eparo – Digital Service Design

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28. September, 2019

Working Products Meetup 25.09.: UX in agilen Projekten

blog:wp monthlyAm 25.09. fand das monatliche Working Products Meetup statt. Diesmal hatten wir Indra Burkart von eResult zu Gast. Sie hat von ihren Erfahrungen bei der Integration von UX in agile Projekte berichtet.

indra burkartIm wesentlichen ging es darum, regelmäßig User Feedback in die Projekte zu bekommen. Hierzu wurde einmal im Monat ein Interviewtag vorbereitet und durchgeführt, wo die Teams ihre Themen platzieren konnten. Diese Regelmäßigkeit hat Routine und Planbarkeit geschaffen und die Hürden für Nutzerbefragungen stark gesenkt. Vor allem hat es dazu geführt, dass die Teammitglieder ein besseres Nutzerverständnis entwickeln konnten.

Die Slides zu Indras Vortrag findet ihr hier: AgileUX

Uns hat Indra damit aus der Seele gesprochen. Genau dieses „User Insights in die Teams bringen ist ja auch unser Credo. Regelmäßigkeit und geringer Overhead sind hier die Schlüsselworte.

Nach Indras Vortrag gab es noch zwei Stunden intensive Diskussionen. Spannend waren die Einblicke in das SAFe-Framework, mit dem Konzerne versuchen, im großen Stil agil zu arbeiten. Per, der als Product Owner in einem SAFe Framework arbeitet, hat hier ein paar Details weitergegeben. Am interessantesten fand ich die riesigen Alignment Meeting mit mehreren Hundert Teilnehmern. Klingt verrückt, ist vermutlich aber durchaus effektiv, wenn man face-to-face mit Leuten reden kann, mit denen das eigene Projekt Schnittstellen hat. Zu SAFe sollten wir bei der nächsten Working Products Konferenz mal einen Beitrag mit aufnehmen.

 

 

 
12. September, 2019

WUD 2019: Vortragsauswahl

wud vortragsauswahl am 11.09.2019 Der Hamburger World Usability Day 2019 läuft irgendwie sehr rund in diesem Jahr. Das Programm ist noch nicht online und es gibt über 400 Anmeldungen. Wir werden uns überlegen müssen, was wir machen, wenn alle Plätze weg sind und am 14.11. noch jede Menge Leute unangemeldet kommen…

Auch der Call for Papers hat weit über 30 Einreichungen ergeben. Viele davon auf sehr hohem Niveau. Da wollten wir die Programmauswahl nicht alleine treffen und haben daher ein öffentliches Event geplant, damit die Community mit über das Programm entscheiden kann. Auch hier super Resonanz. 50 Anmeldungen, um punkte Punkte auf Vorträge zu kleben.

Gekommen sind dann, vermutlich wegen dem plötzlichen Starkregen um 18:00 Uhr, immerhin 30 Teilnehmer. Gut, dass es genug Getränke und Knabberzeug gab. Viele alte Bekannte, aber auch jede Menge neuer Gesichter.

Jeder bekam fünf Klebepunkte, die auf die Lieblingsvorträge zu verteilen waren. Dazu gab es viele Diskussionen und Debatten über die Einreichungen. Abends um 21:00 Uhr waren dann alle Punkte verteilt und es war ziemlich deutlich, welche Vorträge klar vorne lagen in der Publikumsgunst.

Das macht uns das Leben jetzt sehr leicht was die Programmgestaltung angeht. Nur noch mal durchschauen und die Reihenfolge festlegen. Eventuell noch ein/zwei Korrekturen, um z.B. den Frauenanteil zu erhöhen. Dazu gab es auch intensive Diskussionen, ob es denn überhaupt eine inoffizielle Frauenquote geben sollte. Ich finde, dass es wichtig ist. Frauen präsentieren anders als Männer (oft mehr auf die Zuhörer fokussiert und weniger auf die Selbstdarstellung…) – natürlich auch wieder ein Sterotyp, aber eins, welches zumindest durch meine subjektive Wahrnehmung bestätigt wird.

Anfang nächster Woche geht das Programm dann hoffentlich online.

Hier sind noch ein paar Bilder vom Event:

 
7. August, 2019

UX-Roundtable Kris Lohmann: Innovation im E-Commerce – mit Augmented Reality

blog-uxhh-innovation-Header mit textIm August hatten wir schon wieder den UX-Roundtable bei uns zu Gast. Diesmal mit Kris Lohmann, der über Innovation im eCommerce berichtet hat. Zum einen einen Überblick über Innovation im Allgemeinen und dann aber auch über den Einsatz von Augmented Reality. Es waren wieder eine Menge Leute dabei, die auch nach dem Vortrag noch lange diskutiert haben. Innovation ist ja auch nicht so einfach…

Ach ja, moderiert hat den Abend Kristina Zöllner. Wir haben uns gefreut, den UX-Roundtable wieder zu Gast zu haben. Hoffentlich bald wieder:-)

Hier sind noch ein Impressionen zum Abend:

 

 
2. Juli, 2019

UX-Roundtable Klaus Martin Meyer: Web-Analytics für UXler

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Am 01. Juli hatten wir nach längerer Zeit mal wieder den UX-Roundtable zu Gast bei uns. Diesmal mit Klaus-Martin Meyer und seinem Vortag „Web-Analytics für UXler“. Das Thema scheint einen Nerv getroffen zu haben. Die freien Plätze waren ruckzuck weg und die Hütte war voll.

Ist ja auch richtig so. Für gute UX ist es wichtig, alle Daten zu nutzen, die man findet. Analytics liefert ja jede Menge Erkenntnisse darüber, wie aktuelle Besucher die Website nutzen. Wo kommen sie her? Was machen sie? Wann gehen sie wieder?
Klaus-Martin hat das anschaulich mit Google Analytics erklärt und so vielen Teilnehmern die Scheu genommen, selber mit Analytics zu experimentieren.

Klaus ist seit ewig UX-/UI-Designer und arbeitet aktuell als UX-Consultant für monoki.

Die Slides zum Vortrag findet ihr auf Slideshare.

 

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18. November, 2017

Rückblick: World Usability Day 2017 in Hamburg

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Autorin: Christina Höhnen
Das Begrüßungsspiel
Am 9. November fand zum zwölften Mal der World Usability Day in Hamburg statt. Wie immer in Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) und organisiert von eparo. Neben den alljährlichen Themen der digitalen Produktentwicklung, User Experience und Usability ist “Inklusion” das Schwerpunktthema des diesjährigen #WUDHH.

Passend zum Überthema startet der WUD 2017 für die gut 500 Teilnehmer – Rekord! – mit einer spontanen Kennenlernrunde, in der sich UX-Designer, Entwickler und Projektmanager aus den unterschiedlichsten Unternehmen gegenüberstehen.

Inhalte sollen keine Einbahnstraße sein

Mit einem digitalen “Werkzeugkasten” betritt Webentwickler Jonas Jared Jacek als erster Speaker die Bühne des Forum Finkenau. Im Gepäck sind Basis-Tools und Leitlinien für Entwickler, die Menschen weltweit mit Beeinträchtigungen den Zutritt zum Internet erleichtern sollen. “Die Möglichkeit das Internet zu nutzen, unabhängig von Behinderung, ist ein wesentlicher Aspekt der Universalität des WWW”, lautet seine Grundthese. Dazu führt er die Zuhörer, nach einer kurzen Entstehungsgeschichte des Internets, in die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) ein.

Sie lassen sich im Wesentlichen auf vier Prinzipien zusammenfassen:

  1. Wahrnehmbarkeit
  2. Bedienbarkeit
  3. Verständlichkeit
  4. Robustheit

Dazu gehört neben deutlichen Kontrastwerten, skalierbaren Inhalten und Alternativtexten, vor allem die Multimodalität: “Inhalte sollen keine Einbahnstraße sein”, so Jacek. Sehbehinderte sollten alle Inhalte auch via Audio abspielen und Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen Videos mit Untertiteln anschauen können. Für Menschen, die an Lernschwächen wie Legasthenie leiden, empfehlen sich Inhalte in einfacher und leichter Sprache. Sie können auch für Menschen ohne Leseschwäche nützlich sein – zum Beispiel, wenn wenig Zeit zum Lesen bleibt.

Wie sich das Lesen für die drei Millionen Legastheniker in Deutschland anfühlt, wird Bettina Andresen später in ihrem Vortrag über inklusives Grafikdesign zeigen: Die Buchstaben springen wild umher. Die richtige Schriftart kann Abhilfe schaffen. Neben der altbewährten “Arial” hilft, die nach der Lernschwäche benannte “Dyslexie”, das “Springen” der Buchstaben zu reduzieren.


Außerdem sollte laut den WCAG eine Webseite allein mit der Tastatur bedienbar sein. Passend dazu werden parallel im Workshop von Vera Marie Rodewald “Bananen mit Katzen gesteuert” – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Teilnehmer sollen aus frei wählbaren Materialien Spielcontroller bauen. Wenige Stunden später wird Super Mario mit Fußpedalen aus Pappe, oder Kopfsteuerungen aus Alufolie und Eierkartons erfolgreich durch’s Kultgame navigiert.

Ist Deutschland ein Accessibility Champion?

Während Super Mario noch mit dem Sammeln von Sternen und Pilzen beschäftigt ist, zeigt nebenan das Team von eSailors in einem weiteren Workshop, wo die “Persona-Reise hingeht”. Das Thema wird in der Podiumsdiskussion “Innovation durch Inklusion” im Forum in Richtung Inklusion erweitert.“Spitze Zielgruppen und ‘Personas’ bedeuten, dass Anwendungen nur auf ein Prozent der Bevölkerung ausgelegt sind. Können wir uns das erlauben? Ich denke nicht”, so eröffnet Thorsten Wilhelm, eResult-Gründer die Runde. Mit den anderen Podiumsteilnehmern wird darüber diskutiert, wie Inhalte einem möglich breiten Spektrum zugänglich gemacht werden können und wie durch Inklusion innovative Techniken und Formate entstehen.

Podiumsdiskussion zu "Inklusion durch UX"

Während der Diskussion wird klar: Deutschland gehört noch nicht zu den Accessibility-Champions. Laut Jörg Morsbach von anatom5 seien die technischen Möglichkeiten schon da, nur der gesetzliche Druck fehle. Der könne jedoch Ende 2018 erwartet werden. Dann tritt die EU-Richtlinie 2102 auf Bundes- und Länderebene in Kraft. Das könnte neuen Schwung in die Sache bringen. Laut Brigitte Bornemann von BIT Design komme Inklusion oft nur voran, wenn jemand in den führenden Ebenen einen persönlichen Bezug zu dem Thema hat. Erleidet zum Beispiel nach einem Unfall die Frau eines CEOs bleibende Sehschäden, dann werden Ressourcen für inklusive Inhalte, der Erfahrung nach, schneller bereitgestellt.

Positive Entwicklungen gibt es aber bereits: Kirsten Bergmann von der Universität Bielefeld berichtet von Robotern, die mit autistischen Kinder interagieren. Autisten haben Probleme, Emotionen in der Sprache zu erkennen und sind oft überfordert. Die Roboter können Sprache regulieren und damit Kindern nach und nach menschliche Interaktion näherbringen.

Sprachassistenten werden immer menschlicher

Um sprechende Techniken geht es auch im Cellular-Workshop “What the Voice”. Dort konzipieren die Teilnehmer ihre eigenen “Siris” und “Alexas”. Wozu diese Sprachassistenten fähig sind, erklärt Dirk Platzek von Wunschfeld später im Ditze Hörsaal: Sie erwerben durch neue Algorithmen immer mehr menschliche Attribute und binden sich so intensiver an den Nutzer. Sprachassistenten scheinen eine Persönlichkeit und Humor zu haben, erkennen Familienmitglieder und sprechen sie gezielt an. Es sind in Zukunft noch weitere Fortschritte zu erwarten: Jede “Siri” könnte einzigartig werden, Kontext erkennen und fähig sein zu plaudern. “Nichts davon ist abwegig”, betont Platzek zum Ende.

Mittagspause: Freier Input, freie Brötchen

Gesundes FrühstückTrotz des freien Eintritts gab es – den Sponsoren sei Dank – in der Mittagspause belegte Brötchen, Gemüsesticks und Getränke. Hinter dem Catering stecken Auszubildene der Produktionsschule Altona. Dort lernen Jugendliche, die schulische Probleme hatten, ein Handwerk oder werden für die Gastronomie ausgebildet. Glaubt man meinem Geschmack und dem Teilnehmer-Lob auf der “Feedbackwall”, dann machen sie einen tollen Job.

Der Mensch gehört in den Fokus, nicht das Produkt

Nach der Pause stellt Speaker Marcel Semmler von Bauer Xcel Media  im Forum Finkenau die Frage: “Was passiert, wenn alle im Unternehmen eine gemeinsame Produkt-Denkweise haben?” Er plädiert für das “Shared product Mindset”, schließlich sei mittlerweile alles Teil des Produkts. “Shared mindset” steht dabei für eine gemeinsame Vision. Dazu brauche es mehr Transparenz, Verantwortung und Agilität. Vor allem sollen Defizite in der Kommunikationskette reduziert werden und der Nutzer im Fokus stehen.

Dieser Meinung ist auch Heiko Tullney von INDEED Innovation: “Es geht darum wie relevant ein Produkt für den Menschen ist”, erklärt er in seinem Vortrag im Ditze Hörsaal. Design sollte nicht auf das Produkt selbst, sondern auf den Anwender ausgelegt werden. Usability entstehe, wenn der Mensch beachtet wird. Wichtig seien der funktionale und emotionale Wert, sowie die soziale Komponente. Auch für Sonja Wettermann von der DIAS GmbH kann die Herausforderung der “menschlichen Vielfalt” zum Motor für ein besseres Design werden. Wer nach den Vorträgen noch Redebedarf hat, nutzt die 20 Minuten Zeit im “Speakers Corner”, um persönliche in Kontakt mit dem Vortragenden zu treten.

Neue Plattformen für inklusive Zusammenarbeit

Mit Kommunikationsbedarf kennt sich auch Jan Persiel von Designstudio Persiel  bestens aus: In seinem Vortrag im Ditze Hörsaal beschreibt er die harte Realität, die nach einem euphorisch gewonnenen Projekt-Pitch eintritt. Es geht um den typischen “Struggle” zwischen Designer, Entwickler, Datenschützer und dem lieben Kunden. Ein Kampf um Farbpaletten, Budget, Bildrechten und Timing – und das dargestellt mit einer gehörigen Portion Glitzer und Einhorn-Content. Dadurch wird er zum “Folien-Liebling” des WUD 2017.

Damit Projekte nicht wie in Jan Persiels Vortrag in der “Hölle” landen, hat er folgende Tipps parat. Unter den Protagonisten soll für Verständnis untereinander gesorgt werden. “Gebt auch ruhig mal mehr Feedback” ermutigt er. Ein weiteres wichtiges Tool sind laut ihm “Pattern Libaries”. Das sind gemeinsame Sammelstellen für Design und Entwicklung, bei denen jeder leicht Zugang auf den aktuellen Arbeitsstand und Formate für ein lebendiges Arbeiten hat. Eine weitere Ansage Persiels: ”Raus aus der Komfortzone und rein in den Browser.”, sprich das Layout dort ansehen, wo es am Ende für den User funktionieren muss und nicht in der eigenen Bearbeitungssoftware. Der Nutzer soll im Fokus stehen, deswegen ist es umso wichtiger zu sehen, wie die Inhalte auf Desktop und mobilen Endgeräten nutzbar sind.

Auch Speaker-Nachfolger Max Schneider-Ludorff von Interone ist der Meinung, dass Entwickler und Designer unbedingt auf einer Plattform zusammenfinden sollten, um Frust, Wildwuchs und unnötige Doppelarbeit zu verhindern. In seinem Vortrag an gleicher Stelle stellt er Plattformen wie “Zeplin” dar, auf denen Entwickler Vorlagen der Designer selbstständig in beliebigem Dateiformat herunterladen können. Der Designer kann sich dagegen ohne Nachfragen den CSS-Quellcode bestimmter Elemente ziehen – so entstehen Transparenz und Effizienz.

Product Discovery Workshop von Otto
Transparenter sollte auch die Webseite der HAW Hamburg gestaltet werden – vor allem für ausländische Studenten, die dort studieren möchten. Teilnehmer des Otto-Workshops “Product Discovery Methoden” stellen ihre Verbesserungsvorschläge im wohl schönsten Konferenzraum der Hochschule vor.

Währenddessen will das Team von INDEED Innovation im Workshop ”Design for the poorest communities” den Spirit von Walt Disney wiederbeleben. Mit der Disney-Methode sollen Ideen entstehen, die Gleichberechtigung schaffen – und zwar für diejenigen, die sonst in der digitalen Revolution auf der Strecke bleiben. Die Teilnehmer werden in der Findung so zu Träumern, Realisten und Kritikern. Eine vielversprechende Denkweise, die einigen sicherlich auch zukünftig bei der ein oder anderen Problemstellung helfen wird.

Der WUD Hamburg neigt sich dem Ende und die Teilnehmer stoßen mit den Speakern, Veranstaltern und Sponsoren bei Bier und Wein auf einen gelungenen WUD 2017 an. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Trotz der Bemühungen von eparo konnten nur wenige weibliche Speaker gewonnen werden. Auch diese Gleichstellung gehört zur Inklusion und zeigt, dass noch ein Stück Arbeit vor uns liegt. Nichtsdestotrotz bleibt ein Tag voller Input, bei dem die größte Erkenntnis eine gemeinsame ist: Wir müssen alle an einem Strang ziehen, eine gemeinsame Vision verfolgen und uns in die Perspektive von anderen hineinversetzen. Nur so kann etwas entstehen, bei der niemand auf der Strecke bleibt.

 

 
22. Oktober, 2017

Inklusion durch User Experience

blog-header holger fischer 2017Am 09.11.2017 findet der World Usability Day als weltweiter Tag für nutzbare (digitale) Produkte auch wieder in Hamburg statt. Seit 2007 organisiert von eparo in Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW). Das diesjährige Schwerpunktthema: Inklusion durch User Experience (UX). UX-Experten aus verschiedenen Branchen bieten 13 Vorträge, eine Podiumsdiskussion und 10 Workshops an. In der Speakers Corner gibt es nach jedem Vortrag Raum für Austausch. Teilnehmer lernen praxisnah, wie nutzerfreundliche und nachhaltige Produkte entstehen und welche Unternehmenskulturen dafür nötig sind. Das komplette Programm findet sich hier: wudhh.de/programm. Die Teilnahme ist kostenlos.

Insgesamt gibt es an dem Tag weltweit rund 200 kostenfreie Veranstaltungen in mehr als 40 Ländern und auch Deutschland ist mit Veranstaltungen an rund 20 Standorten wieder dabei. Der WUD in Deutschland wird als Veranstaltung durch die German UPA (Berufsverband der Deutschen Usability und User Experience Professionals) koordiniert.

Wie passen Inklusion und UX zusammen?

Holger FischerDas Thema „Inclusion through User Experience“ hat auch dieses Jahr wieder viele Fragen aufgeworfen. Zwar haben wir mit 43 Vortragseinreichungen einen neuen Rekord aufgestellt. Aber auch diesmal gab es nur wenige Vortragseinreichungen zum Schwerpunktthema. Viele konnten sich nicht vorstellen, wie UX und Inklusion zusammenhängen. Wir haben Holger Fischer von der German UPA gebeten, uns genauer zu erklären, was darunter zu verstehen ist.

 

Inklusion durch positive Benutzungserlebnisse

Autor: Holger Fischer. Redaktion: Beate Winter

Inklusion durch UX – für wen?

Die Welt, in der wir heute leben, verändert sich. Dabei lassen sich insbesondere drei Gruppen von Menschen besonders herausstellen.

  1. Migranten: Kriege und Terror verursachen eine anhaltende Flucht der bedrohten Bevölkerungen. Ein großer Anteil migriert nach Europa und findet auch in Deutschland eine neue Zufluchtsstätte oder Heimat. Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen leben somit an einem Ort zusammen.
  2. Ältere: Die Altersstruktur in unserem Land verändert sich nach wie vor. Die Menschen werden immer älter und stellen einen bedeutenden Teil unserer Bevölkerung dar.
  3. Menschen mit Beeinträchtigungen: Diese dritte Gruppe überlagert sich teilweise mit der Gruppe der Älteren. Nichts desto trotz macht die Gruppe einen Anteil von fast 20% unserer Bevölkerung aus, von denen um die 60% im Alltag körperlich beeinträchtigt sind (z.B. durch Sehschwäche, Hörschwäche, motorische Einschränkungen o.ä.)

Von der Integration zur Inklusion – für ein „echtes“ Miteinander

Themen wie Integration und Toleranz werden daher großgeschrieben oder zumindest kundgetan. Was bedeutet jedoch Integration? Integration beschreibt die allgemeine Eingliederung von bisher aus verschiedenen gesellschaftspolitischen und sozialen Gründen ausgeschlossenen Menschen oder Gruppen. In der tatsächlichen Ausprägung zeigt sich jedoch, dass Gruppen zwar verstärkt integriert werden, gleichzeitig allerdings weiterhin unter sich in Gruppen abgegrenzt sind und der Austausch häufig nur begrenzt stattfindet. Was wir für ein gemeinsames Miteinander benötigen, ist die nächste Stufe der Inklusion. Die Inklusion beschreibt den Einschluss bzw. die Einbeziehung von Menschen in die Gesellschaft. Die folgende Abbildung verdeutlicht den Wandeln von der Integration hin zur Inklusion.

Integration vs. Inklusion

Abbildung 1: Integration vs. Inklusion
Adaptiert entlang der CreativeCommons Attribution-Share Alike 3.0 Unported Lizenz, basierend auf dem Original von Robert Aehnelt

UX für digitale Helfer: Barrieren abbauen. Arbeitsplätze schaffen. Wandel gestalten.

Die aktuelle Digitalisierung oder digitale Disruption verändert unser Leben in vielen Bereichen, angefangen von unserem Privatleben über die Art der Kommunikation bis hin in unsere Arbeitswelt. Junge Leute werden mit dieser Digitalisierung groß und werden von den Älteren häufig nicht mehr verstanden. Diese Art des Wandels durchleben wir allerdings bereits seit Jahren. Auch die Einführung des Telefons bzw. Fernsprechers hat schon in der damaligen Zeit eine kleine Revolution ausgelöst. So anstrengend die Digitalisierung teilweise beispielsweise in Bezug auf den Anstieg des E-Mails-Verkehrs auch sein kann, bringt sie auch viele Vorteile mit sich. Sämtliche Bevölkerungsgruppen lassen sich unabhängig ihrer Einschränkungen, Fähigkeiten, Kulturen, Sprachen, etc. zusammenbringen und können durch angemessene Konzepte und Lösungen bspw. besser und eigenständiger ihr Privatleben gestalten oder Behördengänge verstehen und absolvieren. Hierbei zeigt sich auch eines der wesentlichen Konzepte hinter dem Schlagwort „Arbeit 4.0“: Digitale Assistenzsysteme können Arbeitsplätze im Alter sichern, Barrieren aufheben und eine Vielzahl von Menschen überhaupt erst am Arbeitsleben teilhaben lassen.
Diese digitalen Helfer, die uns im Privat- als auch Arbeitsleben unterstützen, lassen sich allerdings erst sinnvoll einsetzen und leisten erst dann eine angemessene Unterstützung, wenn die Usability der Lösung sichergestellt und eine positive User Experience fokussiert wird. Das bedeutet vor allem auch die aktive Partizipation der Menschen bei der Konzeption und Ermittlung der wahren Erfordernisse hinsichtlich der Lösung.

Relevante Themen, welche die Inklusion und User Experience gemeinsam betrachten sind z.B. Universal Design, Barrierefreiheit, nutzbare Behörden-Webseiten, Schutz vor Mobbing durch künstliche Intelligenz, Sozialer Wandel durch soziale Medien oder Inklusion durch Kollaboration u.v.m.

Beispiele für positive User Experience

Ein paar von zahlreichen schönen Beispielen wie Inklusion durch eine positive User Experience beeinflusst werden kann, sind die Projekte der SOZIALHELDEN.de. So verschafft die Wheelmap.org Rollstuhlfahrenden einen Überblick über rollstuhlgerechte Orte. Der DialogBereiter.de  trägt sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen von Behördenmitarbeitenden, Freiwilligen und Geflüchteten zusammen und bietet damit Unterkunftsbetreibern oder Freiwilligeninitiativen einen guten Startpunkt, sich in der Nachbarschaft für das Miteinander mit Geflüchteten zu engagieren.

Die Themen Inklusion und User Experience ergänzen sich prächtig. Sei engagiert und beteilige Dich am World Usability Day mit Deinem Beitrag für eine schöne Zukunft.

 
25. August, 2017

Rückblick auf die Working Products 2017

blog header- working products 17 reviewUm nicht selber über unsere eigene Konferenz zu berichten, haben wir Susanne Kreuz, eine befreundete UX-Designerin, zur Working Products eingeladen und sie gebeten, einen persönlichen Erfahrungsbericht zur Working Products zu schreiben. Hier ist er:

Susanne Kreuz berichtet von der Working Products 2017

Produktmanager (fast) unter sich

Die Aufgaben und Probleme, mit denen sich Product Owner, Product Manager und Product Designer, digitale Strategen und externe Berater herumschlagen, sind gar nicht so sehr verschieden: Sind wir doch alle für die Entwicklung und Betreuung digitaler Produkte und Services verantwortlich – bestenfalls! Wie die weiteren Diskussionen und Gespräche bestätigen, stoßen wir dabei oft an dieselben Grenzen und Widerstände: innerhalb und außerhalb von Projekten und Teams genauso wie in der Zusammenarbeit mit dem Management. Trotz fundiertem Know-How und schicker Zertifizierungen will das mit der Digitalisierung einfach nicht so richtig funktionieren.

Working Products 2017Was ist also unser Problem? Das herauszufinden und gemeinsam mit den Teilnehmern passende Lösungen zu entwickeln, hat sich Rolf auf die Fahnen der Working Products geschrieben. Gleich vorneweg gesagt: Es gibt sie noch, die guten Konferenzen! Die Konferenzperle im Norden ist ein Leuchtturm für alle, die sich mit digitaler Produktentwicklung beschäftigen. Die Teilnehmer können sich zwischen zwei parallelen Tracks entscheiden, wobei es einerseits um „softe“ Themen wie Produkt- und Kundenkultur im Unternehmen und neue Formen der Organisation und Zusammenarbeit geht. Auf der anderen Seite werden die dazu passenden Methoden und Prozesse vorgestellt. Da ich mich nicht zweiteilen kann, habe ich mir die Vorträge rund um Methoden und Prozesse angesehen und kann darüber jetzt berichten

AGILIEN ODER: IN WELCHER WELT ARBEITEN WIR EIGENTLICH?

„Agil ist nie im ganzen Unternehmen angekommen“, behauptet Christian Becker. In seinem Vortrag Management versus Produkt geht Christian hart mit „denen da oben“ ins Gericht. Und vergleicht ein agil und lean aufgestelltes Entwicklungsteam mit dem kleinen gallischen Dorf, in dem Asterix und Obelix unbeirrt die Stellung halten. Denn in der Realität werde Lean PM nur als schöne Fassade implementiert, da sei aber nichts dahinter. MVPs werden als outdatet abgewunken, wurden aber nie richtig verstanden. Schuld an allem sei das Produktmangement, das angeblich Wissenslücken habe und Erwartungen nicht erfülle – das behaupten zumindest Management und Geschäftsführung. 90 % aller Probleme liegen zwischen PM und Management, kontert Christian selbstbewusst. Das Management habe ein Missverständnis, was agil eigentlich bedeute. Aufklärung tut also Not, und so leitet Christian mittlerweile sein eigenes Unternehmen leanproductable.

Christian BeckerIn seinen Projekten geht es dabei um die Kernfrage: „Warum wollen wir wie arbeiten?“ Eine allgemeine Antwort gibt es nicht, und jedes Unternehmen ist angehalten, sich eine individuelle Vorgehensweise zu erarbeiten. Als Methode seiner Wahl stellt Christian uns den Strategy Brief vor. Dabei orientiert er sich an The Art of Action, dem Buch des strategischen Managementberaters Stephen Bungay. Ein Workshop über 3-4 Stunden sollte ausreichen, um gemeinsam die folgenden Fragen zu beantworten:
1. Context: Warum mache ich das jetzt?
2. My intent: Was wollen wir erreichen und wie messen wir das?
3. Higher intent: Wie passt das zur Unternehmensstrategie?
4. Key tasks: Was muss ich grob tun und mit welchen Ressourcen?
5. Boundaries: Welche Rahmenbedingungen muss ich beachten?
Wer es nach einem Vortrag noch etwas genauer wissen möchte, kommt einfach in die Speaker‘s Corner: Für 30 Minuten kann man direkt beim Redner nachhaken. Oder spontan eigene Erfahrungen teilen, egal ob positive oder negative. So schütten einige Besucher ganz unbefangen ihr Herz aus, und aus den individuellen Pain Points entwickeln sich schnell intensive Gespräche: Was tun, wenn die Strategie des Unternehmens einzig darin besteht, den Umsatz zu steigern? Wenn wegen lauter neuen Features keine Zeit zur Bestandspflege bleibt? Wenn Produkte aus der analogen Welt in eine mobile App gepresst werden, aber die digitale Welt offensichtlich anders funktioniert? Probleme mit der Organisation, dem Chef und Kollegen lassen auf Augenhöhe leichter äußern als mit dem Mikro vor dem versammelten Publikum. Zudem ist in der kleinen Runde die Trennung zwischen „der da vorne = allwissend“ und „die Zuhörer = unwissend“ weitgehend aufgehoben.

ESSEN IST SILBER, REDEN IST GOLD

Auf den ersten Blick könnte man meinen, das Format von 2 x 3 parallelen Vorträgen verteilt auf 2 Tage sei ein bisschen wenig für‘s liebe Geld (das Ticket kostet 540 €). Sind die Pausen dagegen nicht zu reichlich? Und an den Nachmittagen soll man auch noch selbst aktiv werden… Egal, wenn mich ein Thema gerade nicht interessiert, geselle ich mich ans Buffet.

Dort finde ich immer super leckere Nervennahrung, von Brownies bis Obst, und – ganz große klasse – auch eine Auswahl für Vegetarier, Veganer und Allergiker. Ich gebe zu, das gemeinsame Frühstücken am morgen, das ausgiebige Mittagessen und das Grillen am Abend nach einer ziemlich verfressene Angelegenheit klingt. Doch wer schon mal in einer WG gewohnt und die Küche als das Zentrum der Kommunikation schätzen gelernt hat, weiß um die soziale Rolle das Essen auf Konferenzen. Während ihr lest, komme ich ganz locker mit meinen Nachbarn ins Gespräch. Und lerne Sabrina und Annabell kennen, Trainees bei Burda Direct, die extra aus Offenburg und München angereist sind, alle Achtung!

WAS IST EIGENTLICH DER AUFTRAG?

Zurück zum offiziellen Programm. Die Zauberformel, die ich im Laufe der Konferenz noch öfter höre, lautet Autonomy through Alignement. Marc Kadish, Director Product bei Xing, wird die zugehörige Methode Auftragsklärung am Freitag vorstellen. Doch so lange will das werte Publikum nicht warten. Gut, dass es die Open Sessions am Nachmittag gibt.

SessionplanungIn der großen Runde sammeln wir Vorschläge und spendieren dem Thema eine eigene Sitzung. Sieben weitere schaffen es aufs Whiteboard, von der „Innovation im Bestandsprodukt“ bis zu „Neuen Services für autonome Fahrzeuge“. Nicht alle Themen finden später den zuvor erklärten Anklang. Auch mein Vorschlag „Freelancer im Konzern“ fällt mangels Publikum aus, aber das macht nichts. Ich nutze die Gelegenheit und lausche erneut Christian, der uns den von Xing adaptierten „Canvas for collaborative alignement“ erklärt. Wir füllen unser Template mit einem praktischen Beispiel „PayPal als neue Zahlungsart im Online-Shop einführen“. Im Team schreiben wir Aussagen auf Post-Its und kleben sie aufs Flipchart; diskutieren, verwerfen und hinterfragen, bis alles richtig zusammen passt. Unser Gemeinschaftswerk dokumentiert und kommuniziert Entscheidungen auf Papier und lässt sich bei Bedarf anpassen. Und das abgestimmte Ergebnis kann ich für alle sichtbar an der Wand platzieren. Toll, dass die großzügige Planung der Konferenz genug Zeit und Raum zum Lernen lässt, der im Alltag meist fehlt.

BRAUCHEN WIR EINE SCHOCKTHERAPIE?

Kurz darauf finde ich mich in der Session von Jutta, Digitale Strategien und Konzepte. Wir sind beide Freelancer und ich überlege, ob ich ihre Job-Bezeichnung übernehmen sollte. Werde ich doch laufend mit unpassenden Anfragen überhäuft: von UI Design über Werbebanner-Gestaltung bis Frontend-Entwicklung. Doch auch Jutta hat sichtlich Probleme damit, was ihre Auftraggeber unter Human Centered Design verstehen: Mal wird der Kontakt mit den eigenen Kunden verboten, mal legt das Management die vermeintlich fertige Konzeption vor. So lautet ihre Frage in die Runde: „Was tun, wenn es im Projekt kein gemeinsames Mindset in Sachen Nutzerzentrierung gibt?“ Benno, ebenfalls Freelancer, bringt das Manko unseres Tuns auf den Punkt: „Konzeption ist nunmal unsichtbar“. Das Standing im Team hänge auch immer davon ob, ob der Fachbereich oder die Geschäftsführung ihn beauftrage. Manche Kunden lassen sich nicht so einfach mit Argumenten überzeugen. Und was dann? Auch Dirk, freier Digital Consultant, kennt das Problem: „Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft oft eine riesige Lücke. Dann bin ich froh, wenn ich wenigstens einige Aspekte umsetzen und mich der idealen Welt annähern kann.“ Schon um der eigenen Gesundheit willen empfiehlt es sich, nicht gleich zu resignieren. Bleiben wir also optimistisch und lenken den Blick auf das Positive.
Arbeit in der SessionInteressant wird es, als sich Iris zu Wort meldet. Sie verantwortet das Marketing und spricht aus Sicht der Auftraggeber: „Ja, wir haben ein Problem, sonst hätten wir uns keine Agentur geholt. Doch dann kommt das schreckliche Gefühl: Alles was wir bisher gemacht haben, ist falsch!“ Da müsse man auf Kundenseite erst mal seinen emotionalen Schock überwinden. Nicht jeder sieht in Kritik sofort eine Chance auf Neubeginn, da sind Empathie und Einfühlungsvermögen gefragt. Stimmt, denke ich – auch als Externe muss ich in jedem neuen Projekt meinen Realitätsschock überwinden: Ausloten, was machbar ist, annehmen oder absagen, bleiben oder gehen. Ich nehme mir vor, beim nächsten Mal Rolf’s Vorschlag zu beherzigen: „Manchmal kommt in einem Projekt der Punkt, da muss ich als Dienstleister klar machen: So kann ich nicht weiter arbeiten! Dann hört man mir auch wieder zu.“

WAS SOLL ICH BLOSS ANZIEHEN?

Am Vortragspult steht Heide Peuckert, „Mutter aller Produkte“ und Head of Product der Njiuko GmbH. Die einzige Frau unter den insgesamt 12 Rednern trägt einen bunt gemusterten Jumpsuit. Und erzählt, dass sie von den Herren der Old Economy ernster genommen wird, wenn sie dem Klischee der „freakigen Kreativen im schrillem Outfit“ entspricht. Am nächsten Tag trägt sie lockere Streetwear im corporate Design. Die „Frau im Hoodie“ steuert in der Software-Agentur die Web- und Mobile-App-Entwicklung. Als Kapitän eines Piratenschiffes steuert sie ihr Team an der Schnittstelle zwischen UX, Technik und Business. Als Product Owner adoptiert sie die Produkte ihrer Kunden, erstellt User Stories und vertritt die späteren Anwender. Auf Kundenseite steht ihr ein Projektmanager gegenüber, der den Business Input liefert. Heide verkauft ihm Sprints anstatt Features, und überlässt die Diskussion übers Budget ihrem Chef.
Björn-Torge SchulzDass der Dresscode auch auf Konferenzen wichtig ist, erfahre ich später von Benjamin: „Ich bin sehr froh, hier nicht im Anzug herumlaufen zu müssen!“ erzählt mir der Geschäftsführer aus Berlin. „Männer haben ja nicht so die Bandbreite an Klamotten: entweder Hemd und Hose, oder Jeans und T-Shirt.“ Meine Nachbarin im Hemdblusenkleid stimmt zu: nicht zu formal, aber auch nicht zu leger sollte es sein. Und trotzdem partytauglich, denn unser Abend klingt trotz Regenschauer gemütlich aus, mit Grillen im Hof und Musik vom DJ.

WANN IST DAS FERTIG?

Doch zurück zum Wetterbericht. „Wir schätzen heute mal nicht“, empfiehlt Mathias Schröder, Agile Coach beim Logistikunternehmer Kühne und Nagel. Sein Ziel ist es, uns den Zungenbrecher Probabilistisches Forecasting näher zu bringen. Schließlich lautet die zentrale Frage in jedem Produkt: „Wann ist das fertig?“ Weil es heutzutage in der Produktentwicklung genauso komplex und dynamisch wie beim Wetter zugeht, kann niemand eine absolut richtige Antwort geben. Deshalb schlägt Matthias vor, lieber mit Wahrscheinlichkeiten zu arbeiten. Dazu müssen wir aber erst einmal Daten sammeln, um Zeitaufwand und Kosten zu schätzen. Logisch: Je weiter wir in die Zukunft blicken, desto ungenauer wird unsere Vorhersage. Ich staune über Monte-Carlo-Simulationen und Skeddar-Plots, die Daten aus der Entwicklung aufbereiten. Für mich als Freelancer ist die Methode nur bedingt geeignet.

ALLES NUR EIN SPIEL?

Bevor die Konferenz zu Ende geht, will ich unbedingt noch das Project Manager Game ausprobieren. Meine Spielfigur ist eine blonde Projektmanagerin mit Brille. Um zu überleben, muss ich zahlreichen Kollegen aus Entwicklung, Management, Marketing und Design ausweichen. Immer schneller tauchen neue Figuren auf dem Bildschirm auf. Es braucht meine ganze Aufmerksamkeit, damit wir nicht unsanft zusammen stoßen – ganz wie im echten Projekt :-)

Productmanager-Game Ich staune nicht schlecht, denn Malte hat das Spiel in dem Prototyping-Tool Axure programmiert hat. „Das kannst Du theoretisch auch, Du warst doch in unserer Schulung!“ grinst er mich an. Stimmt, denn im Grunde ist das Game nichts anderes als ein interaktiver Klick-Dummy! Das Geheimnis liegt darin, den Elementen auf verschiedenen Layern bestimmte Ereignisse und Aktionen zuzuweisen.
Ich überlege gerade, welche Widgets Malte wohl verwendet hat, als ich mich ein Zuschauer anspricht: „Sag mal, was machen die von eparo eigentlich sonst noch?“ Wenn das mal nicht für die vornehme Zurückhaltung des Veranstalters spricht, die Konferenz nicht zur Eigenwerbung zu missbrauchen! Andererseits ist es mal wieder an der Zeit, eine Lanze für qualitatives User Testing in Zeiten von Analytics und datengetriebener Produktentwicklung zu brechen. „Data driven ist nicht gleich Data Informed“, hatte uns Marc Kadish, Director Product bei Xing, am Vormittag mit auf den Weg gegeben. Und eingebläut, dass der Mensch zwar aus Erfahrungen lerne, aber nicht sicher sein kann, ob seine Erkenntnisse auch in der Zukunft funktionieren. Und dagegen hilft nur: Hypothesen formulieren, Experiment aufsetzen und validieren, Ergebnis messen und bewerten! Und zwar am besten im Team, denn das hat die größte Kompetenz, um eine Lösung zu finden.

Mit vielen neuen Methoden und einem Glückskraut im Gepäck mache ich mich nach zwei langen Tagen auf den Heimweg. Und überlege mir, wie ich die vielen Anregungen, praktischen Tipps und strukturierten Vorgehensweisen am besten in meinen Projektalltag integriere. Eins ist sicher: Der digitale Wandel wird nur funktionieren, wenn wir über Team- und Abteilungsgrenzen auf Augenhöhe zusammen arbeiten, mit einer handfesten Strategie, und in einer offenen und vertrauensvollen Kultur.

working products 2017Herzlichen Dank an alle Teilnehmer und Redner, die mit bestem Beispiel voran gegangen sind! Und besonders an Rolf und das Organisationsteam, die stets mit einem offenen Ohr auf die Bedürfnisse der Besucher eingehen und zeigen, dass schon kleine Veränderungen am Setting positiv wirken und Teilnehmer glücklich machen. Psst, nicht weiter sagen: Hamburg und die Working Products sind unbedingt eine Reise wert!

Hier noch ein paar Zitate von den Teilnehmern:

„Habe Denkanstösse für ein nutzerzentriertes Mindset bekommen“
„Habe große Lust, am Montag wieder ins Büro zu gehen, die vielen Anstösse im Arbeitsalltag gleich auszuprobieren!“
„Gute Community, tolle Atmosphäre, familiär““
„Genug Zeit für Begegnungen und gemeinsames Abhängen“
„Für mich als Hamburger ein Heimspiel, sehe Freunde, fast ein Klassentreffen“
„Schonungslose Darstellung, viel Respekt und Selbstreflexion“
„Praktische Informationen aus der Praxis!“
„Schätze sehr den Austausch über den Tellerrand, sonst spricht man ja nur mit internen Kollegen“
„Nicht zu groß, man kommt quasi mal mit jedem ins Gespräch!“
„Auf große Konferenzen gehe ich nur noch mit Kollegen, sonst steht man da allein und einsam rum, schrecklich…“
„Das offene Konferenz-Format wird sich durchsetzen, passt ja auch zu Lean!“

Alle Fotos ©Beata Lange

 
22. Mai, 2017

Therapeutisches Videospiel „Memore“ in der Produktreiferei

Wir waren selbst neugierig und haben Memore ausprobiert :-)

Wir waren selbst neugierig und haben Memore ausprobiert.

In der Produktreiferei testen wir innovative Startup-Produkte. Diesmal haben wir die therapeutische Videospielkonsole MemoreBox mit drei 70+ Probanden über drei Stunden getestet und spannende User Insights gesammelt!

Gaming mal anders!

Am 11. Mai haben wir die therapeutische Videospielkonsole MemoreBox getestet. Memore wird vom Social Startup RetroBrain entwickelt und wurde speziell für Senioren konzipiert. Über die gestenbasierte Steuerung mit einer Microsoft Kinect werden am TV mit verschiedenen Spielen Gleichgewichtssinn und Beweglichkeit trainiert – das mussten wir unbedingt testen! Also haben wir drei Nutzer im Alter von 70+ eingeladen, vor einen großen Fernseher gestellt und dann einfach mal geschaut, was passiert. Fazit: Unsere Probanden haben sich generell gut in den einzelnen Spielen zurechtgefunden. Bei der Navigation durch das Menü haperte es an einigen Stellen, aber der Spaßfaktor stimmte auf jeden Fall! Können wir auch so bestätigen. Wir waren selbst neugierig und haben Memore ausprobiert :-)

Testbeobachtung

Trotz des guten Wetters am Testtag kamen zahlreiche Produktreifer zur Testbeobachtung. Während wir den Probanden beim Spielen von Memore zuschauten, hielten wir die beobachteten Reaktionen und Probleme direkt auf Post-Its fest.

Nach jedem Test wurden die zahlreichen Notizen auf unserer über 20m² großen Whiteboardwand gesammelt. So füllte sich der Raum schnell mit vielen bunten Post-Ist. Testauswertung

Nach den Nutzertests haben wir die Post-Its gemeinsam sortiert und zu Clustern zusammengefasst. So zeigte sich schnell, an welchen Stellen es Nutzungsprobleme gab. Zusammen mit RetroBrain haben wir mögliche Optimierungsansätze für das Interface und die Gestensteuerung erarbeitet und diskutiert und den Abend dann gemütlich bei einem Bierchen ausklingen lassen. Unser Learning: Gesten, bei denen der Nutzer die Arme oder Beine heben muss, sind vollkommen neu und ungewohnt. In diesem Feld Interaktionen zu gestalten ist echt nicht so einfach. ;-)

PostIts

Was tun wir in der Produktreiferei?

Startup-Produkte aller Art werden in der Produktreiferei mit der Nutzerzielgruppe auf ihre User Experience und Usability getestet. Zu jedem Termin gibt es von uns ein kostenfreies Mini-UX-Testing für ein Startup. Über unser Meetup laden wir euch zum Mitmachen ein. Ihr könnt die Nutzertests gemeinsam mit uns beobachten, lernen, wie UX-Tests funktionieren und dabei helfen, die Produktideen zu verbessern. Genaueres könnt ihr hier nachlesen.

Du hast eine Produkt-Idee, die getestet werden soll? Schreib uns: https://www.eparo.de/produktreiferei

 
30. Januar, 2017

Neues vom Rekrutierungsgott

Wer bei eparo vorbeikommt, läuft auf dem Weg zum Büro an einer unscheinbaren Tür vorbei. „Hier kein Test“ steht darauf, weil sich immer wieder Probanden verlaufen. Dahinter verbirgt sich unser Feldbereich.

Wer User Experience Tests macht, benötigt dafür Testpersonen. Das ist nicht trivial – ganz normale Menschen müssen sich außerhalb ihrer Arbeitszeit zum Labor bewegen, um dort unbekannte Szenarien und bunte Prototypen über sich ergehen zu lassen. Die beste Fragestellung scheitert, wenn sie an die falsche Person gestellt wird. Da die meisten Projekte unter Zeitdruck stehen, kann ein schlechter oder fehlender Proband den ganzen Test gefährden. Das zu verhindern liegt bei uns in der Verantwortung der vier Mitarbeiter des Feldbereichs, geleitet von dem liebevoll „Rekrutierungsgott“ genannten Lars Wiese. Sein Motto lautet „Wenn es lebt, können wir es rekrutieren“.

unser Rekrutierungsgott Lars

Lars‘ Motto lautet „Wenn es lebt, können wir es rekrutieren“.

Dem Anspruch wird er gerecht. Einfache Fälle zu finden, wie „Menschen, die eine Waschmaschine brauchen“, entlockt ihm nur noch ein müdes Lächeln. In seinen seit 20 Jahren gepflegten Ordnern – er arbeitet streng auf Papier – finden sich die Ergebnisse des geduldigen Suchens, Filterns und Sortierens von Menschen aller Lebenswege. Spannender findet er die herausfordernden Aufträge, bei denen Experten gefunden werden müssen. Rheumatologen in Bielefeld über 40? Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen, die einen Bürohund haben? MDAX CEO in Frankfurt? Alles kein Problem für den Direktor Feld.

Sein Geheimnis ist vielleicht, dass er es liebt, sich mit Menschen auszutauschen. Er hat aber auch den Sportsgeist eines guten Anglers. Er nutzt alle Kanäle, recherchiert gründlich und sucht und erarbeitet ständig neu. Am Ende ist er manchmal selbst fasziniert, genau den Menschen vor sich stehen zu haben, den sein Kunde sucht.

Dabei ist seine Auswahl streng: Nicht nur muss die Person den geforderten Kriterien entsprechen, zusätzlich braucht es „Testerqualitäten“. Eloquenz und Interesse sind für die Gesprächsqualität wichtig, aber ein Proband muss auch einverstanden sein, dass Aufzeichnungen gemacht werden. Selbst Dinge wie deutliche Aussprache bezieht Lars in seine Auswahl mit ein. Dafür sprechen die Mitarbeiter des Feldbereichs telefonisch mit jedem einzelnen Probanden, oft mehrfach. Der Eine oder Andere ist mit Lars danach sogar auf sozialen Netzwerken befreundet.

Seine „Anglerqualitäten“ zeigen sich aber vor allem beim Screening, dem in Fragebogenform übersetzten Kriterienkatalog der Probandenrekrutierung. Er weiß genau, was er fragen muss, um herauszufinden, ob der Proband sich eignet. Dazu reduziert er die Fragestellung des Kunden auf das für die Probandenrekrutierung Wesentliche und verengt oder verbreitert dabei eigenständig die Suchkriterien. Gerade wenn als Basis Personas vorliegen, ist das eine eigene Übersetzungsleistung. Screener sind eine eigene Wissenschaft. Es reicht nicht, den Menschen zu fragen, was man wissen möchte. Stattdessen findet Lars Fragen, die ihn indirekt zur Antwort führen. Wie beim Fischernetz darf der Filter weder zu eng noch zu grob sein, sonst sind die Ergebnisse nutzlos. Ein bisschen Menschenkenntnis ist allerdings auch dabei – Lars kann sich immer auf sein Bauchgefühl verlassen.

In den Interviews ernten Moderatoren und Kunden dann die Früchte seiner Arbeit. Da es in Deutschland keine Ausbildung zum „Rekrutierungsgott“ gibt, hat Lars beschlossen, sein Wissen in einem eigenen Workshop weiterzugeben.

Weitere Infos zum Workshop und die Anmeldung gibt es hier.

 
25. November, 2016

Der World Usability Day durch die „Nutzerbrille“ eines Außenstehenden

Redaktion: Beate Winter

Vor einer Woche fand der World Usability Day (WUD) auch wieder in Hamburg statt. 400 Teilnehmer waren in diesem Jahr auf dem Campus der HAW Hamburg. Ein neuer Rekord. Diesjähriger Schwerpunkt: Sustainable (green) User Experience. Was ist denn eigentlich Sustainable oder Green UX? Diese Frage wurde immer wieder gestellt. Auch von Experten. Antworten erwarteten wir von der German UPA und haben Vertreter des Berufsverbandes eingeladen. Außerdem sollten natürlich Vorträge und Workshops, Diskussionen und Gespräche während der Konferenz zur Klärung beitragen. Erstmals haben wir auch einen Journalisten und Texter eingespannt. Bewusst haben wir jemanden ausgesucht, der nicht aus „der UX- Szene“ kommt. Eine Reportage von Torsten Sannwald über den Tag, der die Welt verbessern soll.

Neues für Nutzer

Das Forum der Ideen auf dem World Usability Day 2016 in Hamburg

WUD 2016 Hamburg, Julian Mengel

CO2 arme Websites? Stellen wir uns vor, das Internet sei ein Land. Dann wäre es in puncto Stromverbrauch das sechstgrößte Land der Erde. In seinem Vortrag (Vortragsfolien) rechnet der studierte Biologe Julian Mengel vor, dass durch lange Ladezeiten und riesige Bilddatenflut weltweit Millionen Tonnen an CO2 in die Atmosphäre geblasen werden. Die Lösung zur Minimierung kostet weder Geld noch Aufwand. Bei der Erstellung von Websites einfach Bilder komprimieren und auf das Performance Budget achten – bei mobiler Nutzung zum Beispiel eine Ladezeit von maximal drei Sekunden. Auf diese Weise konnte etwa bei einem großen deutschen Webservice die Ausstoßlast um zwei Drittel reduziert werden.

Ein erstes Aha-Erlebnis. Denn das leuchtet selbst dem ein, der sich unter Usability oder User Experience nur schemenhaft – unter Sustainable User Experience überhaupt und rein gar nichts vorstellen konnte. Denn meine Digital-Affinität beginnt bei Emails und hört bei Spiegel Online und car2go auch schon auf. Gleich bei der Einladung zum WUD wies ich ausdrücklich auf mangelnde Kenntnisse hin, jedoch wies man mich daraufhin genauso ausdrücklich darauf hin, dass dieser Umstand nicht schlimm – sondern es im Gegenteil ganz interessant sei, mal zu lesen, wie der WUD auf jemand wirke, dessen Kernkompetenz – um es vorsichtig auszudrücken – nicht gerade im Digital Business liegt.

 

Abgesehen von mir sind die restlichen der rund 400 Besucher aber schon alle mehr oder weniger vom Fach. Viele sind hier, die sich austauschen und inspirieren möchten, wie der Art Director, dessen Kollegen in der Agentur Jobs immer nur standardmäßig abarbeiten – es sei denn, es kommen veränderte Vorgaben vom Chef oder vom Kunden selbst. Eigeninitiative und Kreativität? – Fehlanzeige. Oder der Creative Director, der hier nach talentiertem Nachwuchs sucht. Oder die zwei Interaction Designerinnen, die mit spezifischen fachlichen Fragen kollegiale Unterstützung erhoffen. Oder der Manager aus dem Führungsteam eines schweizerischen Wasserversorgers, der hier bei der Entwicklung von Nachhaltigkeitsapplikationen wertvolle Impulse mitnehmen möchte.

WUD 2016 Hamburg, Christoph Buckler

Dass Sustainable (green) UX neben der technischen vor allem auch über eine gesellschaftliche Dimension verfügt, erörtert Christoph Buckler in seinem Vortrag „Designprinzipien für Green UX“ (Vortragsfolien). Darin geht er auf die besondere Verantwortung von Designern und Entwicklern ein. Er beschreibt Möglichkeiten zur Einflussnahme auf umfassendere Problemlösungen, die sich nicht nur auf die Optimierung der Performance beschränkt – sondern sich auf den gesamten Lebenszyklus bis hin zum Recycling eines Produktes erstreckt.

WUD 2016 Hamburg

In „Digitale Communities für ländliche Regionen“ (Vortragsfolien) wird’s amüsant. In Wort und Bild beschreibt Steffen Hess, Fachvorstand von German UPA, Stolpersteine, die zwischen Konzeption und nutzertauglicher Umsetzung einer digitalen Packstation liegen können. Das Projekt im Rahmen der »Digitalen Dörfer« vom Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE, zeigt, wie Mobilität und Logistik mit intelligenter Technologie verzahnt werden kann, sodass für Bevölkerung und Unternehmen ein Mehrwert entsteht.

 

In der Mittagspause plaudere ich am Stand von Ratio Drink, einem Kooperationspartner des WUD. Deren „Konferenzflasche“ ist eine weitere Interpretation zum Thema Usability. Das Produkt wird hauptsächlich von Gastronomie und Cateringfirmen bei Veranstaltungen eingesetzt. Es besteht aus einer Glasflasche, die der Besucher mit seinem Namen beschriftet und während der gesamten Veranstaltung behält und wiederverwenden kann. An einer Auffüllstation stehen Container mit Bio-Sirups in verschiedenen Geschmacksrichtungen bereit, die einfach mit Wasser angerührt werden. Und so wird mit diesem Konzept der Konsument – schwuppdiwupp – selbst zum Getränkeproduzenten.

(Fotos Lego Serious Play Workshop: © O. Lorenzen-Schmidt)

Tausende von Legosteinen warten am Nachmittag gespannt darauf, was aus ihnen wird. Eine möglichst lange, möglichst stabile und möglichst schöne Brücke; die Materialisierung eines persönlichen Wunsches; oder der Ausdruck dessen, was man selbst unter Sustainable UX versteht – so lauten die Aufgaben beim Lego Serious Play Workshop von Irene Schuler. Auf abstrakte Aufgaben hin werden alleine oder in der Gruppe Ideen erarbeitet, bei denen sich die Entwicklung der Lösung aus der Visualisierung ergibt – Kreativität aus dem Zusammenspiel von Kopf-Bewusstsein und Unterbewusstsein, dass seinen Ausdruck über die Hände findet. Am Tag eins nach der Wahl eines Präsidenten, der die Zukunft mit den Rezepten von gestern zu gestalten verspricht, ist das ein moderner Konzeptansatz mit ungleich mehr Potenzial.

Damit findet ein inspirierender Tag seinen leichten, erlebnisreichen und unterhaltsamen Ausklang. Fazit: als einer, der noch aus der guten alten Zeit der Print-Werbung kommt, in der es darum ging, meist Unnützes möglichst geländegängig an den Konsumenten zu bringen, habe ich beim WUD erfahren, dass User Experience oder Usability organischer Bestandteil einer erweiterten Form von Kommunikation ist. Einer Kommunikation, die dem Konsumenten natürlich auch etwas verkaufen will, ja – aber darüber hinaus den Anspruch hat, an einem positiven gesellschaftlichen Wandel mitzuarbeiten.