eparo – Digital Service Design

Das Blog von eparo.de

9. Juli, 2020

Von skeptischen Eltern und reifenden Produkten

Was ist eigentlich die Produktreiferei?

Die Produktreiferei ist ein offener UX-Test für Start-ups, bei dem Leute zusehen und mitmachen können. Das Start-up bekommt einen kostenlosen UX-Test und jede Menge Feedback. Man kann nämlich gar nicht früh genug damit anfangen, seine Nutzer in die Produktentwicklung mit einzubeziehen und das wollen wir unterstützen.

Produktreiferei #6 mit dem Start-up pockid

Diese Runde waren die Jungs von pockid mit dabei, die eine Prepaid Mastercard für junge Leute entwickeln. Dass Teenager auf die Idee abfahren, ist wenig überraschend – aber überzeugt das Produkt auch die Eltern?

Wir wollten gemeinsam herauszufinden, was die Eltern über das Produkt denken und welche Informationen und Funktionen sie benötigen, um das Taschengeld ihrer Kinder im Blick zu behalten.

„Da wir selbst noch keine Kinder in dem Alter haben, ist es uns wichtig zu verstehen, wie Eltern auf pockid reagieren“, sagt Max, Mitgründer und CMO des Start-ups.

Komplett remote

Normalerweise treffen wir uns in unserem schönen Workshop-Raum auf St. Pauli, um Nutzertests durchzuführen und zu beobachten. Zurzeit bevorzugen wir aber noch ein remote Set-up für unsere Projekte. Deshalb haben wir die Gelegenheit genutzt, Lookback.io auszuprobieren, um pockids Prototypen zu testen.

Das hat ganz gut geklappt und wir konnten den iPhone-Bildschirm inklusive Gestenfeedback und Gesicht des Probanden aufzeichnen. Während der Tests haben wir den Eltern sowohl Screens der pockid Website als auch der App gezeigt, um ihre Meinung und Reaktion zu analysieren.

Danach sind wir am Montagabend via Zoom zusammengekommen und haben die aufgezeichneten Interviews gemeinsam beobachtet und ausgewertet.

Beobachtung des UX-Tests
Gemeinsame Auswertung in Miro

Viele Zuschauer = bessere Ergebnisse

Am 6. Juli 2020 haben neben den Teams von pockid und eparo auch externe Gäste bei der Produktreiferei mitgemacht, sei es aus Neugier oder weil es ihnen am Herzen liegt, Start-ups zu unterstützen. Mit dabei waren Designer, UX-ler, Produktentwickler, Studierende, Konzepter und andere.

Diese Kombination aus User Research (unsere Spezialität!) und dem Einfließen verschiedener Perspektiven hilft dem Start-up dabei, Abstand zu gewinnen und die eigene Produktidee mit frischem Blick zu betrachten. Und genau das macht die Produktreiferei so cool.

Caspar, freier User Experience Architect aus Berlin, brachte beispielsweise die Themen Vertrauen und Kommunikation zwischen Eltern und Kindern auf den Tisch, zwei essentielle Faktoren, um das Produkt erfolgreich zu machen.

Dank der tollen Mischung aus Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen konnte pockid so spannende Erkenntnisse und konkrete To Do’s für sich mitnehmen.

Teilnehmer vom 6. Juli

Virtuell, aber trotzdem persönlich

All unsere Beobachtungen und Erkenntnisse haben wir mit dem Whiteboard-Tool Miro festgehalten. Das hat wunderbar funktioniert, bis sich kurz vor Ende das gesamte Board zerschoss und wir nicht mehr damit arbeiten konnten. Vermutlich waren die Miro-Server überlastet, sobald der Arbeitstag der Amerikaner begann.

Trotz geforderter Improvisation war die Stimmung bis zum Schluss offen, konstruktiv und wertschätzend. Niemand war genervt, obwohl wir bereits mehrere Stunden konzentriert miteinander gearbeitet hatten, was mich sehr beeindruckt hat.

An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an alle, die mitgemacht haben, ihr seid klasse! :-)

Diejenigen, die diese Produktreiferei verpasst haben: Freut euch auf Runde #7 und meldet euch für den eparo Newsletter an, um zu erfahren, wann sie stattfindet. Start-ups, die sich bewerben möchten, finden nähere Infos unter www.eparo.de/produktreiferei.

 
14. April, 2020

Remote User Interviews: Diese Videokonferenz-Tools eignen sich am besten

Wenn du nicht möchtest, dass wertvolle User Insights verloren gehen oder deine Produktentwicklung in die falsche Richtung läuft, nur weil du deine Nutzer gerade nicht persönlich befragen kannst, bist du hier genau richtig. Wir zeigen dir nämlich, wie du deinen User Research trotzdem aufsetzen kannst.

Starte direkt durch

Damit du gleich loslegen kannst, ohne selbst 50 Videokonferenz-Tools auszuprobieren, schildern wir dir nachfolgend unser Lieblings-Set-Up und welche essentiellen Aspekte du beachten solltest, wenn du ein Videokonferenz-Tool auswählst. 

Am besten liest du dir Julias 7 Tipps für weltklasse remote Interviews durch, um zu verstehen, auf was es bei den Interviews wirklich ankommt.

Was muss das Videokonferenz-Tool können?

Inzwischen gibt es da draußen eine diverse Landschaft von Videokonferenz-Tools mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Um dir bei der Auswahl zu helfen, haben wir eine Liste mit essentiellen Kriterien erstellt, anhand derer du deine Bewertung vornehmen kannst. 

In unseren Augen zählen vor allem folgende Aspekte:

1. Umfang der Funktionen

Überlege dir, was du herausfinden und testen willst und prüfe, welche Funktionen du dafür brauchst. Möchtest du, dass der Proband seinen Bildschirm teilt oder über ein mobiles Endgerät am Interview teilnehmen kann? Willst du das Video aufzeichnen und wenn ja, welches Bild soll aufgezeichnet werden? Umgekehrt macht es keinen Sinn, ein wahnsinnig umfangreiches Tool zu wählen, wenn du eigentlich nur 2 Funktionen brauchst.

2. Handhabung

Na klar, als Produktentwickler oder UX-Mensch bist du digital affin. Aber sind das auch deine Interviewteilnehmer? Ein weiteres Entscheidungskriterium ist deshalb die Komplexität der Anwendung. Probiere es mit deiner Oma oder deinem Onkel aus, falls du dir unsicher bist. Oder wähle dich testweise selbst als Teilnehmer ein, um die Handhabung besser beurteilen zu können.

3. Kosten

Geld regiert die Welt. Zumindest spielt es eine Rolle, wenn es um die Anschaffung neuer Software-Lizenzen geht und verargumentiert werden muss, warum das kostenpflichtige Produkt denn nun besser ist als die Open Source Variante.

4. Installation

Nicht jeder Proband kann und möchte ein neues Programm auf seinem Laptop installieren. Bedenke außerdem, dass der Geschäftskunde, den du interviewen möchtest, eventuell keine Admin-Hoheit über seinen Arbeitsrechner hat. 

5. Account

Noch ein Passwort, dass sich der der Teilnehmer ausdenken und merken muss? Obwohl das Einloggen für manche mit Sicherheit assoziiert wird, ist es für viele doch eine Hemmschwelle. Videokonferenz-Tools, die keinen Account erfordern, haben einen großen Vorteil.

6. DSGVO-Konformität

Eine Grundvoraussetzung für alle, die das Videokonferenz-Tool weitreichend einsetzen (evtl. auch in der Zusammenarbeit mit Kunden) und gleichzeitig die Daten der Probanden und natürlich die eigenen schützen möchten.

7. Stabilität

Da virtuelle Interviews keinen Spaß machen, wenn man ständig “Hallo? Sind Sie noch da?” fragen muss, ist es in deinem Sinne, schlanke Tools zu benutzen, die wenig Bandbreite fressen und stabil laufen.

8. Vielseitigkeit 

Wenn du ein Videokonferenz-Tool gefunden hast, das für deine Zwecke funktioniert, ist das super. Wenn dieses Tool dann auch noch das Potenzial hat, an weiteren Stellen deiner Arbeit eingesetzt zu werden, umso besser. Damit meinen wir nicht, dass es 50 versteckte Features geben sollte, sondern dass du die Basis-Funktionen auch noch an anderer Stelle einsetzen kannst.

Unser Favorit: Zoom.us

Als erstes und am ausführlichsten möchten wir dir Zoom vorstellen, einfach deshalb, weil wir mit Zoom die umfangreichsten Erfahrungen gesammelt haben. Falls du Zoom nicht nutzen möchtest oder kannst, springe zu unserer Liste mit Alternativen.

Wir schnappen uns die Kriterien von oben und legen los:

Umfang der Funktionen

+ lokale Aufzeichnung durch den Host möglich

+ Proband kann seinen Bildschirm teilen (auch über mobiles Endgerät)

+ Fernsteuerung des Bildschirms des User Researcher möglich, Übergabe an Probanden

+ Moderatorenrolle

+ integrierter Chat

+ automatische Transkription möglich (allerdings nur beim Speichern in der Cloud)

+ bringt die richtige Menge an Funktionen für unseren Zweck mit

– Die Übergabe der Fernsteuerung funktioniert nicht, wenn der Proband mobil unterwegs ist.

– Der Proband kann sehen, wie viele Beobachter teilnehmen (weshalb wir die Übertragung lieber streamen per OBS).

– Da Zoom kein auf UX-Tests spezialisiertes Tool ist, fehlen weiterführende Funktionen wie sichtbares Gesten-Feedback oder die Integration zu Prototyping-Software.

Handhabung

+ intuitiv nutzbar, auch von Menschen, die Zoom das erste Mal benutzen

+ steht auf Deutsch zur Verfügung

– Seit Aktivierung des Passwortes und Warteraums benötigen Probanden etwas Vorlaufzeit, um sich in den Call einzuwählen.

Kosten

+ Für den Interviewteilnehmer ist Zoom kostenfrei.

+ Zoom bietet verschiedene Preis-Pläne an, darunter eine kostenlose Basisversion.

+ Das 40-Minuten-Limit gilt nur, wenn mehr als 2 Personen am Meeting teilnehmen und meistens führt man das Interview 1-to-1.

– Als Host mit einen Pro-Account kannst du die Meeting-Teilnehmer besser verwalten.

Installation

+ Am Desktop ist beides möglich: Der Proband kann sich Zoom installieren oder dem Meeting über den Einladungslink im Browser beitreten. Am besten eignet sich dafür Google Chrome. 

– Wenn der Proband sein Smartphone nutzen will, muss er sich zuvor die App herunterladen (es gibt Apps für iOS und Android).

Account

+ Der Proband muss sich vorher nicht registrieren, um dem Zoom-Meeting beizutreten. Das ist sehr praktisch. Nur als Host benötigst du ein Zoom-Konto. 

– Der Proband muss jedoch ein kurzes Passwort eingeben, um teilzunehmen.

Wenn du auf abbrechen klickst, öffnet sich das Zoom-Meeting im Browser.

DSGVO-Konformität

+ Zoom ist EU-US Privacy Shield zertifiziert 

+ Vereinbarung von Standardschutzklauseln (SCC)

+ Aufgezeichnete Interviews speichert Zoom nicht, solange du sie lokal ablegst. Anders verhält es sich logischerweise, wenn du deine Interviews in der Zoom-Cloud hochlädst.

– Zoom ist und bleibt ein amerikanischer Anbieter, der Metadaten wie IP-Adressen auf US-Servern speichern wird.

– In den letzten Wochen wurden mehrere Sicherheitslücken entdeckt und gepatched. Momentan verwendet Zoom alle Ressourcen darauf, die Sicherheit des Produkts zu erhöhen.

Stabilität

+ Zoom läuft sehr stabil auch bei einer weniger guten Internet-Leitung, vor allem im Vergleich zu anderen Videokonferenz-Tools.

+ Läuft auch bei großen Gruppen stabil.

Vielseitigkeit

+ Zoom ist ein Allrounder und besitzt viele weitere tolle Funktionen wie Break-out Sessions oder das Handheben, die für Gruppen-Meetings und Workshops interessant sind.

+ Wir benutzen Zoom nicht nur für die Interviews selbst, sondern auch für die anschließende Beobachtung und die Auswertung in Kombination mit dem Whiteboard-Tool Mural, was super funktioniert.

Solltest du jetzt Lust bekommen haben, ein Praxisbeispiel zu lesen, kann ich dir Peers Bericht über ein aktuelles und umfangreiches remote Research-Projekt empfehlen!

Welche Alternativen gibt es? Eine coole Übersicht

Falls du eine Alternative zu Zoom suchst, findest du hier unsere Übersicht über alternative Videokonferenz-Tools. Die Tabelle bietet dir die wichtigsten Vor- und Nachteile sowie eine Gesamtbewertung auf einen Blick.

Dabei bewerten wir die Tools vor allem in Hinsicht auf unsere Bedürfnisse, was unseren aktuellen Use Case – nämlich remote Interviews – angeht und stellt keine abschließende Bewertung dar.

Sollte dir das nicht genug sein, schaue in unserem Dropbox Paper vorbei. Das beinhaltet ausführlich aufgeschlüsselte Informationen für alle, die so richtig abnerden wollen :-)

Liste Videokonferenz-Tools

Bock auf eine vollständige Liste? Mach mit!

Dir fehlen Videokonferenz-Tools auf dieser Liste oder du wünschst dir eine NOCH detailliertere Übersicht? Wir auch :-)

Schau in unserem Dropbox Paper vorbei, das wir angelegt haben, um zusammen die ultimative Liste für User Researcher zu schaffen. 

Wir vermuten, dass uns bislang noch keine richtig gute Liste begegnet ist, weil niemand alle Alternativen selbst ausführlich getestet hat. Da das sehr zeitintensiv wäre und stetig neue Tools und Features hinzu kommen, freuen wir uns, wenn du uns dabei hilfst.

Im Zweifelsfall kennst du manche Tools viel besser als wir. Hinterlasse also gerne den einen oder anderen Stichpunkt im Dropbox Paper. Gemeinsam funktioniert es einfach besser. 

Teilt das Dokument mit allen, die es gebrauchen oder etwas beitragen könnten. 

Zusammengefasst

Bei deiner Auswahl solltest du grundsätzlich verschiedene Kriterien wie die benötigten Funktionen, Handhabung, Kosten, Account und Installation, Datenschutz, Stabilität und Vielseitigkeit beachten. 

Wenn du ein Tool für gelungene remote Interviews suchst, können wir dir Zoom wärmstens ans Herz legen. Zoom bietet eine super Mischung aus Funktionalität, Usability und Zuverlässigkeit. 

Wichtig ist, dass du neben dem richtigen Tool auch noch weitere Punkte in deinem Set-up berücksichtigst, wie beispielsweise einen kurzen Technik-Test vorab. Tipps dafür findest du hier.

Mehr davon

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Außerdem laden wir dich ein, deine Erfahrungen mit uns zu teilen! Schreibe uns dafür einfach an info@eparo.de oder hinterlasse uns hier einen Kommentar – wir freuen auf deinen Senf :-)

Neben diesem ganzen remote Kram freuen wir uns natürlich auch wieder auf “echte” Workshops mit Post-its-Kleben. Darauf haben wir uns mit einer Mega-Bestellung vorbereitet. Wie Julia diese auspackt, seht ihr unten im Timelapse-Video :-)