eparo – Digital Service Design

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11. März, 2013

UX-Roundtable bei eparo: Das Unterbewusstsein zum Verbündeten machen…

Unbewusste Wahrnehmung, Neuromarketing und das Implizite sind die Hebel, um wirklich erfolgreiche digitale Produkte zu entwickeln. Das wollten wir im Rahmen des UX Roundtables in Hamburg am 4. März vermitteln. Konkreter: Wie funktioniert menschliche Wahrnehmung und wie kann ich das bei der Konzeption und Gestaltung optimal berücksichtigen?

Neurodesign und Implicit UX stoßen auf reges Interesse.

Viele Zuhörer beim UX-Roundtable

Viele Zuhörer beim UX-Roundtable

Intuitive Bedienbarkeit ohne Nachdenken zu müssen: Die Messlatte für wirklich gute digitale Produkte und Services liegt inzwischen schon ziemlich hoch. Intuitives Handeln geht natürlich nur über das Unterbewusstsein. Begriffe wie Neuromarketing und Neurodesign rücken daher als Themen ins Visier von Produktmanagern und UX-Designern.

Das wurde auch bei den Anmeldungen zum UX-Roundtable schnell deutlich. Ursprünglich sind wir von 40 Teilnehmern ausgegangen. Dann mussten wir die Zahl aufgrund immer neuer Anfragen fast im Zwei-Stunden-Takt auf schließlich 100 Teilnehmer erhöhen und einen guten Schwung Stühle mieten. Mit den üblichen Absagen waren am Schluss über 80 Gäste bei uns im Büro. Die Weinprobe von copito, dem Weingroßhändler bei uns im Gebäude, hatte da nichts mit zu tun. Das stand nicht in der Einladung :-)

Wir haben uns jedenfalls sehr gefreut über den bisher größten UX-Roundtable. An dieser Stelle daher nochmals vielen Dank für dieses enorme Interesse!

Hier die Slides zum Vortrag auf slideshare.com
Mehr zum Thema Implicit-UX gibt’s regelmäßig auf 53nord.de
Und der von Matthias Müller-Prove (@mprove) mitgeschnittene Ton im UX-HH Roundtable-Archiv

Implicit UX macht das Unterbewusstsein zum Verbündeten.

Im Kern ging es in meinem Vortrag „Unbewusste Wahrnehmung – Der vergessene Supercomputer“ um die Rolle des Unterbewusstseins für gute digitale Produkte und Services. Das Credo: Wirklich erfolgreiches UX-Design muss die unbewusste Wahrnehmung und die Erkenntnisse aus Neuromarketing und Implicit UX berücksichtigen. Neben vielen Beispielen aus der Forschung standen praktische Tipps für Konzeption und Design im Zentrum des Vortrags. Nach dem Vortrag gab es dann Wein von unserem Büronachbarn copito (www.copito.de) und noch sehr spannende Gespräche. Das Fazit dabei: Das Wissen um die menschliche Wahrnehmung ist die Grundvoraussetzung, um wirklich gute User Experience zu schaffen.

Zum Schluss: Das machen wir jetzt öfter!
Unser Fazit: Wir freuen uns noch immer über das Interesse an unserem Thema und denken, dass so ein Abend eigentlich die perfekte Nutzungsweise für unseren großen Flur ist. Bald feiern wir den Relaunch unseres benachbarten Weinhändlers. Das ist dann wieder eine schöne Gelegenheit für ein paar nette Gespräche und Gedanken – nicht nur zu Neuromarketing und Implicit UX. Einladung folgt.

folie33

Nutzer sind wie Elefanten: Unbeirrbar zielorientiert

 
7. Dezember, 2009

Usability ist selbst für große Firmen weiterhin (kein) Thema

Auf dem World Usability Day 2009 habe ich den Workshop „Quick Wins in Online-Prozessen finden und umsetzen“ veranstaltet. Während der Vorbereitungen habe ich ein weiteres Mal, mit wenig Aufwand feststellen können, dass Usability selbst in großen Unternehmen weiterhin nicht die nötige Relevanz erfährt.

Im Rahmen des Workshops sollten die Teilnehmenden einen Testleitfaden für einen Usability-Test erarbeiten. Ich war also zunächst auf der Suche nach einer Website, die wir exemplarisch als Testobjekt nutzen konnten. Die Seite sollte eine möglichst bekannte Shopping-Seite eines großen Unternehmens sein. Schnell kam ich auf die Idee, mir die Seite der Post anzusehen. Denn diese Seite wäre für jeden Workshop-Teilnehmer ein Begriff und die Funktionen, wie Briefmarkenkauf und Paketversand zur Weihnachtszeit mehr als passend.

Zunächst war ich skeptisch, ob eine solch bekannte Site, die schon lange im Netz Bestand hat, überhaupt leicht nachvollziehbare Usability-Probleme aufzeigen würde. Um das herauszufinden, führte ich einen Quick Experience Test durch. Schnell zeigte sich, dass die Seite zunächst von Nutzern als übersichtlich und optisch angenehm wahrgenommen wurde. Im Detail wurde jedoch deutlich, dass die Seite gravierende Hürden für Nutzer aufstellte. Das Spektrum reichte dabei von leichten Schwierigkeiten („Das hätte man anders machen können“), zu größeren Problemen (Nutzer ist auf der Site verloren), bis hin zum frustrierten Verlassen der Site ohne Kaufabschluss. Folgend, drei interessante Erkenntnisse der Tests:

Mouseover: Kein Klick = problematisch

Post StartseiteAuf der  Startseite der Post sind vier Reiter dargestellt, die trotz ihrer Größe beim zielstrebigen Briefmarkenkauf (unser Testszenario), kaum Beachtung fanden. Der Nutzer sah sofort im linken Bereich die gesuchten Briefmarken und wählte dort die gesuchten aus. Im Test bewegte der Nutzer dabei unbewusst den Mauszeiger über den Reiter „Werben“, der beim Mouseover dadurch automatisch aktiviert wurde. Durch Aktivierung des Reiters wurde jedoch -genauso  automatisch- die Briefmarkenliste links ausgeblendet. Dieser Zusammenhang war Nutzern nicht klar. Es war ihnen nicht einmal bewusst, dass sie einen anderen Reiter aktiviert hatten. Nutzer waren verloren und begannen die Suche nach Briefmarken von vorne und an ganz anderer Stelle. Der einfache Einstieg zum Briefmarkenkauf war, anscheinend unwiederbringlich, verschwunden.

Mouseoverinteraktionen fallen in Usability-Tests oft negativ auf. In diesem Beispiel kam erschwerend hinzu, dass sich Bereiche der Seite beim Aktivieren unterschiedlicher Reiter änderten, die nicht Teil eines Reiters zu sein schienen.

Überraschung: Formulareingabefelder werden für Eingaben genutzt ;-)

BriefmarkenauswahlDie in einer Liste aufgeführten Briefmarken erlaubten die Eingabe der Stückzahl pro Position in der ersten Spalte der Tabelle. Diese Eingabefelder wurden auch stets genutzt. Für Nutzer absolut frustierend war es jedoch, dass der Klick auf das Warenkorbsymbol in der letzten Tabellenspalte, nur den korrespondierenden Artikel der Zeile in den Warenkorb beförderte. Nutzer erwarteten, dass alle mit einer Stückzahl versehenen Artikel nach Klick auf das Warenkorbsymbol im Warenkorb landen. Noch ärgerlicher war es für Nutzer, dass, nachdem eine Position in den Warenkorb gelegt wurde, alle Stückzahlen neu eingegeben werden mussten.

Sofern das Formular mehrere Eingabefelder für Stückzahlen anbietet, wird auch erwartet, dass diese Eingaben beim In-den-Warenkorb-legen berücksichtigt werden.

Registrierungsprozesse: frustierend, nervend, langwierig

RegistrierungsformularDie Registrierung auf Webseiten ist für Nutzer immer wieder herausfordernd. Zwar kennen Anwender mittlerweile die typischerweise geforderten Daten (Name, Vorname etc.). Dennoch ist hier keine Standardisierung zu verzeichnen. In unserem Beispiel stellte die Registrierung Nutzer teilweise vor so große Schwierigkeiten, dass diese, außerhalb der Testsituation, vermutlich den Kauf abgebrochen hätten. Vielfältige Probleme machten es dem Nutzer nicht einfach:

  • Die Passwort-Ersatzfragestellung, die Nutzern gestellt wird, wenn sie ihr Passwort vergessen haben, konnten Nutzer bei der Registrierung festlegen. Dass bei der einzugebenden Fragestellung jedoch kein Fragezeichen erlaubt war („Sonderzeichen“, was ist das?), war Nutzern unverständlich.
  • Passwörter, die keine Sonderzeichen, mindestens 6 und maximal 8 Zeichen lang sein dürfen, Groß- und Kleinschreibung beinhalten müssen oder nicht, zweimal blind eingegeben werden müssen etc. sind für Nutzer nicht komfortabel ;-)
  • Fehlermeldungen wurden entweder übersehen, da die Schrift zu klein und die Darstellung zu unauffällig war oder sie wurden inhaltlich nicht verstanden. Außerdem war oftmals nicht klar, auf welches Eingabefeld sich die angezeigte Fehlermeldung bezieht.

Es wurden noch weitere Probleme festgestellt, die man zum Großteil relativ einfach beheben könnte.  Es ist aus externer Sicht nicht nachvollziehbar, weshalb die teilweise offensichtlichen Hürden nicht vor der Implementierung beseitigt wurden. Denn in kurzen und unaufwändigen Usability-Tests kann man viele Probleme vor dem Launch erkennen.

Für unseren Workshop war die Seite jedoch sehr geeignet. ;-)

Viele der gefundenen Schwachstellen lassen sich auch auf anderen Seiten immer wieder feststellen. Wir haben die Post nur als Beispiel gewählt.