eparo – Digital Service Design

Das Blog von eparo.de

22. Oktober, 2017

Inklusion durch User Experience

blog-header holger fischer 2017Am 09.11.2017 findet der World Usability Day als weltweiter Tag für nutzbare (digitale) Produkte auch wieder in Hamburg statt. Seit 2007 organisiert von eparo in Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW). Das diesjährige Schwerpunktthema: Inklusion durch User Experience (UX). UX-Experten aus verschiedenen Branchen bieten 13 Vorträge, eine Podiumsdiskussion und 10 Workshops an. In der Speakers Corner gibt es nach jedem Vortrag Raum für Austausch. Teilnehmer lernen praxisnah, wie nutzerfreundliche und nachhaltige Produkte entstehen und welche Unternehmenskulturen dafür nötig sind. Das komplette Programm findet sich hier: wudhh.de/programm. Die Teilnahme ist kostenlos.

Insgesamt gibt es an dem Tag weltweit rund 200 kostenfreie Veranstaltungen in mehr als 40 Ländern und auch Deutschland ist mit Veranstaltungen an rund 20 Standorten wieder dabei. Der WUD in Deutschland wird als Veranstaltung durch die German UPA (Berufsverband der Deutschen Usability und User Experience Professionals) koordiniert.

Wie passen Inklusion und UX zusammen?

Holger FischerDas Thema „Inclusion through User Experience“ hat auch dieses Jahr wieder viele Fragen aufgeworfen. Zwar haben wir mit 43 Vortragseinreichungen einen neuen Rekord aufgestellt. Aber auch diesmal gab es nur wenige Vortragseinreichungen zum Schwerpunktthema. Viele konnten sich nicht vorstellen, wie UX und Inklusion zusammenhängen. Wir haben Holger Fischer von der German UPA gebeten, uns genauer zu erklären, was darunter zu verstehen ist.

 

Inklusion durch positive Benutzungserlebnisse

Autor: Holger Fischer. Redaktion: Beate Winter

Inklusion durch UX – für wen?

Die Welt, in der wir heute leben, verändert sich. Dabei lassen sich insbesondere drei Gruppen von Menschen besonders herausstellen.

  1. Migranten: Kriege und Terror verursachen eine anhaltende Flucht der bedrohten Bevölkerungen. Ein großer Anteil migriert nach Europa und findet auch in Deutschland eine neue Zufluchtsstätte oder Heimat. Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen leben somit an einem Ort zusammen.
  2. Ältere: Die Altersstruktur in unserem Land verändert sich nach wie vor. Die Menschen werden immer älter und stellen einen bedeutenden Teil unserer Bevölkerung dar.
  3. Menschen mit Beeinträchtigungen: Diese dritte Gruppe überlagert sich teilweise mit der Gruppe der Älteren. Nichts desto trotz macht die Gruppe einen Anteil von fast 20% unserer Bevölkerung aus, von denen um die 60% im Alltag körperlich beeinträchtigt sind (z.B. durch Sehschwäche, Hörschwäche, motorische Einschränkungen o.ä.)

Von der Integration zur Inklusion – für ein „echtes“ Miteinander

Themen wie Integration und Toleranz werden daher großgeschrieben oder zumindest kundgetan. Was bedeutet jedoch Integration? Integration beschreibt die allgemeine Eingliederung von bisher aus verschiedenen gesellschaftspolitischen und sozialen Gründen ausgeschlossenen Menschen oder Gruppen. In der tatsächlichen Ausprägung zeigt sich jedoch, dass Gruppen zwar verstärkt integriert werden, gleichzeitig allerdings weiterhin unter sich in Gruppen abgegrenzt sind und der Austausch häufig nur begrenzt stattfindet. Was wir für ein gemeinsames Miteinander benötigen, ist die nächste Stufe der Inklusion. Die Inklusion beschreibt den Einschluss bzw. die Einbeziehung von Menschen in die Gesellschaft. Die folgende Abbildung verdeutlicht den Wandeln von der Integration hin zur Inklusion.

Integration vs. Inklusion

Abbildung 1: Integration vs. Inklusion
Adaptiert entlang der CreativeCommons Attribution-Share Alike 3.0 Unported Lizenz, basierend auf dem Original von Robert Aehnelt

UX für digitale Helfer: Barrieren abbauen. Arbeitsplätze schaffen. Wandel gestalten.

Die aktuelle Digitalisierung oder digitale Disruption verändert unser Leben in vielen Bereichen, angefangen von unserem Privatleben über die Art der Kommunikation bis hin in unsere Arbeitswelt. Junge Leute werden mit dieser Digitalisierung groß und werden von den Älteren häufig nicht mehr verstanden. Diese Art des Wandels durchleben wir allerdings bereits seit Jahren. Auch die Einführung des Telefons bzw. Fernsprechers hat schon in der damaligen Zeit eine kleine Revolution ausgelöst. So anstrengend die Digitalisierung teilweise beispielsweise in Bezug auf den Anstieg des E-Mails-Verkehrs auch sein kann, bringt sie auch viele Vorteile mit sich. Sämtliche Bevölkerungsgruppen lassen sich unabhängig ihrer Einschränkungen, Fähigkeiten, Kulturen, Sprachen, etc. zusammenbringen und können durch angemessene Konzepte und Lösungen bspw. besser und eigenständiger ihr Privatleben gestalten oder Behördengänge verstehen und absolvieren. Hierbei zeigt sich auch eines der wesentlichen Konzepte hinter dem Schlagwort „Arbeit 4.0“: Digitale Assistenzsysteme können Arbeitsplätze im Alter sichern, Barrieren aufheben und eine Vielzahl von Menschen überhaupt erst am Arbeitsleben teilhaben lassen.
Diese digitalen Helfer, die uns im Privat- als auch Arbeitsleben unterstützen, lassen sich allerdings erst sinnvoll einsetzen und leisten erst dann eine angemessene Unterstützung, wenn die Usability der Lösung sichergestellt und eine positive User Experience fokussiert wird. Das bedeutet vor allem auch die aktive Partizipation der Menschen bei der Konzeption und Ermittlung der wahren Erfordernisse hinsichtlich der Lösung.

Relevante Themen, welche die Inklusion und User Experience gemeinsam betrachten sind z.B. Universal Design, Barrierefreiheit, nutzbare Behörden-Webseiten, Schutz vor Mobbing durch künstliche Intelligenz, Sozialer Wandel durch soziale Medien oder Inklusion durch Kollaboration u.v.m.

Beispiele für positive User Experience

Ein paar von zahlreichen schönen Beispielen wie Inklusion durch eine positive User Experience beeinflusst werden kann, sind die Projekte der SOZIALHELDEN.de. So verschafft die Wheelmap.org Rollstuhlfahrenden einen Überblick über rollstuhlgerechte Orte. Der DialogBereiter.de  trägt sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen von Behördenmitarbeitenden, Freiwilligen und Geflüchteten zusammen und bietet damit Unterkunftsbetreibern oder Freiwilligeninitiativen einen guten Startpunkt, sich in der Nachbarschaft für das Miteinander mit Geflüchteten zu engagieren.

Die Themen Inklusion und User Experience ergänzen sich prächtig. Sei engagiert und beteilige Dich am World Usability Day mit Deinem Beitrag für eine schöne Zukunft.

 
25. August, 2017

Rückblick auf die Working Products 2017

blog header- working products 17 reviewUm nicht selber über unsere eigene Konferenz zu berichten, haben wir Susanne Kreuz, eine befreundete UX-Designerin, zur Working Products eingeladen und sie gebeten, einen persönlichen Erfahrungsbericht zur Working Products zu schreiben. Hier ist er:

Susanne Kreuz berichtet von der Working Products 2017

Produktmanager (fast) unter sich

Die Aufgaben und Probleme, mit denen sich Product Owner, Product Manager und Product Designer, digitale Strategen und externe Berater herumschlagen, sind gar nicht so sehr verschieden: Sind wir doch alle für die Entwicklung und Betreuung digitaler Produkte und Services verantwortlich – bestenfalls! Wie die weiteren Diskussionen und Gespräche bestätigen, stoßen wir dabei oft an dieselben Grenzen und Widerstände: innerhalb und außerhalb von Projekten und Teams genauso wie in der Zusammenarbeit mit dem Management. Trotz fundiertem Know-How und schicker Zertifizierungen will das mit der Digitalisierung einfach nicht so richtig funktionieren.

Working Products 2017Was ist also unser Problem? Das herauszufinden und gemeinsam mit den Teilnehmern passende Lösungen zu entwickeln, hat sich Rolf auf die Fahnen der Working Products geschrieben. Gleich vorneweg gesagt: Es gibt sie noch, die guten Konferenzen! Die Konferenzperle im Norden ist ein Leuchtturm für alle, die sich mit digitaler Produktentwicklung beschäftigen. Die Teilnehmer können sich zwischen zwei parallelen Tracks entscheiden, wobei es einerseits um „softe“ Themen wie Produkt- und Kundenkultur im Unternehmen und neue Formen der Organisation und Zusammenarbeit geht. Auf der anderen Seite werden die dazu passenden Methoden und Prozesse vorgestellt. Da ich mich nicht zweiteilen kann, habe ich mir die Vorträge rund um Methoden und Prozesse angesehen und kann darüber jetzt berichten

AGILIEN ODER: IN WELCHER WELT ARBEITEN WIR EIGENTLICH?

„Agil ist nie im ganzen Unternehmen angekommen“, behauptet Christian Becker. In seinem Vortrag Management versus Produkt geht Christian hart mit „denen da oben“ ins Gericht. Und vergleicht ein agil und lean aufgestelltes Entwicklungsteam mit dem kleinen gallischen Dorf, in dem Asterix und Obelix unbeirrt die Stellung halten. Denn in der Realität werde Lean PM nur als schöne Fassade implementiert, da sei aber nichts dahinter. MVPs werden als outdatet abgewunken, wurden aber nie richtig verstanden. Schuld an allem sei das Produktmangement, das angeblich Wissenslücken habe und Erwartungen nicht erfülle – das behaupten zumindest Management und Geschäftsführung. 90 % aller Probleme liegen zwischen PM und Management, kontert Christian selbstbewusst. Das Management habe ein Missverständnis, was agil eigentlich bedeute. Aufklärung tut also Not, und so leitet Christian mittlerweile sein eigenes Unternehmen leanproductable.

Christian BeckerIn seinen Projekten geht es dabei um die Kernfrage: „Warum wollen wir wie arbeiten?“ Eine allgemeine Antwort gibt es nicht, und jedes Unternehmen ist angehalten, sich eine individuelle Vorgehensweise zu erarbeiten. Als Methode seiner Wahl stellt Christian uns den Strategy Brief vor. Dabei orientiert er sich an The Art of Action, dem Buch des strategischen Managementberaters Stephen Bungay. Ein Workshop über 3-4 Stunden sollte ausreichen, um gemeinsam die folgenden Fragen zu beantworten:
1. Context: Warum mache ich das jetzt?
2. My intent: Was wollen wir erreichen und wie messen wir das?
3. Higher intent: Wie passt das zur Unternehmensstrategie?
4. Key tasks: Was muss ich grob tun und mit welchen Ressourcen?
5. Boundaries: Welche Rahmenbedingungen muss ich beachten?
Wer es nach einem Vortrag noch etwas genauer wissen möchte, kommt einfach in die Speaker‘s Corner: Für 30 Minuten kann man direkt beim Redner nachhaken. Oder spontan eigene Erfahrungen teilen, egal ob positive oder negative. So schütten einige Besucher ganz unbefangen ihr Herz aus, und aus den individuellen Pain Points entwickeln sich schnell intensive Gespräche: Was tun, wenn die Strategie des Unternehmens einzig darin besteht, den Umsatz zu steigern? Wenn wegen lauter neuen Features keine Zeit zur Bestandspflege bleibt? Wenn Produkte aus der analogen Welt in eine mobile App gepresst werden, aber die digitale Welt offensichtlich anders funktioniert? Probleme mit der Organisation, dem Chef und Kollegen lassen auf Augenhöhe leichter äußern als mit dem Mikro vor dem versammelten Publikum. Zudem ist in der kleinen Runde die Trennung zwischen „der da vorne = allwissend“ und „die Zuhörer = unwissend“ weitgehend aufgehoben.

ESSEN IST SILBER, REDEN IST GOLD

Auf den ersten Blick könnte man meinen, das Format von 2 x 3 parallelen Vorträgen verteilt auf 2 Tage sei ein bisschen wenig für‘s liebe Geld (das Ticket kostet 540 €). Sind die Pausen dagegen nicht zu reichlich? Und an den Nachmittagen soll man auch noch selbst aktiv werden… Egal, wenn mich ein Thema gerade nicht interessiert, geselle ich mich ans Buffet.

Dort finde ich immer super leckere Nervennahrung, von Brownies bis Obst, und – ganz große klasse – auch eine Auswahl für Vegetarier, Veganer und Allergiker. Ich gebe zu, das gemeinsame Frühstücken am morgen, das ausgiebige Mittagessen und das Grillen am Abend nach einer ziemlich verfressene Angelegenheit klingt. Doch wer schon mal in einer WG gewohnt und die Küche als das Zentrum der Kommunikation schätzen gelernt hat, weiß um die soziale Rolle das Essen auf Konferenzen. Während ihr lest, komme ich ganz locker mit meinen Nachbarn ins Gespräch. Und lerne Sabrina und Annabell kennen, Trainees bei Burda Direct, die extra aus Offenburg und München angereist sind, alle Achtung!

WAS IST EIGENTLICH DER AUFTRAG?

Zurück zum offiziellen Programm. Die Zauberformel, die ich im Laufe der Konferenz noch öfter höre, lautet Autonomy through Alignement. Marc Kadish, Director Product bei Xing, wird die zugehörige Methode Auftragsklärung am Freitag vorstellen. Doch so lange will das werte Publikum nicht warten. Gut, dass es die Open Sessions am Nachmittag gibt.

SessionplanungIn der großen Runde sammeln wir Vorschläge und spendieren dem Thema eine eigene Sitzung. Sieben weitere schaffen es aufs Whiteboard, von der „Innovation im Bestandsprodukt“ bis zu „Neuen Services für autonome Fahrzeuge“. Nicht alle Themen finden später den zuvor erklärten Anklang. Auch mein Vorschlag „Freelancer im Konzern“ fällt mangels Publikum aus, aber das macht nichts. Ich nutze die Gelegenheit und lausche erneut Christian, der uns den von Xing adaptierten „Canvas for collaborative alignement“ erklärt. Wir füllen unser Template mit einem praktischen Beispiel „PayPal als neue Zahlungsart im Online-Shop einführen“. Im Team schreiben wir Aussagen auf Post-Its und kleben sie aufs Flipchart; diskutieren, verwerfen und hinterfragen, bis alles richtig zusammen passt. Unser Gemeinschaftswerk dokumentiert und kommuniziert Entscheidungen auf Papier und lässt sich bei Bedarf anpassen. Und das abgestimmte Ergebnis kann ich für alle sichtbar an der Wand platzieren. Toll, dass die großzügige Planung der Konferenz genug Zeit und Raum zum Lernen lässt, der im Alltag meist fehlt.

BRAUCHEN WIR EINE SCHOCKTHERAPIE?

Kurz darauf finde ich mich in der Session von Jutta, Digitale Strategien und Konzepte. Wir sind beide Freelancer und ich überlege, ob ich ihre Job-Bezeichnung übernehmen sollte. Werde ich doch laufend mit unpassenden Anfragen überhäuft: von UI Design über Werbebanner-Gestaltung bis Frontend-Entwicklung. Doch auch Jutta hat sichtlich Probleme damit, was ihre Auftraggeber unter Human Centered Design verstehen: Mal wird der Kontakt mit den eigenen Kunden verboten, mal legt das Management die vermeintlich fertige Konzeption vor. So lautet ihre Frage in die Runde: „Was tun, wenn es im Projekt kein gemeinsames Mindset in Sachen Nutzerzentrierung gibt?“ Benno, ebenfalls Freelancer, bringt das Manko unseres Tuns auf den Punkt: „Konzeption ist nunmal unsichtbar“. Das Standing im Team hänge auch immer davon ob, ob der Fachbereich oder die Geschäftsführung ihn beauftrage. Manche Kunden lassen sich nicht so einfach mit Argumenten überzeugen. Und was dann? Auch Dirk, freier Digital Consultant, kennt das Problem: „Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft oft eine riesige Lücke. Dann bin ich froh, wenn ich wenigstens einige Aspekte umsetzen und mich der idealen Welt annähern kann.“ Schon um der eigenen Gesundheit willen empfiehlt es sich, nicht gleich zu resignieren. Bleiben wir also optimistisch und lenken den Blick auf das Positive.
Arbeit in der SessionInteressant wird es, als sich Iris zu Wort meldet. Sie verantwortet das Marketing und spricht aus Sicht der Auftraggeber: „Ja, wir haben ein Problem, sonst hätten wir uns keine Agentur geholt. Doch dann kommt das schreckliche Gefühl: Alles was wir bisher gemacht haben, ist falsch!“ Da müsse man auf Kundenseite erst mal seinen emotionalen Schock überwinden. Nicht jeder sieht in Kritik sofort eine Chance auf Neubeginn, da sind Empathie und Einfühlungsvermögen gefragt. Stimmt, denke ich – auch als Externe muss ich in jedem neuen Projekt meinen Realitätsschock überwinden: Ausloten, was machbar ist, annehmen oder absagen, bleiben oder gehen. Ich nehme mir vor, beim nächsten Mal Rolf’s Vorschlag zu beherzigen: „Manchmal kommt in einem Projekt der Punkt, da muss ich als Dienstleister klar machen: So kann ich nicht weiter arbeiten! Dann hört man mir auch wieder zu.“

WAS SOLL ICH BLOSS ANZIEHEN?

Am Vortragspult steht Heide Peuckert, „Mutter aller Produkte“ und Head of Product der Njiuko GmbH. Die einzige Frau unter den insgesamt 12 Rednern trägt einen bunt gemusterten Jumpsuit. Und erzählt, dass sie von den Herren der Old Economy ernster genommen wird, wenn sie dem Klischee der „freakigen Kreativen im schrillem Outfit“ entspricht. Am nächsten Tag trägt sie lockere Streetwear im corporate Design. Die „Frau im Hoodie“ steuert in der Software-Agentur die Web- und Mobile-App-Entwicklung. Als Kapitän eines Piratenschiffes steuert sie ihr Team an der Schnittstelle zwischen UX, Technik und Business. Als Product Owner adoptiert sie die Produkte ihrer Kunden, erstellt User Stories und vertritt die späteren Anwender. Auf Kundenseite steht ihr ein Projektmanager gegenüber, der den Business Input liefert. Heide verkauft ihm Sprints anstatt Features, und überlässt die Diskussion übers Budget ihrem Chef.
Björn-Torge SchulzDass der Dresscode auch auf Konferenzen wichtig ist, erfahre ich später von Benjamin: „Ich bin sehr froh, hier nicht im Anzug herumlaufen zu müssen!“ erzählt mir der Geschäftsführer aus Berlin. „Männer haben ja nicht so die Bandbreite an Klamotten: entweder Hemd und Hose, oder Jeans und T-Shirt.“ Meine Nachbarin im Hemdblusenkleid stimmt zu: nicht zu formal, aber auch nicht zu leger sollte es sein. Und trotzdem partytauglich, denn unser Abend klingt trotz Regenschauer gemütlich aus, mit Grillen im Hof und Musik vom DJ.

WANN IST DAS FERTIG?

Doch zurück zum Wetterbericht. „Wir schätzen heute mal nicht“, empfiehlt Mathias Schröder, Agile Coach beim Logistikunternehmer Kühne und Nagel. Sein Ziel ist es, uns den Zungenbrecher Probabilistisches Forecasting näher zu bringen. Schließlich lautet die zentrale Frage in jedem Produkt: „Wann ist das fertig?“ Weil es heutzutage in der Produktentwicklung genauso komplex und dynamisch wie beim Wetter zugeht, kann niemand eine absolut richtige Antwort geben. Deshalb schlägt Matthias vor, lieber mit Wahrscheinlichkeiten zu arbeiten. Dazu müssen wir aber erst einmal Daten sammeln, um Zeitaufwand und Kosten zu schätzen. Logisch: Je weiter wir in die Zukunft blicken, desto ungenauer wird unsere Vorhersage. Ich staune über Monte-Carlo-Simulationen und Skeddar-Plots, die Daten aus der Entwicklung aufbereiten. Für mich als Freelancer ist die Methode nur bedingt geeignet.

ALLES NUR EIN SPIEL?

Bevor die Konferenz zu Ende geht, will ich unbedingt noch das Project Manager Game ausprobieren. Meine Spielfigur ist eine blonde Projektmanagerin mit Brille. Um zu überleben, muss ich zahlreichen Kollegen aus Entwicklung, Management, Marketing und Design ausweichen. Immer schneller tauchen neue Figuren auf dem Bildschirm auf. Es braucht meine ganze Aufmerksamkeit, damit wir nicht unsanft zusammen stoßen – ganz wie im echten Projekt :-)

Productmanager-Game Ich staune nicht schlecht, denn Malte hat das Spiel in dem Prototyping-Tool Axure programmiert hat. „Das kannst Du theoretisch auch, Du warst doch in unserer Schulung!“ grinst er mich an. Stimmt, denn im Grunde ist das Game nichts anderes als ein interaktiver Klick-Dummy! Das Geheimnis liegt darin, den Elementen auf verschiedenen Layern bestimmte Ereignisse und Aktionen zuzuweisen.
Ich überlege gerade, welche Widgets Malte wohl verwendet hat, als ich mich ein Zuschauer anspricht: „Sag mal, was machen die von eparo eigentlich sonst noch?“ Wenn das mal nicht für die vornehme Zurückhaltung des Veranstalters spricht, die Konferenz nicht zur Eigenwerbung zu missbrauchen! Andererseits ist es mal wieder an der Zeit, eine Lanze für qualitatives User Testing in Zeiten von Analytics und datengetriebener Produktentwicklung zu brechen. „Data driven ist nicht gleich Data Informed“, hatte uns Marc Kadish, Director Product bei Xing, am Vormittag mit auf den Weg gegeben. Und eingebläut, dass der Mensch zwar aus Erfahrungen lerne, aber nicht sicher sein kann, ob seine Erkenntnisse auch in der Zukunft funktionieren. Und dagegen hilft nur: Hypothesen formulieren, Experiment aufsetzen und validieren, Ergebnis messen und bewerten! Und zwar am besten im Team, denn das hat die größte Kompetenz, um eine Lösung zu finden.

Mit vielen neuen Methoden und einem Glückskraut im Gepäck mache ich mich nach zwei langen Tagen auf den Heimweg. Und überlege mir, wie ich die vielen Anregungen, praktischen Tipps und strukturierten Vorgehensweisen am besten in meinen Projektalltag integriere. Eins ist sicher: Der digitale Wandel wird nur funktionieren, wenn wir über Team- und Abteilungsgrenzen auf Augenhöhe zusammen arbeiten, mit einer handfesten Strategie, und in einer offenen und vertrauensvollen Kultur.

working products 2017Herzlichen Dank an alle Teilnehmer und Redner, die mit bestem Beispiel voran gegangen sind! Und besonders an Rolf und das Organisationsteam, die stets mit einem offenen Ohr auf die Bedürfnisse der Besucher eingehen und zeigen, dass schon kleine Veränderungen am Setting positiv wirken und Teilnehmer glücklich machen. Psst, nicht weiter sagen: Hamburg und die Working Products sind unbedingt eine Reise wert!

Hier noch ein paar Zitate von den Teilnehmern:

„Habe Denkanstösse für ein nutzerzentriertes Mindset bekommen“
„Habe große Lust, am Montag wieder ins Büro zu gehen, die vielen Anstösse im Arbeitsalltag gleich auszuprobieren!“
„Gute Community, tolle Atmosphäre, familiär““
„Genug Zeit für Begegnungen und gemeinsames Abhängen“
„Für mich als Hamburger ein Heimspiel, sehe Freunde, fast ein Klassentreffen“
„Schonungslose Darstellung, viel Respekt und Selbstreflexion“
„Praktische Informationen aus der Praxis!“
„Schätze sehr den Austausch über den Tellerrand, sonst spricht man ja nur mit internen Kollegen“
„Nicht zu groß, man kommt quasi mal mit jedem ins Gespräch!“
„Auf große Konferenzen gehe ich nur noch mit Kollegen, sonst steht man da allein und einsam rum, schrecklich…“
„Das offene Konferenz-Format wird sich durchsetzen, passt ja auch zu Lean!“

Alle Fotos ©Beata Lange

 
25. November, 2016

Der World Usability Day durch die „Nutzerbrille“ eines Außenstehenden

Redaktion: Beate Winter

Vor einer Woche fand der World Usability Day (WUD) auch wieder in Hamburg statt. 400 Teilnehmer waren in diesem Jahr auf dem Campus der HAW Hamburg. Ein neuer Rekord. Diesjähriger Schwerpunkt: Sustainable (green) User Experience. Was ist denn eigentlich Sustainable oder Green UX? Diese Frage wurde immer wieder gestellt. Auch von Experten. Antworten erwarteten wir von der German UPA und haben Vertreter des Berufsverbandes eingeladen. Außerdem sollten natürlich Vorträge und Workshops, Diskussionen und Gespräche während der Konferenz zur Klärung beitragen. Erstmals haben wir auch einen Journalisten und Texter eingespannt. Bewusst haben wir jemanden ausgesucht, der nicht aus „der UX- Szene“ kommt. Eine Reportage von Torsten Sannwald über den Tag, der die Welt verbessern soll.

Neues für Nutzer

Das Forum der Ideen auf dem World Usability Day 2016 in Hamburg

WUD 2016 Hamburg, Julian Mengel

CO2 arme Websites? Stellen wir uns vor, das Internet sei ein Land. Dann wäre es in puncto Stromverbrauch das sechstgrößte Land der Erde. In seinem Vortrag (Vortragsfolien) rechnet der studierte Biologe Julian Mengel vor, dass durch lange Ladezeiten und riesige Bilddatenflut weltweit Millionen Tonnen an CO2 in die Atmosphäre geblasen werden. Die Lösung zur Minimierung kostet weder Geld noch Aufwand. Bei der Erstellung von Websites einfach Bilder komprimieren und auf das Performance Budget achten – bei mobiler Nutzung zum Beispiel eine Ladezeit von maximal drei Sekunden. Auf diese Weise konnte etwa bei einem großen deutschen Webservice die Ausstoßlast um zwei Drittel reduziert werden.

Ein erstes Aha-Erlebnis. Denn das leuchtet selbst dem ein, der sich unter Usability oder User Experience nur schemenhaft – unter Sustainable User Experience überhaupt und rein gar nichts vorstellen konnte. Denn meine Digital-Affinität beginnt bei Emails und hört bei Spiegel Online und car2go auch schon auf. Gleich bei der Einladung zum WUD wies ich ausdrücklich auf mangelnde Kenntnisse hin, jedoch wies man mich daraufhin genauso ausdrücklich darauf hin, dass dieser Umstand nicht schlimm – sondern es im Gegenteil ganz interessant sei, mal zu lesen, wie der WUD auf jemand wirke, dessen Kernkompetenz – um es vorsichtig auszudrücken – nicht gerade im Digital Business liegt.

 

Abgesehen von mir sind die restlichen der rund 400 Besucher aber schon alle mehr oder weniger vom Fach. Viele sind hier, die sich austauschen und inspirieren möchten, wie der Art Director, dessen Kollegen in der Agentur Jobs immer nur standardmäßig abarbeiten – es sei denn, es kommen veränderte Vorgaben vom Chef oder vom Kunden selbst. Eigeninitiative und Kreativität? – Fehlanzeige. Oder der Creative Director, der hier nach talentiertem Nachwuchs sucht. Oder die zwei Interaction Designerinnen, die mit spezifischen fachlichen Fragen kollegiale Unterstützung erhoffen. Oder der Manager aus dem Führungsteam eines schweizerischen Wasserversorgers, der hier bei der Entwicklung von Nachhaltigkeitsapplikationen wertvolle Impulse mitnehmen möchte.

WUD 2016 Hamburg, Christoph Buckler

Dass Sustainable (green) UX neben der technischen vor allem auch über eine gesellschaftliche Dimension verfügt, erörtert Christoph Buckler in seinem Vortrag „Designprinzipien für Green UX“ (Vortragsfolien). Darin geht er auf die besondere Verantwortung von Designern und Entwicklern ein. Er beschreibt Möglichkeiten zur Einflussnahme auf umfassendere Problemlösungen, die sich nicht nur auf die Optimierung der Performance beschränkt – sondern sich auf den gesamten Lebenszyklus bis hin zum Recycling eines Produktes erstreckt.

WUD 2016 Hamburg

In „Digitale Communities für ländliche Regionen“ (Vortragsfolien) wird’s amüsant. In Wort und Bild beschreibt Steffen Hess, Fachvorstand von German UPA, Stolpersteine, die zwischen Konzeption und nutzertauglicher Umsetzung einer digitalen Packstation liegen können. Das Projekt im Rahmen der »Digitalen Dörfer« vom Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE, zeigt, wie Mobilität und Logistik mit intelligenter Technologie verzahnt werden kann, sodass für Bevölkerung und Unternehmen ein Mehrwert entsteht.

 

In der Mittagspause plaudere ich am Stand von Ratio Drink, einem Kooperationspartner des WUD. Deren „Konferenzflasche“ ist eine weitere Interpretation zum Thema Usability. Das Produkt wird hauptsächlich von Gastronomie und Cateringfirmen bei Veranstaltungen eingesetzt. Es besteht aus einer Glasflasche, die der Besucher mit seinem Namen beschriftet und während der gesamten Veranstaltung behält und wiederverwenden kann. An einer Auffüllstation stehen Container mit Bio-Sirups in verschiedenen Geschmacksrichtungen bereit, die einfach mit Wasser angerührt werden. Und so wird mit diesem Konzept der Konsument – schwuppdiwupp – selbst zum Getränkeproduzenten.

(Fotos Lego Serious Play Workshop: © O. Lorenzen-Schmidt)

Tausende von Legosteinen warten am Nachmittag gespannt darauf, was aus ihnen wird. Eine möglichst lange, möglichst stabile und möglichst schöne Brücke; die Materialisierung eines persönlichen Wunsches; oder der Ausdruck dessen, was man selbst unter Sustainable UX versteht – so lauten die Aufgaben beim Lego Serious Play Workshop von Irene Schuler. Auf abstrakte Aufgaben hin werden alleine oder in der Gruppe Ideen erarbeitet, bei denen sich die Entwicklung der Lösung aus der Visualisierung ergibt – Kreativität aus dem Zusammenspiel von Kopf-Bewusstsein und Unterbewusstsein, dass seinen Ausdruck über die Hände findet. Am Tag eins nach der Wahl eines Präsidenten, der die Zukunft mit den Rezepten von gestern zu gestalten verspricht, ist das ein moderner Konzeptansatz mit ungleich mehr Potenzial.

Damit findet ein inspirierender Tag seinen leichten, erlebnisreichen und unterhaltsamen Ausklang. Fazit: als einer, der noch aus der guten alten Zeit der Print-Werbung kommt, in der es darum ging, meist Unnützes möglichst geländegängig an den Konsumenten zu bringen, habe ich beim WUD erfahren, dass User Experience oder Usability organischer Bestandteil einer erweiterten Form von Kommunikation ist. Einer Kommunikation, die dem Konsumenten natürlich auch etwas verkaufen will, ja – aber darüber hinaus den Anspruch hat, an einem positiven gesellschaftlichen Wandel mitzuarbeiten.

 
15. November, 2016

Unser Rekrutierungsgott als Speaker auf der IA Konferenz

Schon fast traditionell beteiligen wir uns an der IA Konferenz (DER Konferenz für Informations-Architektur in Deutschland) durch Beiträge oder auch mal als Sponsor. In diesem Jahr war unser Rekrutierungsgott Lars als Speaker auf der IA Konferenz. Er berichtete den Teilnehmern über seine Erfahrungen mit Fake Probanden oder wie er sie in seinem Beitragstitel nannte: „Toxische Probanden“.

Lars als Speaker auf der IA Konferenz

Obwohl der Slot von Lars am Samstag Nachmittag lag und strahlender Sonnenschein in Berlin eigentlich eher zu Ausflügen in Parks oder an Seen einlud, stieß sein Beitrag auf hohes Interesse und war sehr gut besucht. Er wollte seine Präsentation eigentlich mit einer kurzer Einführung zu Gründen und Abläufen von Test starten – nach Rückfrage beim Publikum zeigte sich allerdings, dass alle schon reichlich Vorwissen hatten und er diesen Punkt guten Gewissens überspringen konnte.

Es ging also direkt los. Anhand von Beispielen aus seinem fast 20-jährigen Erfahrungsschatz erklärte Lars, wie Fake Probanden entlarvt werden können. Da gab es beispielsweise die Probandin, die für eine Banking Studie eingeladen werden sollte. Sie gab an, Abitur gemacht zu haben und 4.000€ im Monat netto zu verdienen. Soweit so gut. Allerdings gab sie bei der Frage nach ihrem Job an, als Kassiererin in einem Supermarkt zu arbeiten. Da wurde der Caller natürlich stutzig und auch das Publikum auf IA Konferenz erkannte sofort, dass da etwas nicht stimmen konnte.

Aber so offensichtlich ist es nicht immer: ein weiteres Beispiel war ein Automobiltest mit einem berühmten deutschen Sportwagen. Der Proband gab an, Besitzer eines Fahrzeugs eines Premiumherstellers zu sein und seine weiteren Angaben (Immobilienmakler, 8.500€ Nettoeinkommen, usw.) passten zu dieser Aussage. Als der Test begann, bekam er den Autoschlüssel ausgehändigt und sollte das besagte Premiumfahrzeug starten. Er setzte sich in das Auto und suchte dann rechts neben dem Lenkrad nach dem Zündschloss, welches sich bei diesem Fahrzeug jedoch auf der linken Seite befand – da wurde der Test sofort abgebrochen. Wie sich später herausstellte, war er kein Immobilienmakler sondern Staplerfahrer im Hafen und hatte kein Premiumfahrzeug sondern ein Auto eines Massenherstellers. Um solche Vorfälle zu vermeiden, lässt sich Lars seitdem bei ähnlichen Studien stets den Fahrzeugschein zeigen, bevor er den Probanden einbucht.

Lars auf der IA Konferenz

Nachdem Lars von seinen Erfahrungen berichtet und hilfreiche Tipps gegeben hatte, begann die Fragerunde. Hier wollte ein Teilnehmer beispielsweise wissen, wie oft Fake-Probanden vorkommen („Immer öfter, da sich immer mehr Probanden anmelden“). Aber auch allgemeine Fragen zur Rekrutierung wurden gestellt. Ein Teilnehmer wollte beispielsweise wissen, ob es ein Mindestalter für Probanden gibt („Es gelten die allgemeinen Gesetze zur Geschäftsfähigkeit, sprich unter 18 Jährige nur mit Einverständnis der Eltern.“). Auch nach seinem Vortrag kamen noch einige Kongressteilnehmer mit Fragen auf Lars zu.

Der trotz des schönen Sommerwetters gut besuchte Vortrag und die zahlreichen Fragen zeigen deutlich, dass die Rekrutierung passender und guter Probanden ein immer aktuelleres Thema ist. Die Präsentation von Lars findet ihr übrigens auf Slideshare.

 
20. Oktober, 2016

World Usability Day 2016 – Mit User Experience zu mehr Nachhaltigkeit

blogbeitrag

Usability und User Experience (UX) sind zwei wesentliche Produktqualitäten, die heutzutage den Unterschied ausmachen. Über lange Zeit vernachlässigt, erreichen diese mittlerweile in Deutschland eine immer größere Sichtbarkeit. Nicht ganz unbeteiligt daran sind zahlreiche engagierte Designer, Psychologen, Informatiker und viele Weitere, die täglich ihre Fahne hochhalten und an Produkten für die Menschen und mit den Menschen arbeiten. Dabei stehen nicht die Technologien im Vordergrund, sondern die Menschen, die von Technologien unterstützt werden.

Um die bisherigen Errungenschaften und Erkenntnisse zu den Themen Usability und User Experience gemeinsam zu feiern sowie deren Bedeutung in die Welt zu kommunizieren und zu stärken, findet am 10. November 2016 der mittlerweile 12. World Usability Day (kurz: WUD) statt. Insgesamt gibt es an dem Tag weltweit rund 200 kostenfreie Veranstaltungen in mehr als 40 Ländern und auch Deutschland ist mit fast 20 Standorten wieder dabei. Der WUD in Deutschland ist eine Veranstaltung der German UPA (Berufsverband der Deutschen Usability und User Experience Professionals) und wird in Hamburg seit 2007 von eparo in Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW Hamburg) organisiert.

Auf dem WUD in Hamburg möchten wir die Auswirkungen interaktiver Produkte und Systeme auf unsere Welt zusammen mit den Teilnehmern betrachten und diskutieren. Dazu wird es 11 spannende Vorträge und verschiedene Workshops geben. Das diesjährige Schwerpunktthema ist „Sustainable (Green) UX“ – doch was kann man darunter eigentlich verstehen? Wir haben unsere Besucher aus dem letzten Jahr gefragt und festgestellt, dass viele zum ersten Mal von Nachhaltigkeit in Verbindung mit UX hören und sich darunter nichts Konkretes vorstellen können. Daher haben wir Holger Fischer, den Vizepräsidenten der German UPA, gebeten, einmal genauer zu erläutern, was „Sustainable User Experience“ bedeutet:

Holger Fischer, Vizepräsident der German UPA

Das Thema in diesem Jahr lautet „Sustainable User Experience“. Doch wie passt das Thema Nachhaltigkeit mit User Experience zusammen? Nachhaltigkeit und User Experience sind von Beginn an miteinander verflochten und verfolgen eigentlich die gleichen Ziele. Sie beide fokussieren das Produkt von der Schaffung bis zur Erfahrung für Menschen und schaffen das beste Erlebnis. Grüne und nachhaltige Produkte berücksichtigen Ziele wie Recycling, Wiederverwendung und schrittweise Verbesserung. Es geht darum, bestehende Produkte und Dienstleistungen zu nehmen und Wege der Entwicklung zu verfeinern, neu zu gestalten, sie effektiver, effizienter und wiederverwendbar in einer Weise zu machen, um das Leben eines jeden Menschen zu verbessern. Dabei lassen sich drei verschiedene Bereiche der Nachhaltigkeit betrachten, die miteinander einhergehen: Ökologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Nachhaltigkeit.

Ökologische Nachhaltigkeit: Die ökologische Nachhaltigkeit thematisiert die Ressourcenschonung und lässt sich auch als „Green UX“ bezeichnen. Durch die Digitalisierung sämtlicher Lebens- und Geschäftsbereiche wird so beispielsweise versucht, das „papierlose Unternehmen“ zu realisieren, indem Rechnungen, Aufträge, Verträge und vieles Weitere nur noch digital erstellt, verschickt, verarbeitet und archiviert wird. Zudem wird ebenfalls das Thema Energie in den Fokus gerückt. Apps auf unserem Smartphone oder im Unternehmen helfen uns dabei unser Haus oder Unternehmensgebäude intelligent zu gestalten und so auf unseren Energieverbrauch zu achten.

Gesellschaftliche Nachhaltigkeit: Eng mit der ökologischen Nachhaltigkeit ist auch die gesellschaftliche Nachhaltigkeit verbunden. Ein wesentlicher Aspekt der UX ist unter anderem die intrinsische sowie extrinsische Motivation der Gesellschaft. UX kann hierbei helfen, die Einstellung jedes einzelnen zu prägen, ihnen das Thema der Nachhaltigkeit näher zu bringen sowie bewusst zu machen und deren Persönlichkeit mit zu entwickeln. Über ein entsprechendes Nutzererlebnis, bei dem sich Personen aktiv mit Ökologie und Ressourcenschonung auseinandersetzen, entstehen neue innovative Ideen. Mit Gleichgesinnten vernetzt, entsteht hier das Potential, dass diese Ideen eine nächste Ebene erreichen.

Wirtschaftliche Nachhaltigkeit: UX in Bezug auf die wirtschaftliche Nachhaltigkeit fokussiert unter anderem die Wiederverwertung von existierenden Konzepten, Produkten und Dienstleistungen. Bestehende Wege der Entwicklung lassen sich durch UX verfeinern, erneuern sowie effektiver, effizienter und wiederverwendbar gestalten. Eine entscheidende Ressource für Innovationen im Unternehmen sind deren Beschäftigte. Damit Innovation entstehen können, bedarf es entsprechender Freiräume und Unterstützungsmöglichkeiten. Durch angemessene und gebrauchstaugliche Apps und Systeme zur digitalen Assistenz der Beschäftigten, können diese sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und gezielt gefördert werden. Dabei lässt sich zudem auch Inklusion realisieren und eine soziale Gleichheit herstellen. Wirtschaftliche Nachhaltigkeit in der UX ist somit auch eng mit dem aktuellen Thema „Arbeit 4.0“ verknüpft.

Arbeit 4.0 ist ein Begriffskonstrukt, dass die zunehmenden direkten und indirekten Wechselwirkungen der Digitalisierung auf sämtliche Prozesse der Arbeitsgestaltung, Arbeitsorganisation und Arbeitsbedingungen sowie Aus- und Weiterbildung beschreibt.  Neue Technologien verändern ganze Wertschöpfungsketten und generieren neue, digitale Geschäftsmodelle. Gleichzeitig verkürzen sie Software-Innovationszyklen und führen neue Mensch-System-Schnittstellen ein. Konsequenzen, die sich daraus ergeben, sind Veränderungen menschlicher Arbeitsabläufe. Menschen erhalten neue Verantwortungen und büßen gleichzeitig Wissen und Kompetenzen ein. Dabei entsteht die Frage, ob die Technologie oder der Mensch die Kontrolle hat und die Entscheidungen trifft. Arbeit 4.0 thematisiert unter anderem Aspekte der Selbstorganisation und diskutiert neue Arbeitsformen, bspw. agile Unternehmensstrukturen. UX unterstützt dabei die positiven Veränderungen der Arbeitswelt hin zu mehr Flexibilität, Zufriedenheit und einem besseren Miteinander. Dadurch wiederum werden Bedingungen geschaffen, die eine nachhaltige und ganzheitliche Entwicklung gebrauchstauglicher Produkte und Services fördern. Das heißt, dass sich die Nachhaltigkeit auch auf den UX-Prozess als solches beziehen kann. Projekte sollten nicht nur auf der inhaltlichen Ebene mit den Auftraggebern durchlebt, sondern diese auch während des gesamten Projektes eingebunden werden. Es geht demnach auch darum, beim Auftraggeber das Wissen über die UX-Vorgehensweise zu transferieren, um ihn beim Wandel der Organisationskultur bzw. Denkweisen im Unternehmen zu unterstützen.

Zusammenfassend ist „Sustainable UX“ also ein vielseitiges Thema, welches drei wesentliche Ziele verfolgt:

  1. Gestaltung eines positiven Einflusses – auf den Klimawandel, soziale Gleichheit und Inklusion
  2. Förderung eines „grünen“ Verhaltens durch Apps und Co.
  3. Bildung einer ganzheitlichen Sicht der Nachhaltigkeit

Ethik, Werte und Handeln stehen im Fokus. Usability und User Experience Professionals nehmen dabei verschiedene Rollen ein, damit diese ambitionierten Ziele erreicht werden können. Sie sind Erzieher und somit verantwortlich für Bildung durch formelles oder informelles Lernen. Über positive Nutzererlebnisse prägen sie die Denkweisen in unserer Gesellschaft. Als Innovator realisieren sie neue Ideen und zeigen, welchen Unterschied eine positive UX ausmachen kann. Bestes Beispiel hierfür ist Steve Jobs, der mit seinen Produkten das digitale Zeitalter der letzten Jahre entscheidend geprägt hat. In der Rolle des Disruptor rufen UX Professionals radikale Veränderungen hervor. Bekannte Beispiele hierfür sind Airbnb oder Uber. Hierbei sind gänzlich neue, digitale Geschäftsmodelle entstanden. Airbnb besitzt keine eigene Immobilie und Uber kein eigenes Taxi, aber beide haben den Zahn der Zeit getroffen und vernetzen Gleichgesinnte, die Wohn- oder Fahrgemeinschaften bilden möchten und einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.

Die Profession der Usability und User Experience Professionals ist vielseitig und multidisziplinär. Sie reduzieren Barrieren und bauen Brücken zu anderen Disziplinen. Es liegt an jedem Einzelnen, diese Verantwortung zu übernehmen, wenn wir unsere Welt ein Stückchen besser machen und genießen wollen.

 
24. August, 2016

World Usability Day 2016 in Hamburg – Sustainable (Green) UX

DSCF1056

Der World Usability Day (WUD) 2016 findet am 10. November statt und wird wieder von eparo in Kooperation mit der HAW organisiert. Das diesjährige Schwerpunktthema Sustainable User Experience finden wir großartig, da es deutlich macht, dass unsere Arbeit auch ökologische und soziale Aspekte berücksichtigen muss: Wie können wir Usability so gestalten, dass weniger Energie und Rohstoffe verbraucht werden? Wie tragen wir dazu bei, dass durch User Experience im Kontext der Vernetzung nachhaltige Formen des Zusammenlebens entwickelt werden?

Diese und andere Fragen zur Nachhaltigkeit können auf dem WUD gemeinsam diskutiert werden. Da in vielen Unternehmen Nachhaltigkeit immer mehr in den Fokus rückt, erwarten wir auch viele Teilnehmer aus anderen Bereichen, wie z.B. aus der Informatik, dem Ingenieurwesen oder dem Produktmanagement. In Vorträgen und Workshops wollen wir gemeinsam erarbeiten, wie Produkte effektiv, effizient und wiederverwendbar entwickelt werden können und wie nachhaltige Prozesse der Produktentwicklung Ziele wie Recycling, Wiederverwendung und schrittweise Verbesserung berücksichtigen können.

Die Teilnahme am Hamburger World Usability Day ist übrigens kostenlos!

Alle Infos zum WUD in Hamburg gibt es auf der Website: wudhh.de
Folge dem WUD auf twitter: @wud_hh

 
5. Dezember, 2015

World Usability Day 2015 in Hamburg: Ein Rückblick

 

Zuerst möchten wir der German UPA und der UXPA zum 10 . World Usability Day (WUD) gratulieren! Danke, dass ihr diesen Tag ins Leben gerufen habt. Es gehört viel Enthusiasmus dazu, die vielen Veranstalter zu vernetzen und Tausende Teilnehmer zu begeistern.

Teilnehmerrekord in Hamburg – Vortragende und Besucher aus ganz Deutschland

Zuhörer im Ditze Hörsaaleparo konzipiert und organisiert den WUD in HH seit 2007. Die Teilnehmerzahlen steigen jährlich. Innovation – das Motto des diesjährigen WUD hat den Rekord gebrochen. Rund 320 Teilnehmer besuchten 18 Vorträge und sieben Workshops. Die Hörsäle und Seminarräume der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), unserem Kooperationspartner, waren bis auf die letzten Plätze belegt. Während der WUD HH anfangs eher ein „Familientreffen“ der Hamburger UX-Szene war, reisten viele Teilnehmer und Vortragende in diesem Jahr aus ganz Deutschland an. Teilweise als Kleingruppen aus Unternehmen oder Universitäten. Das Publikum wird von Jahr zu Jahr bunter.

Vielen Dank an die Sponsoren des WUD

Wir danken natürlich auch unseren Sponsoren (Books on Demand, Ergosign, Eventim, Human Interface Design, immonet). Sie haben dafür gesorgt, dass der WUD in Hamburg für die Teilnehmer kostenlos ist und alle Teilnehmer gut mit Essen und Getränken versorgt waren. Ihr seid hoffentlich im nächsten Jahr wieder mit dabei…

Innovation – in welchem (Arbeits-)Klima entsteht sie? Woran scheitert sie?

Innovation war das diesjährige Schwerpunktthema. Kein Wunder, denn Innovation beschäftigt uns alle. Transparenz der Finanzen und Gehälter, gemeinsame Werte, keine Chef-Positionen, Selbstorganisation – New Work ist komplex und nichts, was man von heute auf morgen umsetzen oder anordnen kann. Und es gibt kein übertragbares Muster. Agile selbstverantwortliche Teams sind Bedingung für gelungene Produkte und Projekte. Alles hängt hier zusammen.

Schwere Wahl – zu viele gute „Bewerbungen“!

Auf unseren Aufruf, Vorträge einzureichen, folgten gleich 30 sehr gute Vorschläge! Die Entscheidung fiel schwer. Deshalb haben wir alle, die sich regelmäßig bei eparo zur Arbeitsfrische treffen gebeten, sich einzumischen. Wir haben stundenlang diskutiert. Schließlich wurden drei statt zwei Tracks angelegt. Und 18 statt der geplanten 12 Vorträge ins Programm genommen.

Wissenschaft trifft Wirtschaft

knete-im-hid-workshopNeu war in diesem Jahr, dass sich die Hochschulen verstärkt angesprochen fühlten. Lehrende und auch Studenten verschiedener Hochschulen wurden für das Vortragsprogramm ausgewählt und haben auch Workshops gestaltet. Auch über den WUD hinaus möchten wir die Zusammenarbeit mit Studierenden der HAW fortführen. Wir geben gern Einblicke in unsere Arbeit. Und sind natürlich neugierig, was Studenten umtreibt.

Und die Workshops am Vormittag wurden sehr gelobt. Die Bandbreite war riesig: Von gelebter Kreativität bis zum intelligentem Wohnen.

Werbung für den WUD

aufmerksam-fu%cc%88r-das-gewo%cc%88hnlicheWir danken Matthias Müller-Prove, der auf seiner Website , über UXHH und über Twitter wie jedes Jahr rechtzeitig viel Werbung für den WUD gemacht hat und den coolen Raumplan der HAW veröffentlicht hat☺

Ach ja, Matthias hat auch zusammen mit Sven Klomp vormittags den wohl ungewöhnlichsten Workshop gemacht: „Aufmerksam für das Gewöhnliche“. Da bin ich das nächste Mal dabei.

 

 

Alles zum Nachlesen auf der WUD-Hamburg Website

twitterwallDas gesamte Programm und alle Vorträge zum Download findet ihr hier: wudhh.de

Außerdem wurde dieses Jahr sehr viel getwittert. Unter dem Hashtag #wudhh könnt ihr das natürlich alles nachlesen. Während der Veranstaltung konnte man es live auf der Hashtag-Wall verfolgen.

 

 

Um den WUD herum: Die Welt verbessern – Haltung zeigen

Soziale Projekte unterstützen

Wir sind froh, dass wir seit Kurzem einen neuen Caterer im Boot haben: Die Produktionsschule Altona. Jugendliche, die Schule bisher nicht zum besten Freund hatten, machen hier andere (Lern)-erfahrungen. Mit Erfolg. Sehr coole Organisation mit sehr engagierten Menschen!

Übrigens: Die Produktionsschule Altona sucht dringend neue Räumlichkeiten im Raum Hamburg-Altona. Es müssten allerdings 1000 bis 1.200 Quadratmeter sein zu einem sehr erschwinglichen Preis.

Übrigens: Während der gesamten Veranstaltung gab es Getränke und Snacks. Mittags belegte Brötchen und Gemüse. Abends haben wir zu einem Get-together eingeladen. 19 Kisten Viva con Aqua, 3 Kisten Bier, 6 Pakete Kaffee, 320 halbe vegetarisch belegte Brötchen und Schwarzbrot. 3 Platten Gemüsesticks, 100 Muffins und 140 Laugenstangen. Alles war bis auf die letzte Möhre verputzt. Auch das war ein Rekord in diesem Jahr ☺

Spendensammlung für Flüchtlingsprojekte

spenden-fu%cc%88r-gefloheneDie Welt verbessern, nicht nur digital. Ein weiteres Herzensanliegen. Wir haben uns deshalb entschieden, auf dem WUD für Geflohene zu sammeln und diese Aktion auch in Zukunft weiter zu führen. Auch da fiel die Entscheidung sehr schwer. Die vielen anderen engagierten Einrichtungen und Organisationen hätten diese Unterstützung auch verdient!
Seawatch: Das 1. Privatschiff zur Flüchtlings-Ersthilfe im Mittelmeer in Deutschland. Seit Juni 2015 leistete die „Sea-Watch“ Flüchtlingsbooten vor der Küste Libyens Ersthilfe und führte Rettungsmaßnahmen im Rahmen ihrer Möglichkeiten durch, zudem forderte und forcierte sie die Rettung durch die zuständigen Institutionen. 2000 Vertriebene wurden bis Oktober 2015 gerettet!
MORE THAN SHELTERS: Vielleicht habt ihr sie schon gesehen, die weißen iglu-ähnlichen Zelte am Hauptbahnhof? Das sind DOMOS von MORE THAN SHELTERS (MTS). Bis Ende des Jahres sollen erste winterfeste DOMOS fertiggestellt sein. Wir würden gern helfen, diese Unterkünfte zu finanzieren.
Am Ende konnten wir 400 Euro auf die Spendenkonten verteilen. Wir wünschen Seawatch und MORE THAN SHELTERS viel Glück und Erfolg bei den aktuellen Einsätzen!

Last but not least – hinter den Kulissen

Kooperation mit der HAW

Natürlich hat auch unser „ewiger“ Kooperationspartner, die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) dazu beigetragen. Nicht nur durch das Raumsponsoring von Anfang an. Auch Friederike Kerkmann trägt seit 2014 maßgeblich dazu bei, dass die Kooperation perfekt gelingt. Außerdem hat sich die Promotionsstudentin dafür eingesetzt, dass Lehrkräfte und Studierende sich aktiver am Programm des WUD beteiligen. Friederike, wir danken dir!

Organisation

andrea-und-chrisJede Veranstaltung steht und fällt mit der Organisation. Wir danken unserer WUD-Eventmanagerin Andrea Westermann dafür, dass wieder einmal alles perfekt geklappt hat und sie immer den Überblick behält:

„Die Herausforderung steigt von Jahr zu Jahr. Über den Tag verteilt haben uns 4 studentische Hilfskräfte und natürlich ganz extrem Friederike Kerkmann von der HAW unterstützt. Neu und sehr hilfreich war unsere kleine Sackkarre. Hat echt den Rücken geschont. Die Zusammenarbeit mir der HAW lief wieder super. Dieses Jahr waren wir schon ein eingespieltes Team und viele Abläufe waren selbstverständlich. Daher mein Fazit: Never change a running system ☺“(Andrea Westermann)

Ohne Technik hätte der WUD nicht stattfinden können. Wir danken unserem Kollegen Christian Reichel, der irgendwie in drei Räumen gleichzeitig dafür gesorgt hat, dass es überall Bild, Ton und zufriedene Gesichter gab.

Lessons learned

Wir haben auch einiges Feedback eingesammelt, das wir für die Planung im kommenden Jahr berücksichtigen werden. Es wird mehr Pausen zwischen den Vorträgen geben für Gespräche und den Austausch untereinander. Vermutlich werden wir auch schon vormittags Vorträge mit ins Programm nehmen.

Wie das genau aussieht, lassen wir euch rechtzeitig wissen. Bis dahin sagen wir erst einmal Tschüss.

 
11. März, 2015

Kongress Raum Schiff Erde RSE15 im Nochtspeicher HH

Realität ignorieren ?! – 2030 ist virtuell!

RSE15 Panorama

Rückblick von Malte Lücken und Christian Reichel

Der Raum Schiff Erde Kongress RSE15 ist ein eintägiger Kongress mit knapp 100 Teilnehmern und damit (zumindest begrifflich) so etwas, wie eine vierteilige Trilogie an einem Tag. Daher ist das diesjährige Motto „Don’t Panic“ als Hommage an Douglas Adams und „The Hitchhikers Guide to the Galaxy“ mehr als passend. Eparo ist wie immer Sponsor. Malte und Christian waren dabei.

Keine Panik!

Auch wenn wir uns in 15 Jahren fast ausschließlich in einer virtuellen Welt bewegen, wenn Drogen auf USB-Sticks speicherbar sind und wir vielleicht nicht einmal mehr merken, wann wir mit Computern interagieren – es gibt keinen Grund zur Beunruhigung.

Die Einzigen, die kurzzeitige Panikattacken hatten, waren die Vortragenden, die es mit einem Beamer-Kabel mit Wackelkontakt zu tun bekamen.

Große Rolle für digitale Services

Unser Fazit nach sieben Stunden: digitale Services werden in Zukunft eine noch stärkere Rolle spielen, als sie es heute bereits tun. Sollte sich Moore’s Law bewahrheiten, dann werden wir in 15 Jahren 1000 Mal bessere Computer und Displays haben – so Prof. Dr. Frank Steinicke, Professor an der Universität Hamburg. Zu den Folien.

“Realität” ignorieren. Neue Ideen in Prototypen umsetzen.

Außerhalb der immersiven, virtuellen Welten ist und bleibt die direkte Interaktion mit digitalen Services ebenso wichtig. Da es allerdings Vielen schwer fällt, neue Interaktionsmöglichkeiten zu entwickeln, nannte Prof. Stefan Wölwer drei Methoden, den Gedankenblocker namens „Realität“ zu ignorieren: Design Fiction, Speculative Design und Wirklichkeitsschaffung durch Interaktion. Zu den Folien.

Alle drei Methoden haben allerdings eines gemeinsam: sie erschaffen Prototypen, die getestet werden und der Visualisierung eigener Idee dienen können.

Natürlich war das nicht alles, was auf dem RSE15 lief. Einige interessante Gedankengänge und Inspirationen haben wir mitgenommen. Die Band Lunartree bildete mit leicht melancholischer, ruhiger, akustischer Musik den krönenden Abschluss.

 
1. Dezember, 2014

Der World Usability Day 2014 in Hamburg: Sitzordnung

World Usability Day 2014

Der World Usability Day 2014 am 13.11.2014

Service Design zwischen Nutzerfreundlichkeit und Weltverbesserung

1 – Alle Vorträge zum Download
2 – Der WUD 2014 in Hamburg: Zwei Rückblicke
3 – Revolte und Umsturz: Im Track 1 beginnt die Zukunft
4 – Track 2: Meinungen zu User Experience
5 – Der Einfluss der Sitzordnung auf die Workshopatmosphäre

Wie du sitzt, so arbeitest du – ein zufälliges Experiment bei den WUD-Workshops.

Form Follows Function – auch im Aufbau von Workshop-Settings!

Wer schon einmal Workshops moderiert hat, weiß, dass ein gut durchdachtes Setting die halbe Miete für das erfolgreiche Arbeiten mit Gruppen ist. Nur wenn der Raum und die Sitzanordnung das Workshop-Konzept optimal unterstützen, entsteht wie von Zauberhand eine magische Arbeitsatmosphäre.

Die verschiedenen Workshop-Formate des World Usability Days zeigen deutlich, wie treffend der räumliche Aufbau den inhaltlichen Zielen der Gruppenarbeit folgen kann. Von Diskussionsrunden über Sketching-Workshops bis in den Open Space und die freie Kontemplation konnten in sechs verschiedenen Workshops ganz unterschiedliche Settings und Arbeitsatmosphären aufgefangen werden.

Starre Sitzordnung im Workshop 1

Workshop 1: User Centered Content

Dr. Rolf Schulte Strathaus, eparo GmbH und Mirko Gründer, freier Journalist

Fest im Fußboden verschraubt werden die Tische des Workshop-Raumes in einer statischen U-Form festgehalten. Die klassische Konferenzsaal-Anordnung der Tische scheint die Teilnehmer des User Centered Content Workshops nicht nur zu einer intensiven Diskussion, sondern auch zur Einnahme einer förmlichen Sitzhaltung zu verführen. Das Ergebnis überzeugt als eine facettenreiche Debatte über User Centered Content Design.

Kreatives Arbeiten im Workshop 2

Workshop 2: Realtime Sketching von Personas

Bianca Alt und Susann Maßlau, Ergosign GmbH

Einzelne Tisch-Inseln separieren die Teilnehmer des Persona Sketching Workshops von Anbeginn in vier Einzelgruppen. Das gemeinsame Zeichnen und der enge Austausch mit den Nachbarn schafft an jeder Arbeitsstation fortan eigene Gruppendynamiken. Für einen Außenbetrachter kann die gesamträumliche Atmosphäre dadurch chaotisch wirken, aber gleichsam fruchtbar. Das Setting stellt zumindest die Workshop-Leiterinnen vor unerwartete moderative Herausforderungen…

Weder Stühle noch Tische

Workshop 3: Aufmerksam für das Gewöhnliche

Sven Klomp, Sven Klomp Szenographie

Es finden sich weder Tische noch Stühle oder räumliche Vorgaben im kontemplativen Workshop namens „Aufmerksamkeit für das Gewöhnliche“.

Die meditative und wortlose Bewegung durch den öffentlichen Alltagsraum der Stadt und die Verdichtung der gewonnenen Erlebnisse im Dunkelraum kitzeln die Sinne der Teilnehmer. Die Verarbeitung der lebensweltlichen Eindrücke verlangt keine intensive Verbalisierung. Die Teilnehmer führen vielmehr friedliche, innere Dialoge.

Konzentriertes Arbeiten am großen Tisch

Workshop 4: Storyboards für digitale Services

Melina Pink (Illustratorin) für eparo

Die große Tisch-Tafel sorgt für eine geordnete und konzentrierte Atmosphäre im Workshop-Raum von Melina Pink. Die Teilnehmer sitzen an einer großen Arbeitsfläche vereint und orientieren sich am Geschehen der Gesamtgruppe. Hier erklingt kein stimmliches Durcheinander.

Die Teilnehmer sprechen mit Rücksicht auf die Gruppe nur leise mit dem Nachbarn. Eine Wonne für die engagierte Moderatorin und eine sichtbar erholsame Workshop-Arbeit für jeden Teilnehmer.

Stuhlkreis für den offenen Austausch

Workshop 5: 100% Engagement

Alexander Schilling (raumfuer)

Ein großzügiger Stuhlkreis und viel Platz in der Mitte. Der Arbeitsraum ist offen und fördert einen gestenreichen, ungehemmten Austausch der Teilnehmer in Zweierpaaren. Das rege Treiben wirkt dennoch geometrisch sortiert und in keiner Weise chaotisch.

Selbst das Stimmgewirr erzeugt – von außen belauscht – den harmonischen Klang vieler Dialoge, die nicht in eine gegenseitige Konkurrenz treten, sondern einer achtsam interagierenden Gesamtgruppe entspringen.

Wohnungsbesichtigung im LivingPlace

Workshop 6: Living Place – Wenn die Wohnung intelligent ist

Prof. Kai von Luck (HAW Hamburg)

Hier ging es nicht um Sitzordnungen, sondern es wurde der LivingPlace besichtigt bzw. von Kai von Luck vorgestellt. Viel Technik verborgen in schickem Interieur mit viel Zeit für interessierte Fragen.

Redaktion: Beate Winter

 
1. Dezember, 2014

World Usability Day 2014 in Hamburg: Alle Vorträge zum Download

World Usability Day 2014

Service Design zwischen Nutzerfreundlichkeit und Weltverbesserung

Engagement – unter diesem Motto fand am 13.11.2014 der neunte World Usability Day in Hamburg statt. Rund 220 Gäste kamen. Wie schon seit 9 Jahren hat eparo den weltweiten Aktionstag für Benutzerfreundlichkeit ihn in Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) organisiert.

1 – Alle Vorträge zum Download
2 – Der WUD 2014 in Hamburg: Zwei Rückblicke
3 – Revolte und Umsturz: Im Track 1 beginnt die Zukunft
4 – Track 2: Meinungen zu User Experience
5 – Der Einfluss der Sitzordnung auf die Workshopatmosphäre

 

1 – Alle Vorträge zum Download

Nachmittags gab es 12 Vorträge in 2 Tracks:

Track 1: Wie viel Kultur braucht Engagement?

Session 1: Was heißt eigentlich Engagement?

Matthias Müller-Prove (Interaktionsdesigner und Human Computer Interactivist)
All my engagements will construe to thee.
Laterale Betrachtungen zu Beziehungen zwischen Menschen, Initiativen und Brands.

Rainer Sax (freier User Experience Stratege und Service Designer)
[ãɡaʒ(ə)ˈmãː] Zu einem besseren Verständnis von Engagement.
„Wir UX Profis nehmen unsere Verantwortung nicht ernst. Uns fehlt es an Engagement. Das muss sich ändern!“

Manuela Bosch (Vanilla Way), Ilona Koglin (Whoopee Connections)
The Co-Creative Business Evolution
Eine Learning Journey für die kollektive Kreativität von Designern, Entwicklern, Kunden und Usern

Session 2: Unternehmen können keine guten Services bauen. Oder doch?

Timo Fritsche (XING AG)
Business Value & User Engagement – geht das?
Wie wir User Engagement wieder zurück auf die Roadmaps bekommen.

Daniel Neuberger (ThoughtWorks Deutschland)
Das „Biest“ Unternehmenskultur
Unternehmenskultur als entscheidender Erfolgsfaktor der digitalen Revolution

Dr. Rolf Schulte Strathaus (eparo GmbH)
Blumenkinder gegen Machiavellis: Kampf der Kulturen in größeren Unternehmen
Gibt es Hoffnung für die coolen Co-Creation und Design Thinking Ansätze in Konzernen?

 

Track 2: Zwischen Nutzerfokus und Weltverbesserung- über die Spielräume von UX

Session 1: User müssen gefragt werden. Oder nicht?

Ann-Catrin Wellhöfer / Dr. Andreas Sonnleitner (SinnerSchrader Deutschland GmbH)
In meinem Kopf macht es Sinn – wenn da nur nicht diese Nutzer wären…
„Ein speziell ausgebildeter User Experience-Consultant / -Designer / -Engineer allein macht noch keine guten Produkte!“

Lasse Lüders (Appmotion GmbH)
Das kannst Du schon so machen, aber dann ist es halt gewöhnlich.
Warum Dinge nicht immer nur funktionieren sollten.

Katharina Köth (Jung von Matt/next GmbH)
Die Schönheit liegt im Unterschied.
Ein Plädoyer für die selbstbewusste Konzeption digitaler Markenkommunikation.

Session 2: Welche Rolle spielt eigentlich der UX-Designer?

Tim Bosenick (GfK SE)
Über die Messung von User Experience.
Erfahrungen aus der Entwicklung und der internationalen Anwendung des „UX Score“.

Yeli Tong (XING AG)
While UX becomes hot, stay cool!
About the future role of UX.

Stephanie Weber, Aurelius Wendelken (Immonet GmbH)
Wie man mit offenen Daten die Welt verbessern kann.

Ein UX Designer, ein Entwickler und viele spannende open data Projekte – wie das zusammenpasst und warum es sich lohnt, sich zu
engagieren.

Redaktion: Beate Winter