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27. Mai, 2013

Intuitivität ist planbar – wie optimale Interfaces entstehen

Intuitiv zu sein ist für Interfaces heute Pflicht. Aber was genau heißt das eigentlich? Und wie lässt sich Intuitivität erreichen? „Aus dem Bauch heraus“: Diesen Anspruch an die Bedienbarkeit von Geräten und Anwendungen hat Vorreiter Apple in den Köpfen der Masse verankert. Trifft das nicht zu, fällt das Todesurteil für jede Anwendung. Doch intuitive Interfaces entstehen nicht durch spontane Eingebungen. Sie sind das Ergebnis systematischer Konzeption und Gestaltung. Basis ist nicht das Bauchgefühl, sondern das unbewusste Vorwissen der User.

 

Intuitive Bedienung heißt: Explizites & implizites Vorwissen nutzen

Intuitive Bedienung heißt: Explizites & implizites Vorwissen nutzen

Intuitive Bedienbarkeit:
Optimales Zusammenspiel von System, Nutzer und Aufgabe

Anwendungen und Geräte ohne Einarbeitung bedienen zu können – das ist der Traum für jeden Nutzer. Doch die Intuitivität eines Systems fällt nicht vom Himmel. Und mehr noch: Genau genommen gibt es intuitive Interfaces gar nicht! Es gibt intuitiv bedienbare Systeme. Diese intuitive Bedienbarkeit muss aktiv geplant werden und ergibt sich aus dem optimalen Zusammenspiel zwischen dem System, seinem Nutzer und der zu bewältigenden Aufgabe.

Intuitivität planen:
User wenden unbewusst Vorwissen an

Intuitive Bedienbarkeit ist keine Bauch-, sondern eine Kopfsache. Spontan gefragt, wann Anwendungen „intuitiv“ sind, fallen natürlich jedem sofort Dinge ein wie „das System nutzen, ohne darüber nachzudenken“, das ein Interfaces sind „möglichst natürlich nutzen lassen muss“ oder eben, dass es „schnell und einfach bedienbar“ sein muss. Das alles ist auch nicht völlig falsch, geht aber dennoch klar am Kern der Sache vorbei. Denn: Intuitiv bedienbar sind Interfaces nicht auf Basis irgendwelcher Eigenschaften, sondern weil sie an bereits vorhandenes Wissen anknüpfen – und dieses ohne Umwege einsetzen.

„Ein technisches System ist im Rahmen einer Aufgabenstellung in dem Maße intuitiv benutzbar, in dem der jeweilige Benutzer durch unbewusste Anwendung von Vorwissen effektiv interagieren kann.“
Mohs/Hurtienne/Kindsmüller/Israel/Meyer, IUUI Research Group

Intuitivität gestalten:
Automatismen, Schemata und Metaphern erleichtern Bedienbarkeit

Wie gestaltet man Interfaces intuitiv? Oder eben genauer: Wie knüpft man für die Interface-Bedienung an Vorwissen an? Drei Merkmale sind entscheidend:

#1: Konsistenz schaffen
Konsistenz heiß: Wiederkehrende Bedienelemente, wie beispielsweise Buttons, bekommen immer dieselbe Position und Funktion. Ähnliches gilt auch für allgemeinere Gestaltungselemente wie etwa Farben: Hebt eine Farbe an einer Stelle den Call to Action hervor, sollte diese Farbe immer für den CtA stehen. So bilden sich schnell Automatismen und die Bedienung wird erleichtert.

#2: Image Schemata nutzen
Image Schemata sind Handlungs- und Wahrnehmungsmuster, die wir verinnerlicht haben und die unser Verhalten anleiten. Ein Beispiel ist das Schema Zentrum-Peripherie: Wichtige Dinge stehen mittag und die unwichtigeren eher am Rand.

#3: Metaphern einsetzen
Metaphern erlauben uns, die Eigenschaften eines Objekts auf ein zweites und neues Gebiet zu übertragen und erleichtern uns damit die Orientierung auf dem neuen Gebiet. Am bekanntesten ist hier wohl die Schreibtisch-Metapher, durch die eine klare Vorstellung davon entsteht, was der digitale Desktop kann.

Intuitive Interfaces:
Paradebeispiele für Neurodesign und Implicit UX

Interfaces sind erfolgreich, wenn sie Nutzer auch unterbewusst optimal ansprechen. Am Ende zielt daher fast jede Konzeption auf intuitive Bedienbarkeit. Dieses Ziel ist erreichbar, weil sich intuitive Interfaces planen und aktiv gestalten lassen. Die Nutzer dürfen dem System diesen Gestaltungsaufwand natürlich nicht anmerken. Erlebt wird aus Usersicht nur eins: Der völlig ungehinderte und eben auch implizit optimale Umgang mit dem System. Eine optimale Produkt- und Service-Experience.