eparo – Digital Service Design

Das Blog von eparo.de

30. März, 2020

eparo in Zeiten von COVID-19

eparo und COVID-19: Auch von uns ein Lagebericht

Das Titelbild sagt schon alles: Auch wir sind natürlich komplett im Home-Office und müssen das Teambild als Collage bauen. eparo macht Kurzarbeit, hat (fast) keine laufenden Projekte mehr, dafür aber die Muße, um nachzudenken und uns auf die Zeit nach Corona vorzubereiten.

Die Fakten

Seit dem 16.März hat uns Corona auch voll erwischt. Die meisten Projekte wurden erst mal auf unbestimmte Zeit gestoppt bzw. verschoben. Wir haben für alle Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet und sind jetzt im Home-Office. Da wir ja sehr viel in gemeinsamen Workshops arbeiten (Interviews beobachten und auswerten oder Ideenworkshops für neue digitale Produkte durchführen), können diese Workshops erst mal nicht stattfinden. Zunächst war das ein ziemlicher Schock, bis wir uns darauf besonnen haben, dass wir ja noch Glück haben:

  • Glück #1: Wir sind alle gesund und auch Eltern und Angehörige sind alle wohlauf.
  • Glück #2: Wir haben dank ungewöhnlich hoher Auslastung im Januar und Februar einen guten finanziellen Puffer und werden (bei Kurzarbeit) die nächsten Monate gut durchhalten.
  • Glück #3: Remote zu arbeiten ist für uns ja nichts Neues. Die Tools dafür (Slack, Zoom, Mural) nutzen wir ja schon seit vielen Jahren.

Remote-Tools bei eparoIm Vergleich zu vielen anderen kleinen Unternehmen, Freiberuflern und Selbstständigen geht es uns daher noch vergleichsweise gut.

Lustigerweise haben wir am 16. März sogar noch eine neue Kollegin (Johanna, 2 v.l. im Bild) eingestellt. Das fühlte sich zunächst irgendwie riskant an, aber wir haben uns dann gedacht, dass es ja auch eine Zeit nach der Krise gibt. Und „Eine Zusage ist eine Zusage“. Wobei es natürlich für Johanna sicherlich auch speziell ist, direkt am ersten Arbeitstag Kurzarbeit zu machen…

 

Die Chancen

Die folgenden Überlegungen betreffen wirklich nur uns als Firma in unserer noch einigermaßen komfortablen Situation. Für die ganzen Freelancer und Unternehmen, denen es gerade existentiell dreckig geht, sieht das natürlich leider ganz anders aus. Und das tut mir persönlich sehr leid. Wenn wir hier irgendjemandem helfen können, einfach melden.

Nach jetzt zwei Wochen Remote-Arbeit zeichnen sich für uns gerade einige positive Effekte ab. Das verteilte Arbeiten ist für uns ja nichts Neues. Team-Meetings per Zoom oder Slack können genauso persönlich sein wie Meetings im Büro. Und auch Remote-Interviews machen wir ja regelmäßig, vor allem im B2B-Umfeld, wenn wir Probanden deutschlandweit suchen müssen.

Chancen gibt es im Prinzip an drei Stellen:

  1. Wir können jetzt auch Remote-Workshops

  2. Alle werden „Remote-ready

  3. Die Arbeitsfeld lernt dazu (und verändert sich)

Remote-Workshops

Setup für Remote-InterviewsBislang haben wir unsere Workshops IMMER live durchgeführt. Mit dem richtigen Raum und der perfekten Ausstattung (Whiteboardwände, Platz, Post-its) bleibt das auch der beste Weg, um gemeinsam im Team Erkenntnisse zu sammeln oder neue Ideen zu entwickeln.

Durch Corona wurden wir jetzt „gezwungen“, andere/digitale Formen für Workshops auszuprobieren. Und siehe da: Das klappt viel besser, als wir gedacht hätten. Wir nutzen dafür gerade mural.co, ein digitales Whiteboard zum Post-it-schreiben. Wir haben damit letzte Woche schon mehrere Interviews im Team beobachtet und gemeinsam eine große digitale Post-it-Wand mit Beobachtungen gefüllt. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir das Format in Zukunft mehr nutzen werden. In den nächsten Tagen schreibe ich noch mal einen konkreten Erfahrungsbericht zu mural.co.

Remote-Readiness

yoga-at-homeIm Moment rede ich viel mit Kollegen, Kunden und Freunden. Und dabei kommt immer die Sprache auf das Remote-Arbeiten. „Wir haben gerade Zoom ausprobiert“. „Wir hatten gerade ein Zoom-Meeting mit 70 Teilnehmern und das ging prima.“ Alle richten sich jetzt darauf ein, zuhause arbeiten zu können. Webcams werden angeschafft (sind bei amazon gerade ausverkauft) und das eigene WLAN wird optimiert.

Damit haben dann viel mehr Menschen zuhause das technische Setup für Videokonferenzen und haben auch die Erfahrung, um über die „kleinen“ technischen Hürden zu springen, die dann ja doch vorhanden sind.
Alle üben gerade „Remote-Everything“. Ob es der Klavierunterricht per Skype ist oder Chorprobe in Zoom, auch die traditionell „Ich bin nicht so für digital“-Fraktion lernt gerade irrsinnig schnell. Und es funktioniert viel besser als erwartet.

Für uns bedeutet das, es wird viel selbstverständlicher, über Videokonferenzen zu kommunizieren und Remote-Interviews zu führen.

Remote in der Gesellschaft

Für Veränderungen in der Arbeitswelt ist das erzwungene Home-Office vielfach auch sehr gut. Die traditionellen Kontrollmechanismen (Wer im Büro ist, kann ja nicht in der Arbeitszeit Rasenmäher oder Wäsche waschen) funktionieren nicht mehr und müssen zwangsläufig durch Vertrauen ersetzt werden. Es sind plötzlich Dinge möglich, die bis vor zwei Wochen undenkbar waren (Eigeninitiative, eigene Entscheidungen). Ich habe die große Hoffnung, dass die überwiegend positiven Erfahrungen, die jetzt gemacht werden, auch nach Corona zu bleibenden Veränderungen führen werden.

Und meine persönliche Sicht

Zum Abschluss noch meine persönliche Sicht auf die Corona-Zeit.
Da wir uns als Firma keine echten existenziellen Sorgen machen müssen, überwiegt bei mir der positive Blick auf die Chancen, die sich mir bieten.
Familie
Wir sind jetzt zu dritt 24 Stunden am Tag zuhause. So ist automatisch viel mehr Zeit miteinander. Der Druck ist einfach geringer und ich bin deutlich ausgeglichener. Das ist wie die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr – nur viel länger und ohne Familienfeiern.
Nachdenken
Jetzt ist die perfekte Zeit für grundlegendere Überlegungen. Mache ich eigentlich das, was ich wirklich machen möchte? Wo will ich (noch) hin? Was tut mir gut? Und was nicht?
Ich hoffe sehr, dass ich diese Zeit zum Nachdenken auch wirklich nutze.
Yoga, Renovieren und Handstand
Auf jeden Fall bietet Home-Office die Chance, neue Dinge auszuprobieren und Sachen zu lernen, die man immer schon mal machen wollte.

Mein chinesischer Kollege Taylor (von unserem Partnerunternehmen Shanghai Juzhe UX Research hat die 45 Tage Lockdown genutzt, um täglich Kalligraphie zu üben:

„Yes, it is great opportunity to do some thing you don’t have time in normal life.  I practiced calligraphy everyday during the hard time.  It is special memory.“

Für mich heisst das, regelmäßig Yoga zu praktizieren, im Haus zu renovieren (trotz geschlossener Baumärkte) und endlich den Handstand zu lernen. Da freue ich mich schon drauf.

Und ich glaube, die Gefahr „Home-Office macht dick“, gilt für mich nicht. Als Abschreckung ist hier ein ziemlich lustiges Video: Wenn die Quarantäne vorbei ist.
Also, bleibt gesund, bleibt zuhause und seht auch das Positive (auch wenn das gerade sauschwer ist).

 

Kommentar schreiben

    Name
    E-Mail Adresse
    Website URL (optional)
    Kommentar