eparo – Digital Service Design

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21. Juli, 2014

Rückblick: Erster „GovJam“ Hamburg – Wie Service Designer unsere Städte verbessern können

GovJam Sketch von Britta Ullrich

Trust – unter diesem Motto stand der erste GovJam in Hamburg Anfang Juni 2014. Die Aufgabe: In nur 48 Stunden sollten rund 20 Teilnehmer mit den Methoden des Design Thinking (DT) die öffentlichen Dienstleistungen der Großstadt Hamburg verbessern. eparo als Service Design Manufaktur durfte natürlich nicht fehlen. Gleich zwei Leute aus dem eparo-Team waren dabei. Unser Werkstudent Malte Lücken war begeistert und wollte unbedingt diesen Blogbeitrag schreiben. Malte erzählt, warum Hamburger einen flexiblen Reparatur-Service brauchen und wie Rentner Helmut mit seinem Repair-Mobil auf öffentlichen Plätzen zum Einsatz kommen könnte.

Global GovJam – offene Behördentüren für Service-Designer

Der GovJam Hamburg ist Teil eines weltweiten Projektes unter dem Namen Global GovJam.

Zusammen mit verschiedenen Städten erarbeiten die Teilnehmer eine neue Service-Idee, die von der Stadt weiterentwickelt werden kann. Daher steht das Gov in GovJam für Government. In diesem Jahr waren es 24 verschiedene Länder, die vom 03.06.14 – 05.06.14 gleichzeitig an Ideen zur Verbesserung des öffentlichen Raums arbeiteten.

Da wir das Projekt extrem spannend finden, nahmen Magi und ich am GovJam teil. In einer interdisziplinären Gruppe von rund 20 Teilnehmern versuchten wir die Probleme von Bürgern zu erkennen und lösende Serviceleistungen mit den Methoden des DT zu kreieren.

Ablauf eines GovJams

Illustrationen: Adrian Paulsen

Probleme der Stadt erkennen. Lösungen entwickeln

Dienstag: Abends trafen sich die Teilnehmer in den Räumlichkeiten der Xing AG, um gemeinsam Probleme des öffentlichen Raums zu finden und Teams zu bilden, die sich in den folgenden Tagen über mögliche Lösungskonzepte den Kopf zerbrechen würden. Wie kann man den Austausch von Wissen zwischen jungen und alten Menschen verbessern? Wie können wir die Entwicklung von Kreativität bei Schulkindern fördern? Meine Gruppe hatte die Aufgabe handwerkliche Arbeit wieder „sexy“ zu machen.

Mit Straßenumfragen Zielgruppen kennenlernen

Mittwoch: Morgens stand die Konkretisierung der Thematik auf dem Plan. Wir leiteten drei Fragen für eine  Benutzerbefragung unserer möglichen Zielgruppe ab und gingen dann für eine Stunde raus auf die Straße. „Was fällt Ihnen spontan zu dem Begriff Handwerk ein?“ oder „Haben Sie schon einmal selbst etwas repariert?“ – durch kurze offene Fragen versuchte meine Gruppe im Getümmel eines Radioballetts von 1000 Schülern aus 20 Hamburger Schulen (abendblatt.de/128715355) herauszufinden, ob handwerkliche Arbeit „sexy“ ist und wie die Hamburger mit Gegenständen umgehen, die kaputt gegangen sind.

Personas definieren: Der typische Hamburger hat keine Zeit – auch nicht für Reparaturen

Nach der Mittagspause analysierten wir unsere Umfragen. Schließlich hatten wir ein genaueres Bild unserer Zielgruppe, unsere so genannten Personas. Ergebnis: Hamburger würden durchaus selbst Geräte reparieren. Wenn die Bedingungen stimmen: Sie müssen wissen wie es geht, das richtige Equipment besitzen und am besten auch noch Zeit haben. Da dies selten vorkommt, werden gerade kleinere Geräte oft schnell weggeworfen. Besonders bei einer jüngeren Zielgruppe vom um die 20 Jahre kam noch der Punkt der Bequemlichkeit hinzu. „Bloß nicht zu weit weg gehen!“.

Die Idee: Der fahrende Handwerker Helmut und sein Repair-Mobil

Unter Berücksichtigung dieser Probleme folgte die Ideenfindung für einen möglichen Service. Nach mehreren Iterationen durch Diskussionen in unserer Gruppe und dem Feedback anderer Gruppenmitglieder war am Abend eine erste Idee greifbar. Zusätzlich zu den bekannten Repair Cafés (repaircafe.org/de/) überlegten wir uns einen mobilen Service. Unseren fahrenden Handwerker nannten wir Helmut, ein Rentner, der Spaß und das Know-how hat, mit anderen zusammen kaputte Geräte zu reparieren. Er fährt mit seinem Repair-Mobil zu verschiedenen belebten Punkten in der Stadt, um direkt vor Ort mit Anwohnern Geräte zu reparieren. Wem das immer noch zu weit weg ist, der kann ihn sogar zu einer Repair-Party bei sich zu Hause einladen. Einzige Voraussetzungen – es müssen mindestens 6 Leute mit kaputten Geräten kommen.

Der Prototyp aus Lego

Diese Idee wurde in den Morgenstunden des dritten Tages zu einem komprimierten Satz zusammengefasst.

Anschließend wurden Prototypen erstellt. Meine Gruppe entschied sich zum Testen einen Prototyp mit Lego zu bauen.

Mit diesem Prototyp erzählten wir mehreren Menschengruppen vor dem Gebäude der Kulturbehörde Hamburg von unserer Idee und herhielten viel positives Feedback.

Prototyp auf offener Straße testen

Fazit: Spaß trotz Zeitdruck

Am Nachmittag stellten alle Gruppen ihre Services vor und verließen den GovJam in der Hoffnung, dass die Ideen von der Stadt Hamburg gehört und umgesetzt werden.

Die drei Tage waren anstrengend, aber auch sehr inspirierend. Man konnte eine Menge neue Kontakte knüpfen und viele Methoden praktisch anwenden. Trotz des ständigen Zeitdrucks wurde viel gelacht und es hat insgesamt großen Spaß gemacht.

Aus diesem Grund wird eparo sicherlich auch das nächste Mal Hauptsponsor des GovJam Hamburg sein.

Wer mehr über den GovJam und die anderen Projekte erfahren möchte, findet unter folgender Adresse mehr Informationen: govjam.org.