eparo – Digital Service Design

Das Blog von eparo.de

21. November, 2012

Design meets UX – What to know and what to fear…

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Design und UX können nicht ohne und nur selten miteinander – und im Kern dreht sich alles um die Frage „Wie grenzt sich meine Arbeit als Visual-Designer von Deine Arbeit als User-Experience-Designer ab“? Hier eine strikte Trennung zu finden ist so gut wie unmöglich. Und auch nicht nötig: Dialog heißt das Stichwort. Bessere Interfaces sind das Ergebnis. 

the better way: Design und UX Hand in Hand

In vielen Agenturen, wird die Designkompetenz zu spät ins Boot geholt. Meist hat der Kunde mit dem Kundenberater und auch mit dem IA oder UX-Menschen gesprochen, es wurden offene Punkte geklärt und erste Anforderungen schon festgezurrt. Meist gibt es dann das so genannte Kreativ-Briefing, eine rein interne Angelegenheit, und jetzt soll der Designer „das Ganze entsprechend hübsch machen“.

Wo scheinbar schon alles geklärt ist, fangen dann die Fragen überhaupt erst an: Was ist „das Ganze“ überhaupt? Eine Website, eine App, ein Log-in Formular, ein Checkout Prozess? Und was ist hübsch? Und wieso eigentlich hübsch? Das liegt ja auch im Auge des Betrachters und vielleicht ist hübsch gar nicht funktional. Und der Betrachter: Wer ist dieser Betrachter (also User) eigentlich? Und schließlich: Welcher Designer arbeitet denn schon gerne so?

Design ist nicht „hübsch machen“

Um es klar zu stellen, Designer sind keine Dekorateuere. Bei eparo geht es daher auch im Designprozess um das Warum, das Wie und das Was? Und ja, es geht auch um Ästhetik, aber nicht im Sinne von einfach „hübsch machen“, sondern im Sinne einer Idee und Attraktion. Designer stellen sich dabei folgende Fragen: Was ist die Idee hinter einem Produkt, wie lässt sich das visualisieren? Was ist der Inhalt (Content), Wie sieht dieser aus? Ist die Optik passend für die User? Passt es zur Marke? Und alle diese Fragen fließen direkt in die Konzeption mit ein.

„Und jetzt noch: Einige Fragen zum Design….“

Ästhetik spielt dabei eine wesentliche Rolle. Nicht umsonst sind gut gestaltete Produkte so erfolgreich. Man denke nur an die minimalistisch entworfenen Apple-Produkte von Jonathan Ive, die im Wesentlichen von den Braun-Produkten von Dieter Rams inspiriert wurden. Dabei spielt Ästhetik nicht nur die visuellen Sinne an, sondern möglichst mehrere, also beispielsweise auch Hören, Fühlen Schmecken und Fühlen. Und genau das ist der Unterschied zu „hübsch machen“. Gutes Design spricht die gesamte Wahrnehmung an und schafft ein Gesamterlebnis – ebenso wie gute UX.

Design ist die Seele eines Produktes

Um das Produkt zu verstehen, muss auch der Designer den Kunden kennen und die Anwender des Produktes. Was wollen sie, was brauchen sie? Dann erst kann er dem Ganzen eine Seele einhauchen. Wie fühlt sich das Produkt an? Was vermittelt es? Wie sieht es aus? Wie benutze ich es? Das sind nicht nur Fragen, die ein Usability Experte sich fragt, sondern das sind Fragen, die auch der Designer zusammen mit dem UXler beantworten muss.

Wer also einfach jenes Kreativ-Briefing, fertige Wireframes oder einen grob klickbaren Prototypen vorgesetzt bekommt, hat meist nur noch wenig Spielraum. Die Navigation ist horizontal oder linksbündig definiert, das Gestaltungsraster hat 5 oder 6-Spalten, etc…. Dinge wie Marke, Corpora Identity und die vielen weichen Faktoren, die für einen Gestalter und am Ende auch für Nutzer elementar sind, fehlen dabei oft völlig.

Wie ist das Bildmaterial? Wie das Logo? Was ist die Brand Experience? Und ganz Wesentlich: Kann man in der Ausarbeitung, wenn alle Maße und Positionen finale festgezurrt werden, überhaupt alle Dinge genau so platzieren, wie das Wireframe es vorsieht? Kommt der Designer spät ins Boot, ist diese Bruchstelle programmiert.  In enger Zusammenarbeit zwischen Design und UX hingegen lassen sich kostspielige und nervenaufreibende Korrekturschleifen vermeiden.

Design, wenn es gut ist, versteht

Wenn ich also ein Interface gestalten soll, dass einfach zu nutzen und zu verstehen ist, und dabei auch noch für den definierten Nutzer ansprechend sein soll und Spaß machen soll, dann muss ich diesen Nutzer ebenso gut kennen, wie mein Kollege aus der UX. Da reichen keine A4 Zettel auf denen der Kunde ein Briefing geschrieben hat, und auch ein rein internes (Kreativ-)Re-Briefing greift zu kurz.

Ebenso wie UX muss auch gutes Design zunächst verstehen, wie ein Produkt funktioniert. Und das heißt: Wie seine Nutzer funktionieren. Ich zum Beispiel liebe es, diese Detektivarbeit zu machen und mich auf die Spuren meiner Aufgabe zu begeben, Geschäfte zu besuchen, das Internet zu surfen, Zeitschriften zu lesen und Bildwelten zu erstellen, um zu begreifen und Inspiration zu finden.

Design – the better way

Für unsere Arbeit bei eparo heißt all das: Der Designer ist immer mitten im Prozess und beispielsweise auch beim ersten User-Test dabei. Und zwar bei dem User-Test wo der Status Quo abgefragt wird. Nur so wird dem Design voll und ganz bewusst, wo seine Angriffspunkte liegen, ohne das diese Informationen durch andere gefiltert werden. Denn jede Information, die nur weitergegeben wurde, sei es schriftlich oder mündlich, gibt kein komplettes Bild wieder. Kennt man hingegen die Menschen und ihre Bedürfnisse, kann man sich leichter in sie hineinversetzen, egal ob das der Kunde oder der User ist.

Alle an einem Tisch – und maximal nah am User

Unsere Designer legen daher Wert darauf, Interfaces nicht nur „hübsch“ zu machen, sondern wir gehen ganzheitlich vor. Reicht das Briefing vom Kunden nicht aus, setzen wir einen Kreativ- und Konzeptions-Workshop auf, um den Kunden und die User besser zu verstehen. Oder wir gehen auch mal den Extra-Weg und besuchen die Arbeitsplätze unsere Kunden oder User, gehen in die Geschäfte etc. und verzahnen Design und UX immer mehr. Und auch bei immer mehr Kunden kommt der Erfolg dieses Vorgehens an, so dass wir zunehmend auch die Agenturen unserer Kunden beraten, um Interface-Aspekte und Design-Fragen von Beginn an aufeinander abzustimmen – ganz im Sinne der Nutzer.

Lesenwert zum Thema:
http://www.alistapart.com/articles/indefenseofeyecandy/
http://www.smashingmagazine.com/2012/08/24/the-designer-will-make-it-pretty/

 
14. November, 2012

Die Welt und ihr Usability Day

Vergangenen Donnerstag war ja wieder WUD-Time, und in bester Tradition fand auch der Hamburger World Usability Day 2012 wieder in den Räumen der HAW statt. Wie schon in den vergangenen Jahren, gab es auch dieses Mal wieder jede Menge Lobkärtchen für Vortragende und Organisatoren. Hier ein kurzer Rückblick auf die Veranstaltung und unsere, wie wir finden, sehr eigenständige WUD-Optik….

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Viel Programm: Workshops und Sessions

Wie schon in der Vergangenheit haben wir auch den diesjährigen WUD schon am Vormittag begonnen. Bereits ab 11:00 Uhr konnten die Besucher verschiedene Workshops belegen und in kleinen Runden zusammen mit den Vortragenden und anderen Teilnehmern an praktischen Beispielen arbeiten. Am Nachmittag fanden dann im  WUD-Camp in guter, alter Barcamp-Manier Sessions zu verschiedenen, spontan vorgeschlagenen Themen statt.

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Das Workshop-Angebot reichte dabei vom Einstieg in Usability-Testing-Basics (Sebastian Paul) und Live-Lab-Tests (Matthias Roloff, eparo) bis zu Workshops zu diversen UX-Kernthemen. So konnten die Teilnehmer eben beispielsweise dem Zusammenhang von Brand Experience und Interaction Design nachgehen (Markus Wienen, eparo), zu Vertrauen im Service-Design arbeiten (Didier Bertschinger/Ulrike Maischel, HID) oder vom richtigen Zeitpunkt für gutes UI Design erfahren (David Detzler, Ergosign). Am Ende standen Workshops zu Mobile Payment (Gunnar Hamm, Cellular) und Multiscreen-Design (Rolf Schulte Strathaus, eparo).

Echte Ergebnisse: Diskussionen und Insights

Diese Mischung aus festen Angeboten vormittags und offenen Runden am Nachmittag hat sich dabei wieder bewährt und bis zum Schluss überzeugt. Ein gutes Beispiel dafür war meiner Meinung nach beispielsweise die abschließende Diskussionsrunde zum Stichwort mobile first extrem spannend. So ziemlich jeder Besucher und Professional hatte sich dazu wohl bereits seine Gedanken gemacht und entsprechend hoch schlugen die Wellen in der Diskussion. Am Ende kam dabei nicht weniger heraus als die Einsicht, dass mobile first als Buzzword heute schon fast mehr schadet als nützt, wenn es, dogmatisch befolgt, den Blick für die wesentlichen konzeptionellen Fragen eher behindert als voranbringt.

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Aber nicht nur bei dieser letzten Session war beste Stimmung. Am Ende gab es viel Lob für alle Vortragenden. Bei den Kollegen von HID zum Beispiel konnten die Arbeitsergebnisse vom Vormittag vom Kreativworkshop am Vormittag bestaunt werden. Britta von Xing hat in ihrer Session das Thema Bildsprache behandelt. Markus hat mit seinen Teilnehmer Interaktionsprozesse zu Markenbotschaftern gemacht, und ich habe wieder über mein Lieblingsthema, die Konzeption für das Unterbewusstsein, referiert.

Gute Aussicht: Auf Wiedersehen in 2013

Für einigen Gesprächsstoff sorgte schließlich auch unsere individuelle 2012er WUD-Optik. Beim gemeinsamen Wein am Abend waren sich daher alle schnell einig: Die Welt braucht mehr dieser Tage – und 2013 machen wir daher einfach an genau dieser Stelle weiter…

 
5. November, 2012

eparo auf dem BCHH 2012

Schön war’s – für uns als Sponsor war das Barcamp Hamburg 2012 ein voller Erfolg: Mit zwei eigenen Sessions, tollem Feedback und vielen spannenden Themen im Raum „eparo“ war das diesjährige Barcamp aus unserer Sponsoren-Sicht eine vollauf gelungene Veranstaltung. Und klar: Das tolle Catering sowie das angenehme Umfeld in den Räumen von Otto haben das Ganze natürlich super eingerahmt. Nicht zuletzt daher ein großes Dankeschön an das Orga-Team!

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Irrationale User und besseres Interaction Design: Unsere eparo–Sessions
eparo war mit zwei eigenen Session am Start: Zum einem haben wir an einem konkreten
Fallbeispiel dargestellt, wie irrational User teilweise agieren – und wie wenig das in klassischen User Experience Analysen oder Tests teilweise berücksichtigt wird. Wer hingegen einmal weiß, das der absolut überwiegende Teil unserer Wahrnehmung unterbewusst erfolgt, der wird ganz sicher auch diese impliziten Beweggründe seiner Nutzer kennenlernen wollen.

In unserer zweiten Session hat Markus gezeigt, dass nicht nur das Visual Design relevant ist für die Kommunikation und Darstellung einer Marke. Die zentrale Einsicht in aller Kürze: Auch das Interaction Design zahlt auf die Markenbildung ein. Bisher allerdings ist die klassische Aufteilung immer noch eher die, dass die Grafik die Marke kommuniziert und die Interaktionen vor allem gut funktionieren sollen. Aus Markensicht wird damit ein ganz wesentliches Potential zur Markenbildung vernachlässigt.

Die Folien zu beiden Session findet Ihr auf unserem neuen Blog www.53nord.de sowie auf www.slideshare.com.

Vielfalt jenseits von reinem Programmier-Know-How
Thematisch war das Programm wie immer bunt gemischt. Schon großartig, wie immer wieder spontan ein entsprechend vielschichtiges Programm zustande kommt. Unserer Wahrnehmung nach gab es allerdings dieses Mal deutlich weniger Sessions zu „harten“ Entwickler-Themen. Auf der anderen Seite haben sich zahlreiche Beiträge mit Fragen des Selbst- und Projektmanagements befasst. Wie bereits in den vergangenen Jahren hat schließlich auch das Thema Social Media viel Raum bekommen.

In diesem Sinn: Wir freuen uns definitiv auf das kommende 7. Hamburger Barcamp in 2013.

 
1. November, 2012

Speed-Dating: Eindrücke vom eco-Verband in Köln

Der eco-Verband hat eingeladen – und alle sind gekommen. Wir auch… Hier ein kurzer, persönlicher Bericht zum eco-Nachmittag zum Oberthema „Erfolgsfaktoren für eine moderne Webseite“.

Responsive Design, Emotional Design und Conversions-Raten

Eingeladen hatte die Kompetenzgruppe Online Marketing (ein lustiger Name, übrigens), um über die Themen „Responsive Design“, „Emotional Usability“ und „Conversionrate-Optimierung“ zu sprechen.

Dabei hat es der Moderator/Organisator der Veranstaltung, Torsten Schwarz, geschafft, 16 Referenten in etwas über 4 Stunden unterzubringen. So ziemlich alle, die im Bereich User Experience und Conversion Optimierung aktiv sind, haben Kurzvorträge gehalten. Das war gut, denn so habe ich einige alte Bekannte getroffen. Viel Zeit zum Reden blieb allerdings nicht, da es nur eine Pause gab.

Design für das Unterbewusstsein

Ich habe wieder über mein derzeitiges Lieblingsthema gesprochen: „Konzeption und Design für das Unterbewusstsein“. Anders als gemeinhin immer noch angenommen agieren Nutzer nämlich keinesfalls per se rational.

Vielmehr folgen User Entscheidungsmechanismen, die ihnen ihr Unterbewusstsein diktiert. Diese Prinzipien zu kennen und zu berücksichtigen hilft, um Interfaces so zu bauen, dass sie Nutzer von vorne herein auf den richtigen Weg bringen.

Der Vortrag ist auf Slideshare zu finden (Vortrag „User haben keinen freien Willen“).

… weitere Denkanstöße

Sabrina Duda von Emotional Usability hat einen guten Überblick über die Rolle der Emotionen beim Interface Design gegeben. „Emotional Design kann den User bei eventuellen Problemen versöhnlich stimmen.“ Das sollte wohl jeder bei Design und Wording bedenken.

Jens-Christian Jansen von Pixelpark hat über die Rolle des Prototyping gesprochen. Allerdings hat er dabei noch ziemlich stark zwischen Prototypen fürs Grobe (Wireframes mit Axure) und echten HTML/CSS-Prototypen für Interaktion und Design unterschieden. Das sehe ich natürlich anders, da man ja mit Axure ziemlich gut und ziemlich leicht High-Fidelity Prototypen bauen kann.

„Remote Usability Tests“ wurden von Thomas Weber von Uinspect vorgestellt. Das ist zwar unschlagbar günstig, aber ich hatte den Eindruck, dass man zu wenig Einfluss auf die Auswahl der Probanden nehmen kann. Und mir würde auch die ungefilterte, direkte Beobachtung der Probanden fehlen. Aber wer weiss, für das schnelle Aufspüren von größeren Usability-Problemen mag es taugen…
 – allerdings lassen sich diese Probleme auch durch Experten-Analysen von Schreibtisch aus identifizieren!

Einen sehr schönen Vortrag hat André Morys von der Web Arts AG gehalten. Auch er hat im Prinzip auf die Bedeutung von unbewusstem Verhalten der hingewiesen und Beispiele aus dem Buch von Dan Ariely „Predictably Irrational“ zitiert. Am besten fand ich seine Testergebnisse zu grünen Häkchen: „Grüne Häkchen scheinen zu funktionieren, auch wenn man nichtssagende Texte reinschreibt.“

Die Cases von Ronald Hartwig von UID zu Responsive Design waren auch nicht schlecht. Sie haben meine Überzeugung gestützt, dass Responsive Design mehr sein muss als nur die automatisierte Änderung der Anzeige von Inhalten. Es geht vielmehr darum, zu entscheiden, welche Inhalte und Funktionen ich für welches Device/Display anbieten kann bzw. anbieten sollte.

… und eine zentrale Einsicht

Und auch insgesamt hat das  Thema Responsive Design für viel Ernüchterung gesorgt, denn es hat die ungemein stark gestiegene Komplexität beim User Experience Design deutlich gemacht. Der Konzeptions- und Designaufwand steigt schnell um den Faktor 3-4, wenn man seine Hausaufgaben richtig machen will.

Alles in allem eine interessante Veranstaltung.

…nur ein Date hat sich beim Speed-Dating nicht ergeben :-)