eparo – Digital Service Design

Das Blog von eparo.de

28. September, 2019

Working Products Meetup 25.09.: UX in agilen Projekten

blog:wp monthlyAm 25.09. fand das monatliche Working Products Meetup statt. Diesmal hatten wir Indra Burkart von eResult zu Gast. Sie hat von ihren Erfahrungen bei der Integration von UX in agile Projekte berichtet.

indra burkartIm wesentlichen ging es darum, regelmäßig User Feedback in die Projekte zu bekommen. Hierzu wurde einmal im Monat ein Interviewtag vorbereitet und durchgeführt, wo die Teams ihre Themen platzieren konnten. Diese Regelmäßigkeit hat Routine und Planbarkeit geschaffen und die Hürden für Nutzerbefragungen stark gesenkt. Vor allem hat es dazu geführt, dass die Teammitglieder ein besseres Nutzerverständnis entwickeln konnten.

Die Slides zu Indras Vortrag findet ihr hier: AgileUX

Uns hat Indra damit aus der Seele gesprochen. Genau dieses „User Insights in die Teams bringen ist ja auch unser Credo. Regelmäßigkeit und geringer Overhead sind hier die Schlüsselworte.

Nach Indras Vortrag gab es noch zwei Stunden intensive Diskussionen. Spannend waren die Einblicke in das SAFe-Framework, mit dem Konzerne versuchen, im großen Stil agil zu arbeiten. Per, der als Product Owner in einem SAFe Framework arbeitet, hat hier ein paar Details weitergegeben. Am interessantesten fand ich die riesigen Alignment Meeting mit mehreren Hundert Teilnehmern. Klingt verrückt, ist vermutlich aber durchaus effektiv, wenn man face-to-face mit Leuten reden kann, mit denen das eigene Projekt Schnittstellen hat. Zu SAFe sollten wir bei der nächsten Working Products Konferenz mal einen Beitrag mit aufnehmen.

 

 

 
12. September, 2019

WUD 2019: Vortragsauswahl

wud vortragsauswahl am 11.09.2019 Der Hamburger World Usability Day 2019 läuft irgendwie sehr rund in diesem Jahr. Das Programm ist noch nicht online und es gibt über 400 Anmeldungen. Wir werden uns überlegen müssen, was wir machen, wenn alle Plätze weg sind und am 14.11. noch jede Menge Leute unangemeldet kommen…

Auch der Call for Papers hat weit über 30 Einreichungen ergeben. Viele davon auf sehr hohem Niveau. Da wollten wir die Programmauswahl nicht alleine treffen und haben daher ein öffentliches Event geplant, damit die Community mit über das Programm entscheiden kann. Auch hier super Resonanz. 50 Anmeldungen, um punkte Punkte auf Vorträge zu kleben.

Gekommen sind dann, vermutlich wegen dem plötzlichen Starkregen um 18:00 Uhr, immerhin 30 Teilnehmer. Gut, dass es genug Getränke und Knabberzeug gab. Viele alte Bekannte, aber auch jede Menge neuer Gesichter.

Jeder bekam fünf Klebepunkte, die auf die Lieblingsvorträge zu verteilen waren. Dazu gab es viele Diskussionen und Debatten über die Einreichungen. Abends um 21:00 Uhr waren dann alle Punkte verteilt und es war ziemlich deutlich, welche Vorträge klar vorne lagen in der Publikumsgunst.

Das macht uns das Leben jetzt sehr leicht was die Programmgestaltung angeht. Nur noch mal durchschauen und die Reihenfolge festlegen. Eventuell noch ein/zwei Korrekturen, um z.B. den Frauenanteil zu erhöhen. Dazu gab es auch intensive Diskussionen, ob es denn überhaupt eine inoffizielle Frauenquote geben sollte. Ich finde, dass es wichtig ist. Frauen präsentieren anders als Männer (oft mehr auf die Zuhörer fokussiert und weniger auf die Selbstdarstellung…) – natürlich auch wieder ein Sterotyp, aber eins, welches zumindest durch meine subjektive Wahrnehmung bestätigt wird.

Anfang nächster Woche geht das Programm dann hoffentlich online.

Hier sind noch ein paar Bilder vom Event:

 
7. August, 2019

UX-Roundtable Kris Lohmann: Innovation im E-Commerce – mit Augmented Reality

blog-uxhh-innovation-Header mit textIm August hatten wir schon wieder den UX-Roundtable bei uns zu Gast. Diesmal mit Kris Lohmann, der über Innovation im eCommerce berichtet hat. Zum einen einen Überblick über Innovation im Allgemeinen und dann aber auch über den Einsatz von Augmented Reality. Es waren wieder eine Menge Leute dabei, die auch nach dem Vortrag noch lange diskutiert haben. Innovation ist ja auch nicht so einfach…

Ach ja, moderiert hat den Abend Kristina Zöllner. Wir haben uns gefreut, den UX-Roundtable wieder zu Gast zu haben. Hoffentlich bald wieder:-)

Hier sind noch ein Impressionen zum Abend:

 

 
2. Juli, 2019

UX-Roundtable Klaus Martin Meyer: Web-Analytics für UXler

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Am 01. Juli hatten wir nach längerer Zeit mal wieder den UX-Roundtable zu Gast bei uns. Diesmal mit Klaus-Martin Meyer und seinem Vortag „Web-Analytics für UXler“. Das Thema scheint einen Nerv getroffen zu haben. Die freien Plätze waren ruckzuck weg und die Hütte war voll.

Ist ja auch richtig so. Für gute UX ist es wichtig, alle Daten zu nutzen, die man findet. Analytics liefert ja jede Menge Erkenntnisse darüber, wie aktuelle Besucher die Website nutzen. Wo kommen sie her? Was machen sie? Wann gehen sie wieder?
Klaus-Martin hat das anschaulich mit Google Analytics erklärt und so vielen Teilnehmern die Scheu genommen, selber mit Analytics zu experimentieren.

Klaus ist seit ewig UX-/UI-Designer und arbeitet aktuell als UX-Consultant für monoki.

Die Slides zum Vortrag findet ihr auf Slideshare.

 

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18. November, 2017

Rückblick: World Usability Day 2017 in Hamburg

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Autorin: Christina Höhnen
Das Begrüßungsspiel
Am 9. November fand zum zwölften Mal der World Usability Day in Hamburg statt. Wie immer in Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) und organisiert von eparo. Neben den alljährlichen Themen der digitalen Produktentwicklung, User Experience und Usability ist “Inklusion” das Schwerpunktthema des diesjährigen #WUDHH.

Passend zum Überthema startet der WUD 2017 für die gut 500 Teilnehmer – Rekord! – mit einer spontanen Kennenlernrunde, in der sich UX-Designer, Entwickler und Projektmanager aus den unterschiedlichsten Unternehmen gegenüberstehen.

Inhalte sollen keine Einbahnstraße sein

Mit einem digitalen “Werkzeugkasten” betritt Webentwickler Jonas Jared Jacek als erster Speaker die Bühne des Forum Finkenau. Im Gepäck sind Basis-Tools und Leitlinien für Entwickler, die Menschen weltweit mit Beeinträchtigungen den Zutritt zum Internet erleichtern sollen. “Die Möglichkeit das Internet zu nutzen, unabhängig von Behinderung, ist ein wesentlicher Aspekt der Universalität des WWW”, lautet seine Grundthese. Dazu führt er die Zuhörer, nach einer kurzen Entstehungsgeschichte des Internets, in die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) ein.

Sie lassen sich im Wesentlichen auf vier Prinzipien zusammenfassen:

  1. Wahrnehmbarkeit
  2. Bedienbarkeit
  3. Verständlichkeit
  4. Robustheit

Dazu gehört neben deutlichen Kontrastwerten, skalierbaren Inhalten und Alternativtexten, vor allem die Multimodalität: “Inhalte sollen keine Einbahnstraße sein”, so Jacek. Sehbehinderte sollten alle Inhalte auch via Audio abspielen und Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen Videos mit Untertiteln anschauen können. Für Menschen, die an Lernschwächen wie Legasthenie leiden, empfehlen sich Inhalte in einfacher und leichter Sprache. Sie können auch für Menschen ohne Leseschwäche nützlich sein – zum Beispiel, wenn wenig Zeit zum Lesen bleibt.

Wie sich das Lesen für die drei Millionen Legastheniker in Deutschland anfühlt, wird Bettina Andresen später in ihrem Vortrag über inklusives Grafikdesign zeigen: Die Buchstaben springen wild umher. Die richtige Schriftart kann Abhilfe schaffen. Neben der altbewährten “Arial” hilft, die nach der Lernschwäche benannte “Dyslexie”, das “Springen” der Buchstaben zu reduzieren.


Außerdem sollte laut den WCAG eine Webseite allein mit der Tastatur bedienbar sein. Passend dazu werden parallel im Workshop von Vera Marie Rodewald “Bananen mit Katzen gesteuert” – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Teilnehmer sollen aus frei wählbaren Materialien Spielcontroller bauen. Wenige Stunden später wird Super Mario mit Fußpedalen aus Pappe, oder Kopfsteuerungen aus Alufolie und Eierkartons erfolgreich durch’s Kultgame navigiert.

Ist Deutschland ein Accessibility Champion?

Während Super Mario noch mit dem Sammeln von Sternen und Pilzen beschäftigt ist, zeigt nebenan das Team von eSailors in einem weiteren Workshop, wo die “Persona-Reise hingeht”. Das Thema wird in der Podiumsdiskussion “Innovation durch Inklusion” im Forum in Richtung Inklusion erweitert.“Spitze Zielgruppen und ‘Personas’ bedeuten, dass Anwendungen nur auf ein Prozent der Bevölkerung ausgelegt sind. Können wir uns das erlauben? Ich denke nicht”, so eröffnet Thorsten Wilhelm, eResult-Gründer die Runde. Mit den anderen Podiumsteilnehmern wird darüber diskutiert, wie Inhalte einem möglich breiten Spektrum zugänglich gemacht werden können und wie durch Inklusion innovative Techniken und Formate entstehen.

Podiumsdiskussion zu "Inklusion durch UX"

Während der Diskussion wird klar: Deutschland gehört noch nicht zu den Accessibility-Champions. Laut Jörg Morsbach von anatom5 seien die technischen Möglichkeiten schon da, nur der gesetzliche Druck fehle. Der könne jedoch Ende 2018 erwartet werden. Dann tritt die EU-Richtlinie 2102 auf Bundes- und Länderebene in Kraft. Das könnte neuen Schwung in die Sache bringen. Laut Brigitte Bornemann von BIT Design komme Inklusion oft nur voran, wenn jemand in den führenden Ebenen einen persönlichen Bezug zu dem Thema hat. Erleidet zum Beispiel nach einem Unfall die Frau eines CEOs bleibende Sehschäden, dann werden Ressourcen für inklusive Inhalte, der Erfahrung nach, schneller bereitgestellt.

Positive Entwicklungen gibt es aber bereits: Kirsten Bergmann von der Universität Bielefeld berichtet von Robotern, die mit autistischen Kinder interagieren. Autisten haben Probleme, Emotionen in der Sprache zu erkennen und sind oft überfordert. Die Roboter können Sprache regulieren und damit Kindern nach und nach menschliche Interaktion näherbringen.

Sprachassistenten werden immer menschlicher

Um sprechende Techniken geht es auch im Cellular-Workshop “What the Voice”. Dort konzipieren die Teilnehmer ihre eigenen “Siris” und “Alexas”. Wozu diese Sprachassistenten fähig sind, erklärt Dirk Platzek von Wunschfeld später im Ditze Hörsaal: Sie erwerben durch neue Algorithmen immer mehr menschliche Attribute und binden sich so intensiver an den Nutzer. Sprachassistenten scheinen eine Persönlichkeit und Humor zu haben, erkennen Familienmitglieder und sprechen sie gezielt an. Es sind in Zukunft noch weitere Fortschritte zu erwarten: Jede “Siri” könnte einzigartig werden, Kontext erkennen und fähig sein zu plaudern. “Nichts davon ist abwegig”, betont Platzek zum Ende.

Mittagspause: Freier Input, freie Brötchen

Gesundes FrühstückTrotz des freien Eintritts gab es – den Sponsoren sei Dank – in der Mittagspause belegte Brötchen, Gemüsesticks und Getränke. Hinter dem Catering stecken Auszubildene der Produktionsschule Altona. Dort lernen Jugendliche, die schulische Probleme hatten, ein Handwerk oder werden für die Gastronomie ausgebildet. Glaubt man meinem Geschmack und dem Teilnehmer-Lob auf der “Feedbackwall”, dann machen sie einen tollen Job.

Der Mensch gehört in den Fokus, nicht das Produkt

Nach der Pause stellt Speaker Marcel Semmler von Bauer Xcel Media  im Forum Finkenau die Frage: “Was passiert, wenn alle im Unternehmen eine gemeinsame Produkt-Denkweise haben?” Er plädiert für das “Shared product Mindset”, schließlich sei mittlerweile alles Teil des Produkts. “Shared mindset” steht dabei für eine gemeinsame Vision. Dazu brauche es mehr Transparenz, Verantwortung und Agilität. Vor allem sollen Defizite in der Kommunikationskette reduziert werden und der Nutzer im Fokus stehen.

Dieser Meinung ist auch Heiko Tullney von INDEED Innovation: “Es geht darum wie relevant ein Produkt für den Menschen ist”, erklärt er in seinem Vortrag im Ditze Hörsaal. Design sollte nicht auf das Produkt selbst, sondern auf den Anwender ausgelegt werden. Usability entstehe, wenn der Mensch beachtet wird. Wichtig seien der funktionale und emotionale Wert, sowie die soziale Komponente. Auch für Sonja Wettermann von der DIAS GmbH kann die Herausforderung der “menschlichen Vielfalt” zum Motor für ein besseres Design werden. Wer nach den Vorträgen noch Redebedarf hat, nutzt die 20 Minuten Zeit im “Speakers Corner”, um persönliche in Kontakt mit dem Vortragenden zu treten.

Neue Plattformen für inklusive Zusammenarbeit

Mit Kommunikationsbedarf kennt sich auch Jan Persiel von Designstudio Persiel  bestens aus: In seinem Vortrag im Ditze Hörsaal beschreibt er die harte Realität, die nach einem euphorisch gewonnenen Projekt-Pitch eintritt. Es geht um den typischen “Struggle” zwischen Designer, Entwickler, Datenschützer und dem lieben Kunden. Ein Kampf um Farbpaletten, Budget, Bildrechten und Timing – und das dargestellt mit einer gehörigen Portion Glitzer und Einhorn-Content. Dadurch wird er zum “Folien-Liebling” des WUD 2017.

Damit Projekte nicht wie in Jan Persiels Vortrag in der “Hölle” landen, hat er folgende Tipps parat. Unter den Protagonisten soll für Verständnis untereinander gesorgt werden. “Gebt auch ruhig mal mehr Feedback” ermutigt er. Ein weiteres wichtiges Tool sind laut ihm “Pattern Libaries”. Das sind gemeinsame Sammelstellen für Design und Entwicklung, bei denen jeder leicht Zugang auf den aktuellen Arbeitsstand und Formate für ein lebendiges Arbeiten hat. Eine weitere Ansage Persiels: ”Raus aus der Komfortzone und rein in den Browser.”, sprich das Layout dort ansehen, wo es am Ende für den User funktionieren muss und nicht in der eigenen Bearbeitungssoftware. Der Nutzer soll im Fokus stehen, deswegen ist es umso wichtiger zu sehen, wie die Inhalte auf Desktop und mobilen Endgeräten nutzbar sind.

Auch Speaker-Nachfolger Max Schneider-Ludorff von Interone ist der Meinung, dass Entwickler und Designer unbedingt auf einer Plattform zusammenfinden sollten, um Frust, Wildwuchs und unnötige Doppelarbeit zu verhindern. In seinem Vortrag an gleicher Stelle stellt er Plattformen wie “Zeplin” dar, auf denen Entwickler Vorlagen der Designer selbstständig in beliebigem Dateiformat herunterladen können. Der Designer kann sich dagegen ohne Nachfragen den CSS-Quellcode bestimmter Elemente ziehen – so entstehen Transparenz und Effizienz.

Product Discovery Workshop von Otto
Transparenter sollte auch die Webseite der HAW Hamburg gestaltet werden – vor allem für ausländische Studenten, die dort studieren möchten. Teilnehmer des Otto-Workshops “Product Discovery Methoden” stellen ihre Verbesserungsvorschläge im wohl schönsten Konferenzraum der Hochschule vor.

Währenddessen will das Team von INDEED Innovation im Workshop ”Design for the poorest communities” den Spirit von Walt Disney wiederbeleben. Mit der Disney-Methode sollen Ideen entstehen, die Gleichberechtigung schaffen – und zwar für diejenigen, die sonst in der digitalen Revolution auf der Strecke bleiben. Die Teilnehmer werden in der Findung so zu Träumern, Realisten und Kritikern. Eine vielversprechende Denkweise, die einigen sicherlich auch zukünftig bei der ein oder anderen Problemstellung helfen wird.

Der WUD Hamburg neigt sich dem Ende und die Teilnehmer stoßen mit den Speakern, Veranstaltern und Sponsoren bei Bier und Wein auf einen gelungenen WUD 2017 an. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Trotz der Bemühungen von eparo konnten nur wenige weibliche Speaker gewonnen werden. Auch diese Gleichstellung gehört zur Inklusion und zeigt, dass noch ein Stück Arbeit vor uns liegt. Nichtsdestotrotz bleibt ein Tag voller Input, bei dem die größte Erkenntnis eine gemeinsame ist: Wir müssen alle an einem Strang ziehen, eine gemeinsame Vision verfolgen und uns in die Perspektive von anderen hineinversetzen. Nur so kann etwas entstehen, bei der niemand auf der Strecke bleibt.

 

 
25. August, 2017

Rückblick auf die Working Products 2017

blog header- working products 17 reviewUm nicht selber über unsere eigene Konferenz zu berichten, haben wir Susanne Kreuz, eine befreundete UX-Designerin, zur Working Products eingeladen und sie gebeten, einen persönlichen Erfahrungsbericht zur Working Products zu schreiben. Hier ist er:

Susanne Kreuz berichtet von der Working Products 2017

Produktmanager (fast) unter sich

Die Aufgaben und Probleme, mit denen sich Product Owner, Product Manager und Product Designer, digitale Strategen und externe Berater herumschlagen, sind gar nicht so sehr verschieden: Sind wir doch alle für die Entwicklung und Betreuung digitaler Produkte und Services verantwortlich – bestenfalls! Wie die weiteren Diskussionen und Gespräche bestätigen, stoßen wir dabei oft an dieselben Grenzen und Widerstände: innerhalb und außerhalb von Projekten und Teams genauso wie in der Zusammenarbeit mit dem Management. Trotz fundiertem Know-How und schicker Zertifizierungen will das mit der Digitalisierung einfach nicht so richtig funktionieren.

Working Products 2017Was ist also unser Problem? Das herauszufinden und gemeinsam mit den Teilnehmern passende Lösungen zu entwickeln, hat sich Rolf auf die Fahnen der Working Products geschrieben. Gleich vorneweg gesagt: Es gibt sie noch, die guten Konferenzen! Die Konferenzperle im Norden ist ein Leuchtturm für alle, die sich mit digitaler Produktentwicklung beschäftigen. Die Teilnehmer können sich zwischen zwei parallelen Tracks entscheiden, wobei es einerseits um „softe“ Themen wie Produkt- und Kundenkultur im Unternehmen und neue Formen der Organisation und Zusammenarbeit geht. Auf der anderen Seite werden die dazu passenden Methoden und Prozesse vorgestellt. Da ich mich nicht zweiteilen kann, habe ich mir die Vorträge rund um Methoden und Prozesse angesehen und kann darüber jetzt berichten

AGILIEN ODER: IN WELCHER WELT ARBEITEN WIR EIGENTLICH?

„Agil ist nie im ganzen Unternehmen angekommen“, behauptet Christian Becker. In seinem Vortrag Management versus Produkt geht Christian hart mit „denen da oben“ ins Gericht. Und vergleicht ein agil und lean aufgestelltes Entwicklungsteam mit dem kleinen gallischen Dorf, in dem Asterix und Obelix unbeirrt die Stellung halten. Denn in der Realität werde Lean PM nur als schöne Fassade implementiert, da sei aber nichts dahinter. MVPs werden als outdatet abgewunken, wurden aber nie richtig verstanden. Schuld an allem sei das Produktmangement, das angeblich Wissenslücken habe und Erwartungen nicht erfülle – das behaupten zumindest Management und Geschäftsführung. 90 % aller Probleme liegen zwischen PM und Management, kontert Christian selbstbewusst. Das Management habe ein Missverständnis, was agil eigentlich bedeute. Aufklärung tut also Not, und so leitet Christian mittlerweile sein eigenes Unternehmen leanproductable.

Christian BeckerIn seinen Projekten geht es dabei um die Kernfrage: „Warum wollen wir wie arbeiten?“ Eine allgemeine Antwort gibt es nicht, und jedes Unternehmen ist angehalten, sich eine individuelle Vorgehensweise zu erarbeiten. Als Methode seiner Wahl stellt Christian uns den Strategy Brief vor. Dabei orientiert er sich an The Art of Action, dem Buch des strategischen Managementberaters Stephen Bungay. Ein Workshop über 3-4 Stunden sollte ausreichen, um gemeinsam die folgenden Fragen zu beantworten:
1. Context: Warum mache ich das jetzt?
2. My intent: Was wollen wir erreichen und wie messen wir das?
3. Higher intent: Wie passt das zur Unternehmensstrategie?
4. Key tasks: Was muss ich grob tun und mit welchen Ressourcen?
5. Boundaries: Welche Rahmenbedingungen muss ich beachten?
Wer es nach einem Vortrag noch etwas genauer wissen möchte, kommt einfach in die Speaker‘s Corner: Für 30 Minuten kann man direkt beim Redner nachhaken. Oder spontan eigene Erfahrungen teilen, egal ob positive oder negative. So schütten einige Besucher ganz unbefangen ihr Herz aus, und aus den individuellen Pain Points entwickeln sich schnell intensive Gespräche: Was tun, wenn die Strategie des Unternehmens einzig darin besteht, den Umsatz zu steigern? Wenn wegen lauter neuen Features keine Zeit zur Bestandspflege bleibt? Wenn Produkte aus der analogen Welt in eine mobile App gepresst werden, aber die digitale Welt offensichtlich anders funktioniert? Probleme mit der Organisation, dem Chef und Kollegen lassen auf Augenhöhe leichter äußern als mit dem Mikro vor dem versammelten Publikum. Zudem ist in der kleinen Runde die Trennung zwischen „der da vorne = allwissend“ und „die Zuhörer = unwissend“ weitgehend aufgehoben.

ESSEN IST SILBER, REDEN IST GOLD

Auf den ersten Blick könnte man meinen, das Format von 2 x 3 parallelen Vorträgen verteilt auf 2 Tage sei ein bisschen wenig für‘s liebe Geld (das Ticket kostet 540 €). Sind die Pausen dagegen nicht zu reichlich? Und an den Nachmittagen soll man auch noch selbst aktiv werden… Egal, wenn mich ein Thema gerade nicht interessiert, geselle ich mich ans Buffet.

Dort finde ich immer super leckere Nervennahrung, von Brownies bis Obst, und – ganz große klasse – auch eine Auswahl für Vegetarier, Veganer und Allergiker. Ich gebe zu, das gemeinsame Frühstücken am morgen, das ausgiebige Mittagessen und das Grillen am Abend nach einer ziemlich verfressene Angelegenheit klingt. Doch wer schon mal in einer WG gewohnt und die Küche als das Zentrum der Kommunikation schätzen gelernt hat, weiß um die soziale Rolle das Essen auf Konferenzen. Während ihr lest, komme ich ganz locker mit meinen Nachbarn ins Gespräch. Und lerne Sabrina und Annabell kennen, Trainees bei Burda Direct, die extra aus Offenburg und München angereist sind, alle Achtung!

WAS IST EIGENTLICH DER AUFTRAG?

Zurück zum offiziellen Programm. Die Zauberformel, die ich im Laufe der Konferenz noch öfter höre, lautet Autonomy through Alignement. Marc Kadish, Director Product bei Xing, wird die zugehörige Methode Auftragsklärung am Freitag vorstellen. Doch so lange will das werte Publikum nicht warten. Gut, dass es die Open Sessions am Nachmittag gibt.

SessionplanungIn der großen Runde sammeln wir Vorschläge und spendieren dem Thema eine eigene Sitzung. Sieben weitere schaffen es aufs Whiteboard, von der „Innovation im Bestandsprodukt“ bis zu „Neuen Services für autonome Fahrzeuge“. Nicht alle Themen finden später den zuvor erklärten Anklang. Auch mein Vorschlag „Freelancer im Konzern“ fällt mangels Publikum aus, aber das macht nichts. Ich nutze die Gelegenheit und lausche erneut Christian, der uns den von Xing adaptierten „Canvas for collaborative alignement“ erklärt. Wir füllen unser Template mit einem praktischen Beispiel „PayPal als neue Zahlungsart im Online-Shop einführen“. Im Team schreiben wir Aussagen auf Post-Its und kleben sie aufs Flipchart; diskutieren, verwerfen und hinterfragen, bis alles richtig zusammen passt. Unser Gemeinschaftswerk dokumentiert und kommuniziert Entscheidungen auf Papier und lässt sich bei Bedarf anpassen. Und das abgestimmte Ergebnis kann ich für alle sichtbar an der Wand platzieren. Toll, dass die großzügige Planung der Konferenz genug Zeit und Raum zum Lernen lässt, der im Alltag meist fehlt.

BRAUCHEN WIR EINE SCHOCKTHERAPIE?

Kurz darauf finde ich mich in der Session von Jutta, Digitale Strategien und Konzepte. Wir sind beide Freelancer und ich überlege, ob ich ihre Job-Bezeichnung übernehmen sollte. Werde ich doch laufend mit unpassenden Anfragen überhäuft: von UI Design über Werbebanner-Gestaltung bis Frontend-Entwicklung. Doch auch Jutta hat sichtlich Probleme damit, was ihre Auftraggeber unter Human Centered Design verstehen: Mal wird der Kontakt mit den eigenen Kunden verboten, mal legt das Management die vermeintlich fertige Konzeption vor. So lautet ihre Frage in die Runde: „Was tun, wenn es im Projekt kein gemeinsames Mindset in Sachen Nutzerzentrierung gibt?“ Benno, ebenfalls Freelancer, bringt das Manko unseres Tuns auf den Punkt: „Konzeption ist nunmal unsichtbar“. Das Standing im Team hänge auch immer davon ob, ob der Fachbereich oder die Geschäftsführung ihn beauftrage. Manche Kunden lassen sich nicht so einfach mit Argumenten überzeugen. Und was dann? Auch Dirk, freier Digital Consultant, kennt das Problem: „Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft oft eine riesige Lücke. Dann bin ich froh, wenn ich wenigstens einige Aspekte umsetzen und mich der idealen Welt annähern kann.“ Schon um der eigenen Gesundheit willen empfiehlt es sich, nicht gleich zu resignieren. Bleiben wir also optimistisch und lenken den Blick auf das Positive.
Arbeit in der SessionInteressant wird es, als sich Iris zu Wort meldet. Sie verantwortet das Marketing und spricht aus Sicht der Auftraggeber: „Ja, wir haben ein Problem, sonst hätten wir uns keine Agentur geholt. Doch dann kommt das schreckliche Gefühl: Alles was wir bisher gemacht haben, ist falsch!“ Da müsse man auf Kundenseite erst mal seinen emotionalen Schock überwinden. Nicht jeder sieht in Kritik sofort eine Chance auf Neubeginn, da sind Empathie und Einfühlungsvermögen gefragt. Stimmt, denke ich – auch als Externe muss ich in jedem neuen Projekt meinen Realitätsschock überwinden: Ausloten, was machbar ist, annehmen oder absagen, bleiben oder gehen. Ich nehme mir vor, beim nächsten Mal Rolf’s Vorschlag zu beherzigen: „Manchmal kommt in einem Projekt der Punkt, da muss ich als Dienstleister klar machen: So kann ich nicht weiter arbeiten! Dann hört man mir auch wieder zu.“

WAS SOLL ICH BLOSS ANZIEHEN?

Am Vortragspult steht Heide Peuckert, „Mutter aller Produkte“ und Head of Product der Njiuko GmbH. Die einzige Frau unter den insgesamt 12 Rednern trägt einen bunt gemusterten Jumpsuit. Und erzählt, dass sie von den Herren der Old Economy ernster genommen wird, wenn sie dem Klischee der „freakigen Kreativen im schrillem Outfit“ entspricht. Am nächsten Tag trägt sie lockere Streetwear im corporate Design. Die „Frau im Hoodie“ steuert in der Software-Agentur die Web- und Mobile-App-Entwicklung. Als Kapitän eines Piratenschiffes steuert sie ihr Team an der Schnittstelle zwischen UX, Technik und Business. Als Product Owner adoptiert sie die Produkte ihrer Kunden, erstellt User Stories und vertritt die späteren Anwender. Auf Kundenseite steht ihr ein Projektmanager gegenüber, der den Business Input liefert. Heide verkauft ihm Sprints anstatt Features, und überlässt die Diskussion übers Budget ihrem Chef.
Björn-Torge SchulzDass der Dresscode auch auf Konferenzen wichtig ist, erfahre ich später von Benjamin: „Ich bin sehr froh, hier nicht im Anzug herumlaufen zu müssen!“ erzählt mir der Geschäftsführer aus Berlin. „Männer haben ja nicht so die Bandbreite an Klamotten: entweder Hemd und Hose, oder Jeans und T-Shirt.“ Meine Nachbarin im Hemdblusenkleid stimmt zu: nicht zu formal, aber auch nicht zu leger sollte es sein. Und trotzdem partytauglich, denn unser Abend klingt trotz Regenschauer gemütlich aus, mit Grillen im Hof und Musik vom DJ.

WANN IST DAS FERTIG?

Doch zurück zum Wetterbericht. „Wir schätzen heute mal nicht“, empfiehlt Mathias Schröder, Agile Coach beim Logistikunternehmer Kühne und Nagel. Sein Ziel ist es, uns den Zungenbrecher Probabilistisches Forecasting näher zu bringen. Schließlich lautet die zentrale Frage in jedem Produkt: „Wann ist das fertig?“ Weil es heutzutage in der Produktentwicklung genauso komplex und dynamisch wie beim Wetter zugeht, kann niemand eine absolut richtige Antwort geben. Deshalb schlägt Matthias vor, lieber mit Wahrscheinlichkeiten zu arbeiten. Dazu müssen wir aber erst einmal Daten sammeln, um Zeitaufwand und Kosten zu schätzen. Logisch: Je weiter wir in die Zukunft blicken, desto ungenauer wird unsere Vorhersage. Ich staune über Monte-Carlo-Simulationen und Skeddar-Plots, die Daten aus der Entwicklung aufbereiten. Für mich als Freelancer ist die Methode nur bedingt geeignet.

ALLES NUR EIN SPIEL?

Bevor die Konferenz zu Ende geht, will ich unbedingt noch das Project Manager Game ausprobieren. Meine Spielfigur ist eine blonde Projektmanagerin mit Brille. Um zu überleben, muss ich zahlreichen Kollegen aus Entwicklung, Management, Marketing und Design ausweichen. Immer schneller tauchen neue Figuren auf dem Bildschirm auf. Es braucht meine ganze Aufmerksamkeit, damit wir nicht unsanft zusammen stoßen – ganz wie im echten Projekt :-)

Productmanager-Game Ich staune nicht schlecht, denn Malte hat das Spiel in dem Prototyping-Tool Axure programmiert hat. „Das kannst Du theoretisch auch, Du warst doch in unserer Schulung!“ grinst er mich an. Stimmt, denn im Grunde ist das Game nichts anderes als ein interaktiver Klick-Dummy! Das Geheimnis liegt darin, den Elementen auf verschiedenen Layern bestimmte Ereignisse und Aktionen zuzuweisen.
Ich überlege gerade, welche Widgets Malte wohl verwendet hat, als ich mich ein Zuschauer anspricht: „Sag mal, was machen die von eparo eigentlich sonst noch?“ Wenn das mal nicht für die vornehme Zurückhaltung des Veranstalters spricht, die Konferenz nicht zur Eigenwerbung zu missbrauchen! Andererseits ist es mal wieder an der Zeit, eine Lanze für qualitatives User Testing in Zeiten von Analytics und datengetriebener Produktentwicklung zu brechen. „Data driven ist nicht gleich Data Informed“, hatte uns Marc Kadish, Director Product bei Xing, am Vormittag mit auf den Weg gegeben. Und eingebläut, dass der Mensch zwar aus Erfahrungen lerne, aber nicht sicher sein kann, ob seine Erkenntnisse auch in der Zukunft funktionieren. Und dagegen hilft nur: Hypothesen formulieren, Experiment aufsetzen und validieren, Ergebnis messen und bewerten! Und zwar am besten im Team, denn das hat die größte Kompetenz, um eine Lösung zu finden.

Mit vielen neuen Methoden und einem Glückskraut im Gepäck mache ich mich nach zwei langen Tagen auf den Heimweg. Und überlege mir, wie ich die vielen Anregungen, praktischen Tipps und strukturierten Vorgehensweisen am besten in meinen Projektalltag integriere. Eins ist sicher: Der digitale Wandel wird nur funktionieren, wenn wir über Team- und Abteilungsgrenzen auf Augenhöhe zusammen arbeiten, mit einer handfesten Strategie, und in einer offenen und vertrauensvollen Kultur.

working products 2017Herzlichen Dank an alle Teilnehmer und Redner, die mit bestem Beispiel voran gegangen sind! Und besonders an Rolf und das Organisationsteam, die stets mit einem offenen Ohr auf die Bedürfnisse der Besucher eingehen und zeigen, dass schon kleine Veränderungen am Setting positiv wirken und Teilnehmer glücklich machen. Psst, nicht weiter sagen: Hamburg und die Working Products sind unbedingt eine Reise wert!

Hier noch ein paar Zitate von den Teilnehmern:

„Habe Denkanstösse für ein nutzerzentriertes Mindset bekommen“
„Habe große Lust, am Montag wieder ins Büro zu gehen, die vielen Anstösse im Arbeitsalltag gleich auszuprobieren!“
„Gute Community, tolle Atmosphäre, familiär““
„Genug Zeit für Begegnungen und gemeinsames Abhängen“
„Für mich als Hamburger ein Heimspiel, sehe Freunde, fast ein Klassentreffen“
„Schonungslose Darstellung, viel Respekt und Selbstreflexion“
„Praktische Informationen aus der Praxis!“
„Schätze sehr den Austausch über den Tellerrand, sonst spricht man ja nur mit internen Kollegen“
„Nicht zu groß, man kommt quasi mal mit jedem ins Gespräch!“
„Auf große Konferenzen gehe ich nur noch mit Kollegen, sonst steht man da allein und einsam rum, schrecklich…“
„Das offene Konferenz-Format wird sich durchsetzen, passt ja auch zu Lean!“

Alle Fotos ©Beata Lange

 
20. September, 2016

eparo goes Holacracy: Teil 4 – Der Kick-off

eparo goes Holacracy
Teil 1 – So fängt es an
Teil 2 – Die Suche nach dem Holacracy Coach
Teil 3 – Rollenfindung
Teil 4 – Der Kick-off

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Vorbereitung

Während ich die Rollen vorbereitet habe, haben Chris und Andrea den Holacracy-Kick-off vorbereitet. Zum Start müssen ja die Rahmenbedingungen alle stehen, damit wir auch arbeiten können.

Holacracy Constitution

holacracy-kick-off-constitutionIn Holacracy sind ja in der „Constitution“ alle Entscheidungsprozesse und Abläufe bis ins Kleinste geregelt. Von der Wahl des Secretary bis zum Einladen von Gästen in ein Tactical Meeting. Um also mit Holacracy arbeiten zu können, muss jeder Mitspieler die Regeln kennen. Wie beim Fußball.
Wir haben daher die Constitution für jeden Kollegen einmal ausgedruckt und als Buch binden lassen.

Meeting Cards

holacracy-kick-off-tactical-meetingEin Herzstück von Holacracy sind die Governance und Tactical Meetings. Auch hierfür gibt es (kaum verwunderlich) ganz strikte Regeln, die man kennen muss, damit die Meetings funktionieren.
Es gibt hier sehr praktische Meeting Cards, wo die wichtigsten Regeln auf einer DIN A5 Pappkarte gut verständlich zusammengefasst sind.
Diese Meeting Cards haben wir auch gedruckt.

Rollen zum Anfassen

rollenkartenWir pflegen ja alle Rollen in Asana, indem wir Rollen als Tasks abbilden. Das funktioniert ganz gut, aber der gute Gesamtüberblick über Rollen und Kreise geht dabei verloren. Das kann Glasfrog (das „offizielle“ Holacracy-Tool von HolacracyOne) besser.
Da wir unsere Holacracy-Struktur möglichst anfassbar und haptisch darstellen wollen, haben wir uns überlegt, alle Rollen auf kleine Magnetkarten zu drucken und die auf ein großes, rollbares Whiteboard zu packen.
Also haben Andrea und Chris für alle Rollen die Magnetkarten vorbereitet. Sieht richtig gut aus. Die Namen der Rollen sind gedruckt, die Rolleninhaber schreiben wir mit Whiteboard-Markern auf die Karten. Dann kann man den Rolleninhaber leichter ändern. Holacracy lebt ja von der konstanten Änderung…

Kick-off Workshop

Zum Kick-off haben wir wieder Bernd als Coach und Moderator eingeladen. Das war auch ganz wichtig, da die Unsicherheiten bezüglich der Holacracy-Regeln schon noch recht groß ist.
Bernd hat daher erst mal eine kleine Holacracy-Wiederholung gemacht.

Vorstellung der Rollen

Am Whiteboard haben wir dann alle Rollen vorgestellt und die initiale Zuordnung erklärt. Hier gab es etwas Verwirrung, weil einige Kollegen dachten, dass sie sich ihre Rollen selber aussuchen können. Aber da sieht Holacracy eben vor, dass die erste Rollendefinition und die Festlegung der initialen Kreise vom Lead Link des Anchor Circle gemacht wird.
Erst nach dem Kick-off greifen dann die Holacracy-Regeln für die Governance der Strukturen und Rollen.
Faktisch war mit der Vorstellung der Rollen und Kreise Holacracy eingeführt.
Ab jetzt kann ich nur noch im Rahmen meiner Rollen Entscheidungen treffen. Sehr merkwürdiges Gefühl.

Das erste Governance-Meeting

Wir sind dann direkt ins kalte Wasser gesprungen – mit Bernd als Rettungsschwimmer – und haben unser erstes Governance-Meeting abgehalten.
Hierfür waren die Meeting-Karten sehr praktisch. Angefangen haben wir mit der Wahl von Facilitator und Secretary, streng nach Holacracy-Regeln.
Dann ging es gleich mit dem Sammeln von Tensions weiter. Hier wurde schnell klar, wie wichtig die klare Unterscheidung von operativen Tensions (die gehören nämlich ins Tactical-Meeting) und strukturellen Tensions ist.
Nächstes Learning: Ein guter Facilitator ist wichtig. Und zwar als Abbrecher von Diskussionen :-)
Gerade beim Governance-Meeting sind die Regeln für das Abarbeiten von Tensions ja super strikt. Damit hatten wir alle ziemliche Probleme:

  • Tensions sammeln: Was ist eigentlich eine Tension? Die Frage musste Bernd als Erstes klären. Ganz wichtig dabei: Tensions sind nichts Negatives. Im Gegenteil, eine Tension ist im Prinzip nur der Anlass für eine Verbesserung. Nach dieser Einleitung kamen auch gleich reihenweise Tensions auf die Liste. Nur als Stichpunkte für die Agenda. Hier musste Bernd dann auch gleich wieder eingreifen, wenn ein Tension-Geber anfing, seine Tension im Detail zu beschreiben. „Nur ein Stichwort, damit du gleich noch weisst, was deine Tension ist.“
    Hier muss der Secretary auf Asana Klavier spielen, da jede Tension direkt als Task dokumentiert wird.
  • Tensions der Reihe nach abarbeiten: Jetzt ging es der Reihe nach durch jede Tension. Der Secretary hat ja alle Tensions in Asana aufgenommen und kann sie jetzt einzeln „aufrufen“.
    Der Tension-Geber stellt seine Tension vor und idealerweise auch seinen Lösungsvorschlag. Hier kam dann wieder sofort unsere Unwissenheit zum Vorschein. Eigentlich waren alle Tensions eher operativ und hätten daher nicht ins Governance-Meeting gehört, sondern ins Tactical-Meeting. Gleich was gelernt :-)
  • Klärungsrunde: Nach der Vorstellung der Tension konnte jetzt jeder noch klärende Fragen stellen. Klingt einfach, aber man rutscht sehr schnell von reiner Klärung in Kritik oder Verbesserungsvorschläge. Hier musste Bernd dauernd eingreifen. Ganz wichtig, sonst ist man sofort wieder in der üblichen Diskussionsrunde und wird nie fertig.
  • Anmerkungsrunde: Jetzt darf jeder seine Meinung zur Tension und dem Lösungsvorschlag sagen. Alle haben hier den Tension-Geber direkt angesprochen und wollten – na was wohl – diskutieren. Wieder war Bernd gefragt. Diesmal mit „Der Tension-Geber antwortet nicht. Am besten adressiert ihr ihn auch garnicht, sondern sagt einfach nur, was euch zu dem Proposal einfällt.“
  • Antwort des Tension-Gebers: Das war der einfachste Teil. Der Tension-Geber kann noch mal etwas klarstellen oder einfach bei seinem Vorschlag bleiben.
  • Einwandrunde: Vermutlich kann es hier auch noch mal hakelig werden. Bei uns ging es ziemlich glatt, d.h. ohne Einwände, durch. Lag vielleicht daran, dass alle ihre Rollen noch nicht so gut kannten, oder daran, dass die Themen noch eher einfach waren. Aber wer weiss, könnte sein, dass es einfach bleibt. Jede Entscheidung in Holacracy ist ja nur ein Testballon. Was nicht funktioniert, kann ja genauso einfach wieder geändert werden. Da muss man ja nicht mehr überall dagegen sein…

Insgesamt lief unser erstes Governance-Meeting schon unglaublich glatt ab und ging ziemlich schnell. Na gut, wir haben auch noch fünf Tensions erst mal aufgehört und gemeinsam Mittag gegessen.

Bring your own Lunch

holacracy bring you own lunchDas gehört zwar nicht wirklich in einen Blog-Beitrag über Holacracy, aber what the hell:-)
Statt einfach Lunch-Catering zu bestellen, hat Beate zu „bring your own lunch“ eingeladen. Jeder hat was mitgebracht und dann wurde in der Küche kurz Salat geschnippelt und Mozzarella mit Tomaten vorbereitet. Mit Grüßen von Magis Mutter kamen noch Berge an türkischen Spinat-Schafskäse-Dingern (Keine Ahnung, wie die auf türkisch heissen…) auf den Tisch und als Gegenpol ein riesiger Nudelsalat mit Wurst von Lars. Lecker war’s.
Vermutlich wird das jetzt endlich zur Office-Tradition. Wir haben das gemeinsame Mittagessen ja bei Valsplat erlebt und wollten es da schon unbedingt bei uns einführen.

Das erste Tactical-Meeting

holacracy-kick-off-tactical-meeting-agendaNach dem Mittagessen dann das erste Tactical-Meeting. Bernd musste improvisieren, da er nicht gedacht hat, dass wir dazu überhaupt kommen.
Eigentlich mussten wir alle improvisieren, da wir ja noch nicht alle Projekte aufgesetzt haben und auch die Rollen ja noch ziemlich unbekannt sind. Im Wesentlichen haben wir also wieder das „Tensions-abarbeiten“ geübt:

  • Tensions sammeln: Das mit den Tensions hatten wir ja schon geübt. Hier wurde es jetzt schon richtig produktiv und ging ans Eingemachte. Wir hatten ganz schnell 15 oder mehr Tensions auf der Agenda. Einige eher banal, aber auch die große Abrechnung mit unserem CRM-Tool:-)
    Andrea als gewählte Secretary musste die Tensions dann alle wieder blitzschnell als Tasks in Asana sammeln.
  • Tension vorstellen: Der Tension-Geber erklärt seine Tension und erklärt, warum er die Tension hier vorstellt. Will er nur eine Information weitergeben? Braucht er eine Entscheidung? Muss jemand etwas tun? Sollte ein Projekt gestartet werden?
    Hier ist es jetzt wichtig, möglichst klar die Rolle anzusprechen, die von der Tension betroffen ist.
  • Über die Tension entscheiden: Jetzt können die betroffenen Rolleninhaber Stellung nehmen. Entweder mit einer einfachen Task „Ok, ich mache xyz.“, die dann auch gleich von Andrea als Task in Asana für den jeweiligen Rolleninhaber dokumentiert wird. Oder der Rolleninhaber legt bei größeren Themen ein Projekt an. Das war die Lösung für das CRM-Tool-Thema.
  • Tension auflösen: Der Facilitator fragt nun den Tension-Geber, ob mit den Lösungsvorschlägen die Tension weg ist. Wenn ja, wird die Tension in Asana auf „Completed“ gesetzt und es geht gleich zur nächsten Tension.
    Es sollte in jedem Fall etwas vereinbart werden, was dabei hilft, die Tension aufzulösen. Das hat bei unserem ersten Tactical auch super funktioniert.
    Insgesamt sind wir ganz schnell durch die 15 Tensions durchgekommen und alle hatten das Gefühl, dass wir in allen Fällen das Thema konstruktiv weitergebracht haben.

Der Tag danach

Es ist noch nicht so richtig durchgedrungen, aber wir haben mit dem Kick-off mal eben die alte Führungsstruktur abgeschafft.
Das wird bei vielen Kleinigkeiten deutlich. Ich werde immer noch automatisch angesprochen, dass ich irgendwas entscheiden soll. Aber ich kann jetzt ganz oft sagen „Ist nicht meine Rolle. Frag xyz. Ist ihre Rolle. Sie entscheidet das.“. Sehr cool. Natürlich fallen jetzt auch sofort alle Sachen auf, die in den Rollen noch nicht beschrieben sind. Zum Beispiel ist nicht klar, wer entscheidet, ob wir neue, hübsche Kaffeebecher fürs Team kaufen wollen. Für Büromaterial, Computer und Usability-Lab-Technik ist es geregelt. Für hübschen Schnickschnack nicht :-)
Das kommt gleich auf die Liste für’s nächste Governance-Meeting.
Ich merke für mich, dass ich ab jetzt nicht mehr einfach entscheiden darf, sondern immer erst überlegen muss, ob ich überhaupt eine Rolle habe, in der ich die Entscheidung treffen darf.
Sehr spannend. Fortsetzung folgt…

 
12. September, 2016

Eyetracker per Post: Mit Eyevido funktioniert Eyetracking auch Remote

Vor einigen Monaten hat mich Cord-Christian Nitsche von maklaro auf Eyevido aufmerksam gemacht. Eyevido ist ein Startup aus Koblenz und bietet Crowd-Eyetracking an. Ich war ziemlich neugierig, wie das genau funktioniert.
Also haben wir eyevido zu uns eingeladen und das zum Anlass genommen, daraus ein Abend-Event rund um Eyetracking bei uns im Büro zu machen.

Klaus Wächter von EYEVIDO ist dafür extra aus Koblenz angereist und hat uns erklärt, wie es funktioniert:

  • Studie anlegen
  • Eyetracker per Post an die Probanden schicken (oder die Probanden vor den eigenen Rechner setzen)
  • Studie durchführen lassen (das geht alleine)
  • Studie auswerten (Heatmaps oder Blickverlaufsplots erstellen, Fragen auswerten)

matthias-probiert-eyevidoUm das Prinzip greifbarer zu machen, hat Klaus live eine Studie angelegt. Matthias sah seine Chance, endlich auch mal Proband zu sein (nicht immer „nur“ der Testleiter). Er musste dann rausgehen und wir haben uns eine ziemlich miese Studie überlegt. Danach musste er vor den ganzen Zuschauern so tun, als würde er unbeobachtet und in Ruhe die Beispiel-Website durchsuchen.
Es war schon ziemlich beeindruckend, wie einfach man mit dem Auswertungs-Tool Heatmaps und Blickverläufe visualisieren kann.

Aus der Auswertung des kleinen Beispiel-Tests entstand schnell eine Diskussion, wann Eyetracking sinnvoll eingesetzt werden kann, wo die Grenzen liegen und welche Unterschiede sich im Vergleich zu Nutzerbefragungen in klassischen UX-Tests ergeben. Uns fehlte natürlich immer die Tonspur. Wenn ich ein merkwürdiges Verhalten beobachte, möchte ich ja immer direkt den Probanden befragen können.

Zum Spaß hatten wir übrigens mal die Ahnengalerie unserer Eyetracker mit aufgebaut. Vom ersten Gerät, was noch nen fetten Tower-PC brauchte, über die kleinen schmalen USB-Eyetracker bis zu unserer neuen Eyetracking-Brille. Schon irre, was sich da in den letzten 5 Jahren getan hat.

Auch wenn Crowd-Eyetracking Studien als eigenes Studienformat für uns wohl leider weniger interessant sind, da wir dann nicht direkt mit den Nutzern sprechen können, spielen wir seit dem Abend mit dem Gedanken, wie wir Eyevido mit in unser Test-Setup integrieren können. Mal sehen, was da geht…

Hier noch einige Beispiele von Eyevido:

flyeralarm-attentionmap

Eyevido: Attention Map

flyeralarm-gazeplot

Eyevido: Gazeplot

flyeralarm-heatmap

Eyevido: Heatmap

flyeralarm-heatmapmitaoi

Eyevido: Heatmap mit Areas of Interest

 
9. Juni, 2016

eparo goes Holacracy: Teil 3 – Rollenfindung

eparo goes Holacracy
Teil 1 – So fängt es an
Teil 2 – Die Suche nach dem Holacracy Coach
Teil 3 – Rollenfindung
Teil 4 – Der Kick-off

Nach unserem Kennenlernworkshop mit Bernd sollte es dann ja richtig losgehen mit Holacracy. Im ersten Schritt wollten wir Rollen und Kreise definieren.

Was sind eigentlich Rollen?

Ich will hier keine Holacracy-Vorlesung halten, aber Rollen sind wichtig. Sie sind eigentlich das Herzstück von Holacracy. Eine Rolle hat immer einen definierten Daseinszweck („Purpose“), einen Wirkungsbereich („Domain“) und Verantwortlichkeiten („Accountabilities“). Über die Verantwortlichkeiten ist eindeutig definiert, was eine Rolle entscheiden darf und was andere im Unternehmen von der Rolle erwarten können. Damit gibt es keine impliziten Erwartungen mehr.

Wenn eine Verantwortlichkeit nicht definiert ist, muss der Rolleninhaber hier auch nichts tun. Er darf es im Prinzip auch garnicht, oder nur ausnahmsweise.

Wenn was fehlt, wird das im Governance-Prozess ergänzt. Rollenbeschreibungen sind also sehr lebendige Dokumente. Alle Tätigkeiten im Unternehmen müssen also in den Rollen und Verantwortlichkeiten abgedeckt sein.

Vorbereitung

Damit ist auch klar, wie man ganz leicht zu den ersten Rollen kommt. Man sammelt einfach alle Tätigkeiten im Unternehmen und bündelt sie zu Rollen.

Wir haben das natürlich mit Post-its gemacht. Jeder Mitarbeiter hat eine eigene Farbe bekommen und hat dann haarklein alle Aufgaben und Tätigkeiten aufgeschrieben. Da kamen dann bis zu 80 Post-its pro Person zusammen. Das hätte so auch niemand erwartet.

Die Post-its haben wir dann grob thematisch geordnet bei uns auf die große Magnetwand geklebt. Beim Draufschauen wurde da schon deutlich, dass da mehr organisatorische Tätigkeiten klebten als fachliche Aufgaben. Allein die Übung war schon sehr wertvoll.

Alle Aufgaben gesammelt als Post-its

Alle Aufgaben gesammelt als Post-its

 

Der Rollen-Workshop

Den Rollen-Workshop hat wieder Bernd moderiert. Wir haben uns in Teams aufgeteilt und haben versucht, die Tätigkeiten zu Rollen zusammenzufassen. Das lief erst etwas auseinander, da die einen eher thematische Cluster gebildet haben (z.B. Events) und die anderen echte Rolle definiert haben (z.B. Testleiter). Aber das konnte man leicht glattziehen.

Dann haben alle Rollen Namen bekommen. Dafür waren unsere Magnetfolien ideal. Und da ja an den Rollen jeweils verschiedenfarbige Post-its hingen, konnte man gut sehen, wer welche Rolle ausfüllt.

rolle-projektleiter-feldAuch hier gab es wieder eine ungewöhnliche Beobachtung. Es gab kaum eine Rolle, die klar nur einer Person zuzuordnen war. Besonders bei den fachlichen Rollen gab es immer ein halbes Dutzend Farben, die darunter klebten.

Es hat dann nur zehn Minuten gedauert, um an fast alle Rollen schon erste Namen zu schreiben. Danach waren nur 3–4 (ungeliebte?) Rollen mit Fragezeichen übrig.

 

Rollen ins System

Direkt am nächsten Tag haben Malte und Sören die Rollen dokumentiert und digitalisiert. Dazu haben sie jede Rolle mit den zugehörigen Post-its sauber fotografiert und anschließend in Asana dokumentiert.

Apropos Asana: Wir haben vorher noch etwas diskutiert, welches Tool wir für die Holacracy-Orga nutzen wollen. Dafür gab es zwei Kandidaten

  • Glasfrog: Die „Software zum Film“. Glasfrog ist das Holacracy Online-Tool, dass von HolacracyOne entwickelt und vertrieben wird. Die Stärken liegen klar darin, dass alle Holacracy-spezifischen Dokumentationsanforderungen (Rollen, Kreise, Meetings etc.) abgebildet werden können. Glasfrog ist aber kein Projektmanagement-Tool. Dafür muss man eine andere Lösung verwenden
  • Asana: Wir nutzen Asana bei eparo für Projektverwaltung und ToDos und sind ziemlich zufrieden damit. Asana passt gut in unsere Abläufe und wenn wir die Rollen und Kreise dort reinbekommen, dann macht das unser Leben leichter. Springest macht es auch so und es scheint zu klappen. Wie wir mit Asana genau arbeiten, erkläre ich noch mal separat. Das sprengt hier den Rahmen.

Rollen aufräumen und erste Kreise bilden

Bei den Rollen herrschte anfangs noch viel Durcheinander. Verantwortlichkeiten waren unklar und unvollständig, es gab Überschneidungen, einige wichtige Sachen fehlten und wir hatten teilweise 3–5 Leute, die alle die Rolle haben wollten.

Das habe ich dann aufgeräumt, um für den Holacracy-Startschuss einen guten Stand zu haben. Also hier keine Teamarbeit, sondern Arbeit und Entscheidung durch den Anchor Circle. So sieht es Holacracy ja auch vor.

Ein Prinzip hat sich beim Rollenaufräumen herauskristallisiert: Klare Verantwortlichkeiten in den Rollen und nur ein Rolleninhaber. Es muss klar sein, wer für ein Thema (z.B. die Technik im Usability-Labor) zuständig ist. Wenn es mehrere Leute gibt, die mit einem Thema zu tun haben, dann haben wir zwei Rollen angelegt: Eine „ich-bin-zuständig-fürs-System“-Rolle und eine „ich-arbeite-mit-dem-System“-Rolle, für die es dann mehrere Rolleninhaber geben kann.

Beim Usability-Labor gibt es daher noch eine Rolle „Lab-Vorbereiter“. Die Rolle hat viele Rolleninhaber. Durch diese Trennung gibt es für jedes Thema einen Menschen, der verantwortlich ist. Mal sehen, wie sich das in der Praxis bewährt.

Aus den Rollen habe ich dann die ersten Kreise gebildet. Bewusst nur vier, um das Ganze schlank zu halten.

Das Ganze habe ich dann mit dem Coach noch mal durchgesprochen und werde damit im Kick-off-Termin starten.

Alles was nicht fertig ist, wird dann über Governance geändert.

 
5. Mai, 2016

eparo goes Holacracy: Teil 2 – Die Suche nach dem Holacracy Coach

eparo goes Holacracy
Teil 1 – So fängt es an
Teil 2 – Die Suche nach dem Holacracy Coach
Teil 3 – Rollenfindung
Teil 4 – Der Kick-off

Nach den grundsätzlichen Entscheidung, Holacracy einzuführen (Erster Teil der Holacracy-Journey) wird es jetzt konkret:

Ohne Hilfe wird es wohl nicht gehen

Eigentlich sind wir im Herzen Selbermacher, aber für die Einführung von Holacracy werden wir wohl Unterstützung brauchen. Das war jedenfalls die Empfehlung von allen, die auf Holacracy umgestiegen sind.
Also haben wir uns auf die Suche nach einem Coach gemacht, der unsere Holacracy-Reise begleiten kann:

  • Sie/er sollte deutsch sprechen, da nicht alle im Team gut genug englisch können.
  • Sie/er sollte schon praktische Erfahrung mit der Einführung von Holacracy haben. Wir wollten niemanden, der nur die Theorie kennt.
  • Sie/er sollte nicht zu weit weg sein, damit wir anfangs häufiger Vor-Ort-Termine machen können.

Unsere Anforderungen haben die Auswahl schon ziemlich eingeschränkt. Holacracy ist in Deutschland noch nicht so recht angekommen und in Konsequenz fehlen die Menschen, die Erfahrung mit der Umsetzung haben.

Über offizielle und inoffizielle Holacray-Coaches

Bei den Gesprächen mit möglichen Holacracy-Coaches sind wir dann schnell auf die harte Hand von HolacracyOne gestoßen. Die haben die Markenrechte an Holacracy und stellen strikte Regeln auf, wer sich offiziell „Holacracy Coach“ nennen darf. Das macht zum Teil ja auch Sinn, da sie sicherstellen wollen, dass da, wo Holacracy drauf steht, auch Holacracy drin ist. Allerdings ist eine Grundanforderung, dass angehende Holacracy-Coaches eine ganze Reihe von ziemlich teuren Schulungen bei – ihr ahnt es schon – HolacracyOne durchführen müssen.
Auf jeden Fall haben wir eigentlich nur Coaches gefunden, die entweder noch nicht zugelassen sind oder aber die Zulassung wieder abgegeben haben. Daher werde ich es hier vermeiden, unsere Coaches mit Namen zu erwähnen.

Coach-Auswahl, erster Versuch

kermitWir hatten dann doch schnell jemand gefunden (nennen wir ihn mal Nils) und in zwei Skype-Sessions auch das Gefühl gewonnen, dass es gut passen könnte.
Nächster Schritt war dann, das ganze Team ins Boot zu holen.
Dazu haben wir Nils gebeten, einen Einführungstag zu Holacracy zu machen. Das komplette Team war anwesend, inklusive unserer regulären freien Mitarbeiter.
Um es kurz zu machen: Der Termin hat überhaupt nicht funktioniert und das Team hat am nächsten Tag einhellig gesagt: Nicht mit Nils.
Wie konnte das passieren?

  • Nils hat seine Stärken eher im systemischen Coaching und kann vermutlich gut Menschen helfen, deren berufliches Selbstverständnis durch die Holacracy-Einführung ins Wanken kommt. Das Problem haben wir aber eher weniger, da alle richtig Lust auf Holacracy haben. Wir brauchen einfach nur Hilfe dabei, die Spielregeln zu lernen. Da passten die Erwartungen dann doch nicht gut zusammen.
  • Nils konnte das Team auch nicht davon überzeugen, dass er Holacracy gut und praxistauglich vermitteln kann. Und das passte dann so garnicht zum bundesligatauglichen Tagessatz…

Coach-Auswahl, zweiter Versuch

Wir haben uns direkt nach einem neuen Coach umgesehen. Ruben hatte sowieso schon Bernd empfohlen. Er hat in seinem Startup eine Art „Holacracy-Light“ eingeführt. Da es uns ja auch eher auf die Grundprinzipien der Selbstorganisation ankommt und weniger auf das Label „Holacracy“, passte das gut.

zettelklebenchris

Auch Bernd hat mit uns eine Art Kennenlern-Workshop gemacht. Riesenunterschied: Wir haben nach einer kurzen Einführung direkt angefangen, Tätigkeiten und Rollen zu sammeln. Zuerst haben wir alle Sachen aufgeschrieben, die bei uns gut laufen und die Sachen, die nicht gut funktionieren.

sachen-die-unklar-sindAls Vorübung für die Definition der Rollen haben wir dann alle Jobs und Tätigkeiten aufgeschrieben, die jeder von uns macht. Dabei kamen extrem viele Sachen zum Vorschein, die so nebenbei erledigt wurden. Mit Holacracy werden diese Tätigkeiten dann sichtbar und damit auch besser planbar. Alle hatten das Gefühl, dass diese Transparenz, die mit Holacracy einher geht, eine gute Sache sein wird.

Dieses praktische Hands-On-Vorgehen von Bernd passt definitiv gut zu uns.

Jetzt begleitet Bernd unsere Holacracy-Einführung.
Das Team hat ihn schon gewarnt, dass es seine größte Herausforderung sein wird, „Rolf in Schach zu halten“…
Ich bin da ganz tiefenentspannt.

Das Fazit

Es war superwichtig, das Team in die Entscheidungsfindung für den Coach komplett einzubinden. Nach der zweiten Runde sind alle sehr motiviert und tragen den Prozess noch mehr mit als zu Anfang.

Der Coach muss von der Kultur und vom Entwicklungsstand im Team her passen. Bei uns heisst das einfach:

  • Pragmatisch
  • Methodenorientiert
  • Persönlich und offen

Mal sehen, wie es weitergeht. I’ll keep you posted.