von COVID-19

eparo und COVID-19: Auch von uns ein Lagebericht

Das Titelbild sagt schon alles: Auch wir sind natürlich komplett im Home-Office und müssen das Teambild als Collage bauen. eparo macht Kurzarbeit, hat (fast) keine laufenden Projekte mehr, dafür aber die Muße, um nachzudenken und uns auf die Zeit nach Corona vorzubereiten.

Die Fakten

Seit dem 16.März hat uns Corona auch voll erwischt. Die meisten Projekte wurden erst mal auf unbestimmte Zeit gestoppt bzw. verschoben. Wir haben für alle Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet und sind jetzt im Home-Office. Da wir ja sehr viel in gemeinsamen Workshops arbeiten (Interviews beobachten und auswerten oder Ideenworkshops für neue digitale Produkte durchführen), können diese Workshops erst mal nicht stattfinden. Zunächst war das ein ziemlicher Schock, bis wir uns darauf besonnen haben, dass wir ja noch Glück haben:

  • Glück #1: Wir sind alle gesund und auch Eltern und Angehörige sind alle wohlauf.
  • Glück #2: Wir haben dank ungewöhnlich hoher Auslastung im Januar und Februar einen guten finanziellen Puffer und werden (bei Kurzarbeit) die nächsten Monate gut durchhalten.
  • Glück #3: Remote zu arbeiten ist für uns ja nichts Neues. Die Tools dafür (Slack, Zoom, Mural) nutzen wir ja schon seit vielen Jahren.

Remote-Tools bei eparoIm Vergleich zu vielen anderen kleinen Unternehmen, Freiberuflern und Selbstständigen geht es uns daher noch vergleichsweise gut.

Lustigerweise haben wir am 16. März sogar noch eine neue Kollegin (Johanna, 2 v.l. im Bild) eingestellt. Das fühlte sich zunächst irgendwie riskant an, aber wir haben uns dann gedacht, dass es ja auch eine Zeit nach der Krise gibt. Und „Eine Zusage ist eine Zusage“. Wobei es natürlich für Johanna sicherlich auch speziell ist, direkt am ersten Arbeitstag Kurzarbeit zu machen…

 

Die Chancen

Die folgenden Überlegungen betreffen wirklich nur uns als Firma in unserer noch einigermaßen komfortablen Situation. Für die ganzen Freelancer und Unternehmen, denen es gerade existentiell dreckig geht, sieht das natürlich leider ganz anders aus. Und das tut mir persönlich sehr leid. Wenn wir hier irgendjemandem helfen können, einfach melden.

Nach jetzt zwei Wochen Remote-Arbeit zeichnen sich für uns gerade einige positive Effekte ab. Das verteilte Arbeiten ist für uns ja nichts Neues. Team-Meetings per Zoom oder Slack können genauso persönlich sein wie Meetings im Büro. Und auch Remote-Interviews machen wir ja regelmäßig, vor allem im B2B-Umfeld, wenn wir Probanden deutschlandweit suchen müssen.

Chancen gibt es im Prinzip an drei Stellen:

  1. Wir können jetzt auch Remote-Workshops

  2. Alle werden „Remote-ready

  3. Die Arbeitsfeld lernt dazu (und verändert sich)

Remote-Workshops

Setup für Remote-InterviewsBislang haben wir unsere Workshops IMMER live durchgeführt. Mit dem richtigen Raum und der perfekten Ausstattung (Whiteboardwände, Platz, Post-its) bleibt das auch der beste Weg, um gemeinsam im Team Erkenntnisse zu sammeln oder neue Ideen zu entwickeln.

Durch Corona wurden wir jetzt „gezwungen“, andere/digitale Formen für Workshops auszuprobieren. Und siehe da: Das klappt viel besser, als wir gedacht hätten. Wir nutzen dafür gerade mural.co, ein digitales Whiteboard zum Post-it-schreiben. Wir haben damit letzte Woche schon mehrere Interviews im Team beobachtet und gemeinsam eine große digitale Post-it-Wand mit Beobachtungen gefüllt. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir das Format in Zukunft mehr nutzen werden. In den nächsten Tagen schreibe ich noch mal einen konkreten Erfahrungsbericht zu mural.co.

Remote-Readiness

yoga-at-homeIm Moment rede ich viel mit Kollegen, Kunden und Freunden. Und dabei kommt immer die Sprache auf das Remote-Arbeiten. „Wir haben gerade Zoom ausprobiert“. „Wir hatten gerade ein Zoom-Meeting mit 70 Teilnehmern und das ging prima.“ Alle richten sich jetzt darauf ein, zuhause arbeiten zu können. Webcams werden angeschafft (sind bei amazon gerade ausverkauft) und das eigene WLAN wird optimiert.

Damit haben dann viel mehr Menschen zuhause das technische Setup für Videokonferenzen und haben auch die Erfahrung, um über die „kleinen“ technischen Hürden zu springen, die dann ja doch vorhanden sind.
Alle üben gerade „Remote-Everything“. Ob es der Klavierunterricht per Skype ist oder Chorprobe in Zoom, auch die traditionell „Ich bin nicht so für digital“-Fraktion lernt gerade irrsinnig schnell. Und es funktioniert viel besser als erwartet.

Für uns bedeutet das, es wird viel selbstverständlicher, über Videokonferenzen zu kommunizieren und Remote-Interviews zu führen.

Remote in der Gesellschaft

Für Veränderungen in der Arbeitswelt ist das erzwungene Home-Office vielfach auch sehr gut. Die traditionellen Kontrollmechanismen (Wer im Büro ist, kann ja nicht in der Arbeitszeit Rasenmäher oder Wäsche waschen) funktionieren nicht mehr und müssen zwangsläufig durch Vertrauen ersetzt werden. Es sind plötzlich Dinge möglich, die bis vor zwei Wochen undenkbar waren (Eigeninitiative, eigene Entscheidungen). Ich habe die große Hoffnung, dass die überwiegend positiven Erfahrungen, die jetzt gemacht werden, auch nach Corona zu bleibenden Veränderungen führen werden.

Und meine persönliche Sicht

Zum Abschluss noch meine persönliche Sicht auf die Corona-Zeit.
Da wir uns als Firma keine echten existenziellen Sorgen machen müssen, überwiegt bei mir der positive Blick auf die Chancen, die sich mir bieten.
Familie
Wir sind jetzt zu dritt 24 Stunden am Tag zuhause. So ist automatisch viel mehr Zeit miteinander. Der Druck ist einfach geringer und ich bin deutlich ausgeglichener. Das ist wie die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr – nur viel länger und ohne Familienfeiern.
Nachdenken
Jetzt ist die perfekte Zeit für grundlegendere Überlegungen. Mache ich eigentlich das, was ich wirklich machen möchte? Wo will ich (noch) hin? Was tut mir gut? Und was nicht?
Ich hoffe sehr, dass ich diese Zeit zum Nachdenken auch wirklich nutze.
Yoga, Renovieren und Handstand
Auf jeden Fall bietet Home-Office die Chance, neue Dinge auszuprobieren und Sachen zu lernen, die man immer schon mal machen wollte.

Mein chinesischer Kollege Taylor (von unserem Partnerunternehmen Shanghai Juzhe UX Research hat die 45 Tage Lockdown genutzt, um täglich Kalligraphie zu üben:

„Yes, it is great opportunity to do some thing you don’t have time in normal life.  I practiced calligraphy everyday during the hard time.  It is special memory.“

Für mich heisst das, regelmäßig Yoga zu praktizieren, im Haus zu renovieren (trotz geschlossener Baumärkte) und endlich den Handstand zu lernen. Da freue ich mich schon drauf.

Und ich glaube, die Gefahr „Home-Office macht dick“, gilt für mich nicht. Als Abschreckung ist hier ein ziemlich lustiges Video: Wenn die Quarantäne vorbei ist.
Also, bleibt gesund, bleibt zuhause und seht auch das Positive (auch wenn das gerade sauschwer ist).

 
17. November, 2019

WUD 2019 in Hamburg: Ein Rückblick

Am 14. November fand wieder der World Usability Day statt. Natürlich auch in Hamburg, natürlich an der HAW und natürlich organisiert von eparo.

Und natürlich war es wieder ein sehr schönes Event. Für mich ist es immer eine Art Familientreffen, da ich so viele alte Bekannte und Kollegen treffe. Leider hatte ich wieder keine Zeit, mit jemandem länger zu plaudern, da ich ja den Track im Forum Finkenau moderiert habe.

Zahlen, Daten, Fakten

Nachdem wir im letzten Jahr fast 700 Teilnehmer hatten und es einfach VIEL zu voll war, haben wir in diesem Jahr Tickets ausgegeben, um die Teilnehmerzahl auf 500 zu begrenzen – was immer noch über der echten Kapazitätsgrenze war. Diese 500 Tickets waren dann schon Wochen vor dem Event weg und es gab sehr viele Menschen, die deswegen nicht kommen konnten.

Leider gab es trotz diverser Erinnerungen dann doch über 100 No-Shows und somit nur knapp 400 Teilnehmer. Mal sehen, wie wir das im nächsten Jahr organisieren.

Wir hatten 12 Vorträge und 7 Workshops. Die Speaker kamen dabei von Agenturen, Startups und Unternehmen. Eine ganz schöne Mischung.

Der WUD war wie immer komplett kostenlos für die Teilnehmer. Das ging nur durch die 11 Sponsoren (easytesting, eparo, ergosign, HID, INDEED Innovation, JungvonMatt/Tech, Lotto24, Mittelstand 4.0 – Kompetenzzentrum Usability, sum.cumo, uIntent) und die HAW, die uns die Räume, wie schon seit 2007, kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Vielen Dank noch einmal für die Unterstützung!

Die Tracks und Vorträge

Das Motto des diesjährigen WUD war „Designing for a future we want“. Ein sehr aktuelles und wichtiges Thema, da es auf die Verantwortung jedes Einzelnen abzielt, die Zukunft positiv mit zu gestalten, gerade auch vor dem Hintergrund des Klimawandels, wo positives Gestalten ja primär bedeutet, das „schlimmste zu verhindern“.

Wir haben das Programm so aufgesetzt, dass im Track 2 im Forum Finkenau tendenziell die Vorträge zu hören waren, die das Motto irgendwie aufgenommen haben.

Im Ditze Hörsaal (Track 1) waren daher eher die UX-Themen von Content über Strategie, KI bis zu Voice-Steuerung.

Da ich nur im Forum Finkenau war (klar, als Moderator auch nicht anders zu machen), kann ich auch nur zu den Vorträgen etwas erzählen. Eigentlich haben mir alle Vorträge gut gefallen. Julian Mengel hat in seiner „inoffiziellen“ Keynote darauf verwiesen, dass man die Zukunft am besten dadurch mitgestaltet, wenn man sie miterfindet, d.h. ein klares Zukunftsbild plant und dann daran arbeitet, dass diese Zukunft Realität wird.

Evelyn Kühn ist dann stärker auf die konkrete Möglichkeiten für UX-Designer eingegangen, die Qualität von digitalen Produkten zu verbessern. Wichtigstes Learning daraus: Man muss dem eigenen Gewissen folgen und auch NEIN sagen, wenn Anforderungen gestellt werden, die man nicht vertreten kann.

Jasmin Bomm hat diesen Faden dann direkt aufgegriffen und appelliert an das Verantwortungsgefühl der UX-Designer. Keine Dark Patterns verwenden, Barrierefrei gestalten, gesellschaftliche Konsequenzen beachten…

Ich habe nachmittags dann auch einen Vortrag gehalten, um eine Diskussion über unsere Verantwortung für das Klima zu thematisieren. Aus dem Vortrag ergab sich eine längere Diskussion unter den Teilnehmern über die Verantwortung jedes Einzelnen und die persönliche Bereitschaft, Einschränkung im eigenen Leben zu akzeptieren.

Danach wurde es im Vortrag von Susann Maßlau etwas praxisnäher, als um das agile Mindset als Grundlage für die Arbeit in digitalen Teams ging.

Den Abschluss hat dann Felix Vollmuth gemacht und über die Herausforderungen und Erfahrungen bei uIntent als selbstverwaltetes Unternehmen berichtet.

Über die Vorträge im Ditze Hörsaal kann ich nicht viel sagen. Vielleicht finde ich ja noch jemanden, der dazu auch noch was schreiben kann…

Fazit

Die viele Arbeit bei der Vorbereitung hat sich auf jeden Fall wieder gelohnt. Der Hamburger World Usability Day ist qualitativ auf einer Höhe mit den meisten kommerziellen Veranstaltungen. Nur das Essen ist nicht so feudal (gibt ja nur belegte Brötchen…), aber dafür ist der WUD ja auch kostenlos:-)

Wir freuen uns auf jeden Fall schon auf den WUD 2020…

Und noch einige Bilder

 

 
28. September, 2019

Working Products Meetup 25.09.: UX in agilen Projekten

blog:wp monthlyAm 25.09. fand das monatliche Working Products Meetup statt. Diesmal hatten wir Indra Burkart von eResult zu Gast. Sie hat von ihren Erfahrungen bei der Integration von UX in agile Projekte berichtet.

indra burkartIm wesentlichen ging es darum, regelmäßig User Feedback in die Projekte zu bekommen. Hierzu wurde einmal im Monat ein Interviewtag vorbereitet und durchgeführt, wo die Teams ihre Themen platzieren konnten. Diese Regelmäßigkeit hat Routine und Planbarkeit geschaffen und die Hürden für Nutzerbefragungen stark gesenkt. Vor allem hat es dazu geführt, dass die Teammitglieder ein besseres Nutzerverständnis entwickeln konnten.

Die Slides zu Indras Vortrag findet ihr hier: AgileUX

Uns hat Indra damit aus der Seele gesprochen. Genau dieses „User Insights in die Teams bringen ist ja auch unser Credo. Regelmäßigkeit und geringer Overhead sind hier die Schlüsselworte.

Nach Indras Vortrag gab es noch zwei Stunden intensive Diskussionen. Spannend waren die Einblicke in das SAFe-Framework, mit dem Konzerne versuchen, im großen Stil agil zu arbeiten. Per, der als Product Owner in einem SAFe Framework arbeitet, hat hier ein paar Details weitergegeben. Am interessantesten fand ich die riesigen Alignment Meeting mit mehreren Hundert Teilnehmern. Klingt verrückt, ist vermutlich aber durchaus effektiv, wenn man face-to-face mit Leuten reden kann, mit denen das eigene Projekt Schnittstellen hat. Zu SAFe sollten wir bei der nächsten Working Products Konferenz mal einen Beitrag mit aufnehmen.

 

 

 
12. September, 2019

WUD 2019: Vortragsauswahl

wud vortragsauswahl am 11.09.2019 Der Hamburger World Usability Day 2019 läuft irgendwie sehr rund in diesem Jahr. Das Programm ist noch nicht online und es gibt über 400 Anmeldungen. Wir werden uns überlegen müssen, was wir machen, wenn alle Plätze weg sind und am 14.11. noch jede Menge Leute unangemeldet kommen…

Auch der Call for Papers hat weit über 30 Einreichungen ergeben. Viele davon auf sehr hohem Niveau. Da wollten wir die Programmauswahl nicht alleine treffen und haben daher ein öffentliches Event geplant, damit die Community mit über das Programm entscheiden kann. Auch hier super Resonanz. 50 Anmeldungen, um punkte Punkte auf Vorträge zu kleben.

Gekommen sind dann, vermutlich wegen dem plötzlichen Starkregen um 18:00 Uhr, immerhin 30 Teilnehmer. Gut, dass es genug Getränke und Knabberzeug gab. Viele alte Bekannte, aber auch jede Menge neuer Gesichter.

Jeder bekam fünf Klebepunkte, die auf die Lieblingsvorträge zu verteilen waren. Dazu gab es viele Diskussionen und Debatten über die Einreichungen. Abends um 21:00 Uhr waren dann alle Punkte verteilt und es war ziemlich deutlich, welche Vorträge klar vorne lagen in der Publikumsgunst.

Das macht uns das Leben jetzt sehr leicht was die Programmgestaltung angeht. Nur noch mal durchschauen und die Reihenfolge festlegen. Eventuell noch ein/zwei Korrekturen, um z.B. den Frauenanteil zu erhöhen. Dazu gab es auch intensive Diskussionen, ob es denn überhaupt eine inoffizielle Frauenquote geben sollte. Ich finde, dass es wichtig ist. Frauen präsentieren anders als Männer (oft mehr auf die Zuhörer fokussiert und weniger auf die Selbstdarstellung…) – natürlich auch wieder ein Sterotyp, aber eins, welches zumindest durch meine subjektive Wahrnehmung bestätigt wird.

Anfang nächster Woche geht das Programm dann hoffentlich online.

Hier sind noch ein paar Bilder vom Event:

 
7. August, 2019

UX-Roundtable Kris Lohmann: Innovation im E-Commerce – mit Augmented Reality

blog-uxhh-innovation-Header mit textIm August hatten wir schon wieder den UX-Roundtable bei uns zu Gast. Diesmal mit Kris Lohmann, der über Innovation im eCommerce berichtet hat. Zum einen einen Überblick über Innovation im Allgemeinen und dann aber auch über den Einsatz von Augmented Reality. Es waren wieder eine Menge Leute dabei, die auch nach dem Vortrag noch lange diskutiert haben. Innovation ist ja auch nicht so einfach…

Ach ja, moderiert hat den Abend Kristina Zöllner. Wir haben uns gefreut, den UX-Roundtable wieder zu Gast zu haben. Hoffentlich bald wieder:-)

Hier sind noch ein Impressionen zum Abend:

 

 
2. Juli, 2019

UX-Roundtable Klaus Martin Meyer: Web-Analytics für UXler

ux-roundtable klaus-martin meyer
Am 01. Juli hatten wir nach längerer Zeit mal wieder den UX-Roundtable zu Gast bei uns. Diesmal mit Klaus-Martin Meyer und seinem Vortag „Web-Analytics für UXler“. Das Thema scheint einen Nerv getroffen zu haben. Die freien Plätze waren ruckzuck weg und die Hütte war voll.

Ist ja auch richtig so. Für gute UX ist es wichtig, alle Daten zu nutzen, die man findet. Analytics liefert ja jede Menge Erkenntnisse darüber, wie aktuelle Besucher die Website nutzen. Wo kommen sie her? Was machen sie? Wann gehen sie wieder?
Klaus-Martin hat das anschaulich mit Google Analytics erklärt und so vielen Teilnehmern die Scheu genommen, selber mit Analytics zu experimentieren.

Klaus ist seit ewig UX-/UI-Designer und arbeitet aktuell als UX-Consultant für monoki.

Die Slides zum Vortrag findet ihr auf Slideshare.

 

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