eparo – Digital Service Design

Das Blog von eparo.de

4. Juni, 2012

Schön alleine macht nicht glücklich

Usability schlägt Design – so könnte man die YouTube-Studie zusammenfassen, von der Gerry McGovern berichtet. Getestet wurden Online-Shops und die Frage lautete, inwieweit gutes Design und gute Usability Nutzerzufriedenheit beeinflussen und welcher Moment dabei überwiegt. Das Ergebnis fällt für Liebhaber und Gurus des elaborierten Designs leider eher ernüchternd aus…

Design versus Usability? – Nicht wirklich…

Irgendwie haben wir es ja immer geahnt: Im Zweifel zählt die Funktion mehr als die Optik – zumindest bei stark handlungsorientierten Anwendungen wie eben beispielsweise bei Online-Shops. In einer YouTube-Studie wurden vier Versionen eines Shops erstellt, die sich jeweils im Grad ihrer Usability (hoch versus niedrig) und in der Qualität ihres Designs unterschieden (gut versus schwach). Für die Tests wurden die Merkmale jeweils kombiniert. Von höchstem Interesse ist dabei der Vergleich zwischen zwei Varianten, nämlich einem gut zu bedienenden Shop mit einem aber nur schwachen Design einerseits und einem gut gestalteten Shop mit schlechter Usability andererseits. Das Ergebnis: Schönheit verliert gegen Usability.

 “The results showed that the beauty of the interface did not affect how users perceived the usability of the shops,” Bargas-Avila continued. “Participants (or Users) were capable of distinguishing if a product was usable or not, no matter how nice it looked.
However, the experiment showed that the usability of the shops influenced how users rated the products‘ beauty. Participants using shops with bad usability rated the shops as less beautiful after using them. We showed that poor usability lead to frustration, which put the users in a bad mood and made them rate the product as less beautiful than before interacting with the shop.”
Javier Bargas-Avila / YouTube

Im Zweifel: Funktion vor Form

Natürlich: Ideal ist die Verbindung guter Usability mit gutem Design – nur so entstehen eine umfassend positive Nutzererfahrung, zufriedene Kunden und damit auch gute Conversionen etc. Gerade bei Online Shops ist Emotional Design wichtig. Zahlreiche Studien belegen das immer wieder. Mit der YouTube-Studie hingegen ist jetzt auch eine untere Schranke gesetzt: Nutzer tolerieren schwaches Design, schwache Usability hingegen nicht. Eine Einsicht, die – auch wenn’s wehtut – auch auf andere Webservices und Produkte zu erweitern ist.

Gerry McGovern: Beautiful does not always mean usable
http://tinyurl.com/bpophmq

Javier Bargas-Avila: Is beautiful usable?
http://googleresearch.blogspot.pt/2012/05/is-beautiful-usable-what-is-influence.html

 

 
11. Mai, 2012

Gute und bessere Prototypen: High-Fi versus Low-Fi

Was sind gut Prototypen – und was macht sie noch besser? Zwei grundlegende Varianten lassen sich unterscheiden – und für belastbare User Experience Tests jeweils unterschiedlich einsetzen. In einem grundlegenden Beitrag stellen wir die wesentlichen Merkmale und Differenzierungen zwischen Prototypen vor und schildern, wie wir sie bei eparo einsetzen und für die Weiterentwicklung digitaler Produkte nutzen.

Prototyp für die KfW-Gruppe

eparo Prototyp für die KfW

Prototyp für die Techniker Krankenkasse

eparo Prototyp für die Techniker Krankenkasse

Prototypen: Halb fertig und schon aussagefähig

Zunächst mal ganz allgemein: Prototypen, so die Standarddefinition, sind Vorab-Exemplare von Produkten – so kurz, so einfach. Sie dienen dem Zweck, Eigenschaften oder Funktionen, die das finale Produkt haben soll, bereits in der Entwicklungsphase ausprobieren, testen und bewerten zu können. Prototypen sind demnach per  Definition nie fertig – und es stellt sich schnell die Frage, wie aussagekräftig beispielsweise die Bewertung einer Funktion oder eines Designentwurfs auf der Basis solcher halbfertigen Entwicklungsmodelle ist?

Prototypen sind im Grunde nie fertig – aber immer fertig genug, um präzise Ergebnisse zu liefern

Die grundsätzliche Antwort ist natürlich einfach. Die erste Grundbedingung für jedes Prototyping lautet: Selbst einfachste Prototypen liefern präzise Ergebnisse, wenn sie nur die Funktion, die es zu beurteilen gilt, hinreichend genau abbilden. Wichtig ist mithin nicht, dass ein Prototyp als Ganzes möglichst fertig ist, sondern lediglich, dass er in den Bereichen, die aktuell beurteilt werden sollen, detailliert genug ausgearbeitet ist, um allen Testparametern begegnen zu können.

High- und Low-Fidelity: Prototypen jeder Detailschärfe

Der Umkehrschluss heißt natürlich: Je differenzierter die Fragestellung ist, desto detaillierter muss auch der Prototyp ausgearbeitet sein. Das Fachchinesisch unterscheidet dazu zwischen High-Fidelity- und Low-Fidelity-Prototypen. Je genauer ein Prototyp die Funktionen oder Eigenschaften, die bewertet werden sollen, abbildet, desto High-Fi – und umgekehrt. Typische Low-Fi-Prototypen umreißen die Funktionen oder Eigenschaften, die bewertet werden sollen, dabei vor allem strukturell und spezifizieren deren Handhabe nur rudimentär: Hier steht dies, dort das, ein Klick hierhin führt dorthin, verändert das und das und so weiter. Auf eine elaborierte Optik wird meist ebenso verzichtet wie auf die vollständige Abbildung der Interaktionsmuster. Stellt ein Prototyp auch die (mehr oder weniger) finale Gestaltung dar und werden die Interkationsverläufe voll ausgearbeitete, indem immer mehr Bedienschritte spezifiziert werden, wird ein Prototyp immer mehr High-Fi – bis er am Ende das finale Produkt nahezu komplett abbildet.

Der Königsweg zu besseren digitalen Produkten, ist sauberes Prototyping über mehrere Detailstufen hinweg

>> Prototyping von eparo unter www.eparo.de.

Je nach Projekt- und Problemlage sind Prototypen unterschiedlicher Detailschärfe sinnvoll. Ideal ist es, wenn Prototyping bereits von Beginn an und dann kontinuierlich in den Entwicklungsprozesse mit einbezogen wird. Prototypen werden dann schon in einem sehr frühen Stadium der Produktentwicklung erstellt und getestet und es werden die Ergebnisse direkt in die Weiterentwicklung des Produktes eingespielt. Das Muster ähnelt der agilen Softwareentwicklung. Zusätzlich zu einer  funktionalen Bewertung, die primär die Interaktionsmuster und Navigationsstrukturen betrachtet, können dabei auch schon am Prototypen das Erleben und die Anmutung des entstehenden Produktes sehr früh beurteilt werden. Prototyping wird damit nicht nur zu einer zentralen Methode der digitalen Produktentwicklung, sondern auch des Marketings allgemein.

Prototypen Sketch

Prototypen Sketch

Test High-Fidelity Prototyp

Test High-Fidelity Prototyp

Wesentliche Merkmale von Low- und High-Fi-Prototypen

Hier die wesentlichen Merkmale von Low- und High-Fi Prototypen für Web und Software, aber auch für iPhone- und iPad-Anwendungen einmal konkret zusammengefasst:

Low-Fi-Prototypen:
  • rein strukturelle Umsetzung, Verzicht auf Optik/Gestaltung
  • Dummy-Bilder, Platzhalter-Texte
  • reduzierte Interaktionslogik: primär testrelevante Features
  • Zwischenschritte/-screens als Dummies nicht ausgearbeitet
  • keine Effekte oder dynamischen Elemente
  • keine Perspektive auf Look & Feel, Brand-Experience
High-Fi-Prototypen:
  • differenzierte Interaktionslogik: mehrere Ebenen, Nebenpfade, Navigation, …
  • detaillierte optische Ausarbeitung/Gestaltung
  • Originalbilder und -texte
  • ausgearbeitete Einzelschritte und -seiten
  • Effekte und dynamische Elemente
  • Look & Feel und Brand Experience umgesetzt

Zwischen beiden Extremen sind dann natürlich sämtliche Zwischenstufen möglich.

Und am Ende: Prototypen im richtigen Text

Wie gesagt: Prototypen werden erstellt, um Funktionen und Erleben von Produkten (und Produktversionen) zu testen. Ebenso wichtig wie der Prototyp ist für den Erfolg jedes Prototyping-Projekts mithin das Testing. Denn ebenso wie der Prototyp entscheidet auch die Qualität des Tests, dem er unterzogen wird, direkt mit über die Belastbarkeit und Güte der Ergebnisse. Besonderes Augenmerk richten wir bei eparo daher auf sorgfältig ausgewählte Probanden, erfahrene Testleiter und detailliert ausgearbeitete Usecases, um alle relevanten Nutzungsszenarien realistisch nachbilden und bewerten zu können.

Findet Prototyping erst zu einem bereits späten Zeitpunkt der Produktentwicklung statt, hat sich in diesem Sinn ein mindestens zweistufiges Vorgehen bei eparo etabliert, bei dem wir zunächst einen schon recht weit ausgearbeiteten Prototypen testen. Dieser zeigt bereits die finale Optik, kennt wesentliche Effekte und zeigt alle für den Test relevanten Interaktionsmuster bereits vollständig an. Elemente und Features, die zum Look & Feel oder zur Brand Experience beitragen, die aber nicht testrelevant sind, setzen wir im Prototypen hingegen als Low-Fi-Elemente um. Anschließend arbeiten wir die Ergebnisse des Tests nochmals in den Prototypen ein und testen diese vor dem Produkt-Launch erneut ab.

Ein ganz wesentlicher Vorteil von Prototypen-Tests liegt dabei schließlich darin, dass solche Tests nachgerade jeder UX-relevante Testmethode erlauben. So lassen sich Prototypen beispielsweise ebenso problemlos qualitativ befragen wie wir sie auch quantitativ bewerten lassen können. Entscheidend ist, dass das Testdesign darauf ausgelegt ist, die Testpersonen sicher und zielgenau auf die Usecases zuzusteuern, die analysiert werden sollen. Und das wiederum heißt am Ende, dass auf Seiten der Testleiter und Beobachter Erfahrung im Design von Prototyping-Tests unerlässlich ist.

 
28. April, 2012

User haben keinen freien Willen – Vortrag auf der IA-Conf 2012

Der Großteil unserer Wahrnehmung ist implizit – aber im UX-Design spielt das Implizite bisher faktisch keine Rolle. Da tut sich – vorsichtig gesagt – ein tiefer Graben auf. Deshalb: Bühne frei für ein neues Thema im User Experience Engineering… Mit Rolfs Vortrag von der IA-Konferenz 2012 in Essen machen wir einen ersten Aufschlag zum Thema und stellen erste Testergebnisse vor. Das Thema verfolgen wir darüber hinaus weiter.

IA-Konferenz 2012 in der Zeche Zollverein

IA Konferenz 2012 in der Zeche Zollverein

Das Implizite im User Experience Engineering

Zu behaupten, dass das Implizite im Design und Web-Development vernachlässigt wird, ist eine enorme Untertreibung. Fakt ist: In der Konzeption wie in der Umsetzung von Webservices und Software spielen Fragen des Impliziten oder Fragen zu Erwartungen und Zielen von Nutzern und so weiter so gut wie keine Rolle. In der Praxis aber, am Markt, wo sich die Anwendungen am Ende  behaupten sollen, entscheiden gerade die impliziten Faktoren ganz wesentlich mit.

Für eparo und 53nord eröffnen wir das Thema daher mit Rolfs Vortrag von der IA-Konferenz und werden in Zukunft immer wieder darauf zurückkommen. Die kommentierten Folien zum Vortrag findet ihr auf Slideshare (www.slideshare.de) oder ihr könnt sie direkt bei uns nachfragen: www.eparo.de/kontakt.

Vortrag auf Slideshare: http://de.slideshare.net/eparo/user-haben-keinen-freien-willen-vortrag-iakonferenz-2012-13390194

 
26. April, 2012

Prototyping mit Axure 6.5

Nach einer intensiven Beta-Phase wurde jüngst die neue Version von Axure RP veröffentlicht. Rolf hat sich die neuen Features detailliert angesehen und stellt sie im einzelnen kurz vor. Zu unserer großen Freude – vielen Dank Victor! – wurden auch einige unserer Anregungen und Wünsche an die Entwickler umgesetzt. Das Fazit: Axure wird immer komfortabler und wartet mit immer neuen Funktionen auf.

Axure in neuen Höhen

In unseren Tests setzen wir bei eparo schon seit Jahren auf Axure RP – mit steigender Begeisterung. Mit der Version 6.5 sind wieder einige neue Features hinzugekommen, die die tägliche Arbeit erleichtern und Prototyping mit Axure noch komfortabler machen. Die Vorteile voll funktionsfähiger High-Fidelity Prototypen begeistern nicht nur uns, sondern insbesondere auch unsere Kunden. Und mit den Axure Mobile Kits sind solche hochrealistischen Prototypen auch für iPhone- und iPad-Anwendungen problemlos möglich.